Vorsicht bei der Vorfreude: Kann „Elden Ring“ dem Hype gerecht werden?

  • „Demon‘s Souls“ legte im Jahr 2009 den Grundstein für das Genre der „Souls-like“-Spiele.
  • Damals noch ein absoluter Nischentitel, sind die Spiele des Studios From Software inzwischen im Mainstream angekommen.
  • Das zeigt auch der aktuelle, gewaltige Hype um „Elden Ring“.
Christian Neffe
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In der Videospielbranche jagt ein Hype den nächsten. Stieg vor gut einem Jahr die Vorfreude auf das Rollenspiel „Cyberpunk 2077″ in ungeahnte Sphären (und wurde dann vom finalen, aber unfertigen Produkt auf den Boden der Realität zurückgezerrt), ist es derzeit erneut ein Rollenspiel, das im Fokus der Gaming-Öffentlichkeit steht und die sozialen Netzwerke dominiert: „Elden Ring“.

Der neue, wenn auch inoffizielle Ableger einer inzwischen zwölfjährigen Reihe zeigt, wie ein ursprüngliches Nischenprodukt imstande ist, weite Teile des Spielemarkts zu revolutionieren und schlussendlich im Mainstream anzukommen.

Die Geburt der „Souls-likes“

„Elden Ring“ ist die jüngste Entwicklung des japanischen Studios From Software, das bereits in den 90ern gegründet wurde. Lange liefen ihre Spiele unter dem Radar, erst 2009 schuf ein gewisser Hidetaka Miyazaki ein Werk, das zunächst zum absoluten Geheimtipp avancierte: „Demon’s Soul“. Spieler und Spielerinnen mussten sich darin durch eine düstere, unnachgiebige Fantasy-Welt kämpfen. Das war bockschwer, mit Hunderten Bildschirmtoden verbunden, beinhaltete diverse Mechaniken und Geheimnisse, die neu und anders waren, vom Spiel jedoch kaum oder nicht erklärt wurden, sowie eine kryptische Hintergrundgeschichte, die vor allem über die Spielwelt und nicht über Zwischensequenzen erzählt wurde. Das alles sorgte für regen Austausch unter den Spielern und Spielerinnen, die im Kollektiv jedes noch so kleine Geheimnis der Welt entschlüsselten – und beförderte dadurch die Bildung einer bis heute treuen Community.

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Es folgten die drei Spiele der „Dark Souls“-Reihe nach dem gleichen Prinzip wie „Demon‘s Souls“ sowie „Bloodborne“ und „Sekiro“, die zwar andere Akzente setzten, aber der „Souls-Formel“ im Kern treu blieben. Auch der Einfluss auf andere Spiele war groß: „Lords of the Fallen“ sowie „The Surge“ vom deutschen Entwickler Deck13 etwa waren recht offensichtliche „Dark Souls“-Klone, sowie auch „Nioh“ und dessen Nachfolger. Selbst das Star-Wars-Spiel „Jedi: Fallen Order“ von 2019 orientierte sich stark an den „Souls“-Spielen. Inzwischen wird gar vom Genre der „Souls-likes“ gesprochen: Spiele, in denen Herausforderungen sowie Anspruch groß sind und in denen das Sterben und erneute Versuchen zum Prinzip gehören.

Spiele, in denen Herausforderungen sowie Anspruch groß sind und in denen das Sterben und erneute Versuchen zum Prinzip gehören, zählen zum Genre der „Souls-likes“. © Quelle: Bandai Namco
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Zugangscodes zur Beta für 350 Euro auf Ebay

Im Februar nun wollen die ursprünglichen Erfinder dieses Genres mit einem Paukenschlag zurückkehren. Der Hype um „Elden Ring“ ist nach all dieser Zeit – fünfeinhalb Jahre nach „Dark Souls 3″ – entsprechend gewaltig. Wie sehr, zeigte der kürzliche Betatest: 50.000 Menschen konnten an diesem teilnehmen. Doch trotz dieser Menge wurden Zugangscodes für die Vorabversion bei Ebay für bis zu 350 Euro gehandelt. War „Demon‘s Soul“ noch ein Nischenprodukt, für das sich nur Hardcore-Rollenspieler interessieren, ist die Reihe mit „Elden Ring“ zum Massenphänomen gewachsen.

