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Erzwungene Digitalisierung: Online-Kurse in Zeiten der Corona-Krise

  • Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sind die meisten Einrichtungen geschlossen.
  • Das zwingt Betreiber, ihre Angebote ins Internet zu verlagern.
  • Unterricht, Trainings und Kurse finden vermehrt digital statt.
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Mainz/Koblenz. Trainer eines Koblenzer-Fitnessstudios filmen im leeren Trainingsraum Übungen mit Alltagsgegenständen wie Wasserkästen oder Rucksäcken. Die Videos werden für ihre Mitglieder ins Internet gestellt. Auch in anderen Bereichen werden Kunden in Zeiten des Coronavirus zunehmend online unterrichtet und betreut.

HOCHSCHULEN: Lehrsäle und Bibliotheken dicht, Mitarbeiter im Homeoffice: Die Corona-Krise hat die Hochschulen auf einen Minimalbetrieb heruntergebremst. Zugleich rief etwa die Mainzer Johannes Gutenberg-Universität ihre Lehrenden auf, digitale Angebote für die Studierenden vorzubereiten. Die Uni weiß: “Präsenzlehre und gemeinsame Diskussionen lassen sich nicht bruchlos in den virtuellen Raum übertragen.” Digitale Formate bräuchten besondere Vorbereitung, seien oft noch ungewohnt und “für die meisten Studierenden und Lehrenden anstrengender als Präsenzveranstaltungen”.

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Hochschulen stellen Lehre auf digital um - doch das funktioniert nicht überall

Die Sprecherin der Hochschule Koblenz, Christiane Gandner, sagt: "Alle Hochschulen im Land versuchen das jetzt irgendwie hinzubekommen." An ihrer Hochschule laufe in diesem Sommersemester schon vieles über das Internet: für Dozenten und Studierende Videokonferenzen und virtuelle Klassenzimmer, zeitversetzt das Hochladen von Skripten, Lernvideos und Audiodateien. "Manche Professoren haben das schon immer getan, anderen ist es schwerer gefallen", berichtet Gandner. In den Sozialwissenschaften ihrer Hochschule etwa seien sieben von acht Studiengängen schon vor der Corona-Krise online geplant gewesen. Sogar Prüfungen seien mitunter digital möglich: "Ein Bekannter hat neulich seine Bachelorarbeit online verteidigt." Es gebe aber auch Grenzen: "Gewisse Lehrformate wie beispielsweise Laborpraktika sind online nicht durchführbar", erklärt die Sprecherin. Diese müssten vermutlich verschoben werden.

FITNESSSTUDIOS: Ob Ausdauer, Beweglichkeit oder Kraft: Viele Fitnessstudios bieten jetzt Online-Kurse oder Livestreams an. “Wir haben Videos gedreht und werden auch Live-Kurse anbieten. Das heißt, ab nächster Woche wird es auch einen Online-Kursplan geben, wo die Menschen auch direkt über Zoom mitmachen können”, berichtet Rolf Dany von der Fitness- und Wellnessanlage Dany Koblenz. An einem normalen Tag habe das Studio zwischen 600 und 800 Besucher, mit den neuen Angeboten könnten die meisten von daheim weitertrainieren. Da jedoch die Trainingsgeräte fehlen, sind die Betreiber gezwungen, erfinderisch zu werden. “Wir haben die Übungen dementsprechend angepasst, dass jeder sie zuhause durchführen kann, ohne Hilfsmittel, mit einem Wasserkasten, einem Rucksack oder einem einfachen Küchenhandtuch”, erklärt Kursleiterin Luisa Elzer.

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Nicht jedes Instrument ist gleich gut für Online-Unterricht geeignet

MUSIKSCHULEN: In Krisenzeiten ist Musik für viele ein beliebtes Mittel gegen Einsamkeit und soziale Isolation. Da momentan alle Musikschulen geschlossen sind, hat sich der Unterricht in den digitalen Raum verlagert. “Wir versuchen, verschiedene Wege zu finden, um den Kontakt zu halten. Momentan finden 60 bis 70 Prozent des eigentlichen Einzelunterrichts online statt”, sagt Christoph Utz vom Landesverband der Musikschulen in Rheinland-Pfalz. “Die Resonanz ist bisher sehr positiv. Die Kinder, aber auch die Eltern, freuen sich.” Allerdings seien nicht alle Instrumente gleich gut für den Online-Unterricht geeignet. “Klavier, Gitarre, Geige und Cello funktionieren online noch ziemlich gut. Schwerer wird es bei kräftigen und sehr lauten Instrumenten, beispielsweise Blechblasinstrumenten”, erklärt Utz. Der Online-Unterricht werde aber niemals den persönlichen Kontakt ersetzen können. Auf lange Sicht biete die derzeitige Situation die Chance, den herkömmlichen Musikunterricht zu ergänzen.

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Psychotherapie per Videosprechstunde

PSYCHOTHERAPIE: Auch Psychotherapeuten und ihre Patienten sind von Kontaktverboten und Ausgangsbeschränkungen betroffen. Aus diesem Grund bietet die Kassenärztliche Bundesvereinigung nach eigenen Angaben ihren Mitgliedern bis Ende Juni 2020 die Möglichkeit, Sitzungen per Videosprechstunde abzuhalten. Normalerweise dürften Psychotherapeuten nur jeden fünften Patienten per Video behandeln, ohne dass dieser in die Praxis kommen müsse. Auch der Umfang der Leistungen, die in Videosprechstunden durchgeführt werden dürften, sei normalerweise auf 20 Prozent begrenzt. Für den Rest sei ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt erforderlich. Diese Regelung sei nun vorerst außer Kraft gesetzt.

"Der Goldstandard ist natürlich der persönliche Kontakt in der Praxis, aber wir machen gerade auch sehr viele positive Erfahrungen mit den Videosprechstunden", erklärt Sabine Maur, Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer. "Der Erkenntnisgewinn ist riesig. Wir merken, was geht und was nicht geht." Eine neue Studie habe ergeben, dass aktuell 87 Prozent der psychotherapeutischen Praxen in Rheinland-Pfalz Videosprechstunden nutzen.

FAHRSCHULEN: Doch es gibt auch Ausnahmen beim digitalen Unterricht. Der Online-Theorieunterricht der Fahrschulen ist in Rheinland-Pfalz nicht möglich. “Nicht jeder kann sich die technische Ausstattung leisten und nicht überall besteht die nötige Infrastruktur”, erklärt Joachim Einig, Vorsitzender des Fahrlehrer-Verbands Rheinland. “Alle Fahrschüler können aber weiterhin online lernen.” Im Nachbarland Hessen ist das anders. Das Land habe es den Fahrschulen jetzt ermöglicht, den Theorieunterricht online durchzuführen, sagt Jörg-Michael Satz vom Verein Moving, einer Interessenvereinigung europäischer Unternehmen, die in der Fahrerlaubnisausbildung tätig sind. Diese Möglichkeit setze ein schlüssiges Unterrichtskonzept voraus, das einer Genehmigung bedarf, und es sei auf die Dauer der Corona-Krise begrenzt.

RND/dpa

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