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Epic Games: Prozessauftakt gegen Apples App-Store-Konzept

  • In Kalifornien beginnt am Montagabend der mit Spannung erwartete Prozess des Spieleentwicklers Epic Games gegen Apple.
  • Hintergrund der Klage ist der Wunsch von Epic, seine Spiele selbst auf Apples Plattformen zu vertreiben und so Gebühren zu vermeiden.
  • Apple hingegen möchte die Kontrolle über seinen eigenen App Store behalten und argumentiert damit, in einer Konkurrenzsituation zu sein.
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In Kalifornien treffen sich am Montag Apple und der „Fortnite“-Erfinder Epic Games vor Gericht. Im Mittelpunkt des Prozesses steht die Kontrolle Apples über seinen App-Store, die Epic Games als illegales Monopol bezeichnet. Apple weist die Vorwürfe zurück. Epic Games sind nicht die Einzigen, die sich an der vorgeblichen Monopolstellung Apples stören.

Apple bestreitet diese Monopolstellung energisch, unter anderem mit dem Verweis auf den Google Play Store, dessen Systematik ähnlich sei.

Auch Netflix und die Valve Corp. gehören nach Angaben des Medienunternehmens Bloomberg zu denjenigen, die sich über die Lizenzgebühren bei Apple und Google beschwert und versucht hatten, diese zu umgehen. Epic möchte einen eigenen App-Store auf Apples Plattform aufbauen. Nach eigenen Angaben hatte Epic mehrere Hundert Millionen Dollar an Apple überwiesen, bevor „Fortnite“ im August 2020 aus dem App Store verbannt wurde, weil Epic mit seinem Bezahlsystem Apples Vorgaben umging.

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Epic wirft Apple vor, den vor 13 Jahren von Gründer Steve Jobs erdachten App Store von einer kleinen virtuellen Verkaufsfläche zu einem Monopol ausgebaut zu haben, das auf iPhones, iPads und anderen Geräten jedes Jahr Milliarden Dollar erwirtschaftet. Apple erhält von allen Nutzerkäufen innerhalb einer App eine Provision zwischen 15 und 30 Prozent von den Anbietern.

Es geht um die digitalen Goldminen

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Diese Beschwerden sind nicht neu. Allerdings werden sie zunehmend lauter und die Zahl derer, die sich nicht damit abfinden wollen, dass Apple und Google ihr eigenes Ökosystem ausbauen und nach außen absichern, nimmt zu. Die digitalen Goldminen scheinen allmählich selbst in Gefahr zu geraten. „Es scheint so, als braue sich gerade etwas zusammen“, sagt Ben Schachter, Analyst bei Macquarie, zu Bloomberg. „Es geht mittlerweile um so irrwitzig viel Geld. Man will einfach nicht mehr Milliardensummen an Apple und Google zahlen.“

Apples Hauptargument gegen Epics Klagestrategie lautet zusammengefasst so: Was Epic fordere, bedrohe genau das, was Nutzer am iOS-Betriebssystem schätzten. Ein einziges, bestens geschütztes App-Portal, das „sichere und bequeme Anwendererfahrungen“ auf einem Endgerät unter optimalen Datenschutzmaßnahmen garantiere, unterscheide das iPhone maßgeblich von Mitbewerberplattformen. Features, die eine unkontrollierte Verbreitung von Apps unterbänden, beruhten auf „bewussten, vernünftigen Entscheidungen“, so Apple, – und nicht auf der Intention, den freien Wettbewerb zu verhindern. Epic sei weit davon entfernt, nur das Beste für die Konsumenten zu wollen, sondern wolle Apple schlicht zwingen, Geld dafür auszugeben, neue Sicherheits- und Datenschutzlöcher stopfen zu müssen, hieß es aus Cupertino.

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Für viele Beobachter ist dieser Prozess nicht nur ein Musterverfahren, sondern gleich „Die Schlacht um die Zukunft des App-Stores“, wie es die Fachplattform „The Verge“ ausdrückte. Dort wird der Prozess als spektakulärer Schlagabtausch der Top-Protagonisten der Branche gesehen – was durchaus auch einen gewissen Unterhaltungswert verspricht.

Gewisse Vorfreude auf den Prozess

„Dieser Prozess verspricht tiefe Einblicke in die inneren Abläufe eines der größten und einflussreichsten Unternehmens der Welt“, schreibt „The Verge“ beinahe vorfreudig: „Mit Aussagen von Apple-CEO Tim Cook, Craig Federighi, Apples Senior Vice President of Software Engineering und somit Herr über iOS, iPadOS und MacOS, Phil Schiller, Chef des App Stores und aller Apple Events sowie Tim Sweeney, CEO von Epic Games.“

Im Kern geht es bei diesem Showdown der Techgiganten um Apples „App-Store-Steuer“ – jene ominösen 30 Prozent im Höchstfall, die als Kommission erhoben wird, um im Ökosystem App Store dabei sein zu können. Diese Marge möchten Epic und Co. gern einsparen. Und zwar dadurch, dass man das Apple-Prinzip als unfair attackiert – um es dann zum eigenen Nutzen zu kopieren. Denn auch bei Epic hat man bemerkt, wie viel Geld mit dem Prinzip App-Store zu machen ist. Ein Blick auf die nackten Zahlen scheint den Spielemachern recht zu geben.

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Apple, das höchstbewertete Unternehmen der Welt, hat derzeit einen Marktwert von mehr als 2,2 Billionen Dollar. Epic – nicht börsennotiert – kommt „nur“ auf 30 Milliarden Dollar. Um weiter zu wachsen, will das Unternehmen wie erwähnt einen alternativen App-Store auf Apple-Geräten aufbauen und keine Provisionen mehr zahlen.

Epics Hauptumsatz-Gebiet sind Konsolen

Man darf gespannt sein, wie das Gericht entscheiden wird in dem Verfahren, das wohl bis Ende Mai dauern wird. Denn was Epic ungern betont, ist die Tatsache, dass das Unternehmen einen Großteil seiner Umsätze nicht in den App-Stores von Apple und Google macht, sondern im Spiel-Konsolengeschäft – auf das Apple gar keinen Zugriff hat. Doch ob Epic mit seiner Argumentation durchkommt oder nicht, es droht schon neues Ungemach am Horizont.

Netflix ließ vergangene Woche verlautbaren, es teste gerade Optionen, ob und wie sich Apples In-App-Abosystem umgehen ließe, indem man Nutzer auf die eigene Netflix-Seite schicke. Zurzeit können Netflix-Nutzer auf iPads und iPhones Netflix-Inhalte über das In-App-Kauf-System des App Stores erwerben beziehungsweise abonnieren. Das erleichtert Abo-Abschlüsse, führt aber auch dazu, dass Apple für diese Dienstleistung 15 Prozent des Umsatzes einbehält.

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Seit Anfang Mai soll es, so berichtet Bloomberg, Neukunden und solchen, die ein Abonnement wieder aufnehmen wollten, nicht möglich sein, den Kauf über das Abrechnungssystem von Google Play abzuwickeln. Auf iPhones in den USA war Netflix in den vergangenen 90 Tagen die populärste Entertainment-App, wenn es um Kundenumsätze geht – und die meistgeladene Entertainment-App im Google Play Store.

Es sieht also ganz so aus, als würde aus der „Schlacht“ um den App Store eine langwierige Auseinandersetzung.

Mit AP

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