Das liegt einerseits an der Reputation der „Souls“-Spiele selbst. Die haben sich in den vergangenen Jahr den Ruf erarbeitet, in einem auf Massentauglichkeit zielenden Markt eine der noch wenigen herausfordernden Serien zu sein. Und andererseits an den zwei großen Neuerungen, mit denen From Software neue Impulse setzen möchte. Die erste ist eine offene Welt: Es ist das erste Mal, dass sich das Studio an eine solche traut, und das ist durchaus ein Wagnis. Denn damit wird die Spielerführung, eine der größten Stärken der Reihe, deutlich schwieriger. Wer sich in die düstere Fantasy-Welt von „Dark Souls“ mit all ihren Untoten, Drachen, Dämonen und entstellten Monstern begab, dem setzten die Entwickler stets perfekt abgestimmte Herausforderungen vor. „Elden Ring“ hingegen entlässt seine Spieler und Spielerinnen sofort in eine riesige, frei erkundbare Welt, und so müssen interessante Punkte in der Landschaft die Abenteurer auf ihrem Weg leiten.

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Im Kern bleibt „Elden Ring“ seinen geistigen Vorgängern treu, Animationen und Sounds sind teils sogar identisch zu „Dark Souls“. © Quelle: Bandai Namco

„Breath of the Wild“ als Inspiration

Der Betatest zeigt nun: Das funktioniert bislang tatsächlich ähnlich gut wie in „Zelda: Breath of the Wild“, das dem Team als Inspiration diente, und eröffnet nebenher ganz neue spielerische Möglichkeiten. Im Kern bleibt „Elden Ring“ seinen geistigen Vorgängern treu, Animationen und Sounds sind teils sogar identisch zu „Dark Souls“.

Anders jedoch ist die höhere Mobilität, die Möglichkeit, wie in „Sekiro“ zu schleichen, sowie ein gehörntes Reittier, mit dem auch große Distanzen schnell überwunden werden können. Das Grundkonzept jedoch – eine Mischung aus Nah- und Fernkampf sowie Magie und ein gutes Ausdauermanagement – behält auch „Elden Ring“ bei. Perfektion statt (erzwungener) Innovation, scheint das Motto von From Software diesmal zu sein.

„Game of Thrones“-Autor schrieb Hintergrundgeschichte

Die zweite Neuerung ist personeller Natur. Für die Hintergrundgeschichte holte sich From Software nämlich einen großen Namen ins Team: „Game of Thrones“-Autor George R. R. Martin. Der bewies in seiner Buchreihe bereits, dass er faszinierende, tiefgreifende und komplexe Welten erschaffen kann – und will dies auch für „Elden Ring“ tun. Auch wenn der Einfluss Martins im Betatest noch nicht sichtbar wurde, so dürfte diese Kombination aufgehen. Schließlich zeichnet sich die narrative Stärke der „Souls“-Spiele seit jeher nicht durch die im Spiel erlebte Geschichte selbst aus. Stattdessen sind es subtile Hinweise in der Welt, die manche Fans zu wahren Archäologen werden lassen, wenn sie all die kryptischen Details zu einem großen Ganzen zusammensetzen.

Allein schon die Beteiligung des „Game of Thrones“-Autors zeigt, wie sehr „Elden Ring“ auf eine größere Zielgruppe schielt, hinzu kommen mehr Einsteigerfreundlichkeit – womit die langjährigen Rufe nach mehr Zugänglichkeit erhört wurden. Dass das Spiel dennoch nicht Gefahr läuft, die „Souls“-DNA zu verwässern, und nach wie vor herausfordernd ist – auch das zeigte der Betatest. Einige Fragen ließ der aber noch offen. Allem voran die, wie es angesichts der offenen Welt mit der Balance aussieht, ob manche Fähigkeiten wie das Beschwören von Geistern nicht zu mächtig sind und ob die Spielerführung auch auf lange Sicht funktioniert. Klarheit wird da erst die Veröffentlichung am 25. Februar schaffen. Bis dahin, das hat der Hype um „Cyberpunk 2077″ gezeigt, ist Vorsicht bei der Vorfreude angesagt.

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