Entspanntes Diorama­puzzeln: „Dorfromantik“ im Test

  • Im deutschen Indiespiel „Dorfromantik“ gilt es, eine Landschaft aus sechseckigen Plättchen zusammenzupuzzeln.
  • Das Spielprinzip ist minimalistisch, aber fesselnd und vor allem herrlich entspannend.
  • Beim Deutschen Computer­spielpreis 2021 gab es dafür gleich zwei Auszeichnungen.
Christian Neffe
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Wenn der Independent-Spielemarkt eines zeigt, dann, dass aus den simpelsten Spielprinzipien wahre Kassenschlager entstehen können. Jüngstes Beispiel dafür: „Dorfromantik“. Ein kleiner Titel, der von einem vierköpfigen Team aus Berlin entwickelt wird, beim Deutschen Computerspielepreis 2021 in den Kategorien bestes Debüt und bestes Gamedesign gleich doppelt ausgezeichnet wurde und der im Frühjahr einen wahren Höhenflug auf der Spieleplattform Steam erlebte. Kein Wunder, denn die Mischung aus „Die Siedler von Catan“ und „Carcasonne“ ist ein perfekter Spiele-Snack für zwischendurch und eine beinahe meditative Erfahrung, dabei aber fesselnd nicht minder anspruchsvoll.

Hier wird auf Zeitdruck und Gegenspieler verzichtet. Stattdessen fordert das Spiel Vorausplanung und die perfekte Platzierung der Plättchen. © Quelle: Christian Neffe

Hexagon­puzzelei, die weiterwächst

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Das Konzept ist schnell erklärt: Aus sechseckigen Plättchen muss der Spieler nach und nach eine Landschaft zusammenstellen. Auf diesen Platten finden sich per Zufallsgenerator angeordnete Bäume, Häuser, Felder, Wasserläufe und Bahnstrecken, in regelmäßigen Abständen geben sie zudem Aufgaben vor: Verbinde mindestens 20 Häuser, 500 Bäume oder acht Schienenstücke etwa. Bei Erfüllung der Missionen wächst der anfangs aus 40 Plättchen bestehende Stapel weiter, bis irgendwann alle verbraucht sind und ein finaler Punktestand feststeht.

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Kein Zeitdruck und keine Gegenspieler

„Dorfromantik“ verzichtet auf Zeitdruck und Gegenspieler. Stattdessen fordert das Spiel Vorausplanung und die perfekte Platzierung der Plättchen. Zu Beginn geht das noch ohne Probleme und schnell von der Hand, zunehmend tun sich jedoch Hürden auf. An Wasserstraßen und Bahnschienen etwa können nur gleiche Elemente angelegt werden, und bald schon kommen Aufgaben hinzu, die statt einer Mindestanzahl von Häusern, Feldern und Co. eine exakte Menge davon verlangen, sodass das Warten auf das perfekte Plättchen zu einer taktischen Geduldsprobe wird. Die Lernkurve ist bleibt jedoch angenehm flach.

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Wunderschöne Landschaften, die für Entspannung sorgen

Derweil wächst und wächst die Landschaft scheinbar organisch heran und ergibt zum Abschluss ein wunderschönes Diorama, auf dem sich Windmühlen drehen, größere und kleinere Siedlungen entstanden sind und auf dem Schiffchen und Züge herumtuckern. Nach und nach schaltet der Spieler neue Plättchen­elemente frei, die aber vor allem optischer Natur sind und die Landschaft in einen herbstlichen statt wie zu Beginn sommerlichen Look kleiden. Das große Merkmal der traditionsreichen deutschen Spielereihe „Die Siedler“, der vielbeschworene „Wuselfaktor“, findet sich auch in „Dorfromantik“ wieder.

Das sowie die stilsichere Aquarell­optik und die ruhig vor sich hin tröpfelnde Musik machen die maximal eine Stunde andauernden Partien zu einer meditativ-entspannenden Spielerfahrung – ein angenehmes Kontrast­programm zu all den Actionblockbustern und ein perfektes Puzzlespiel für eine Runde zwischendurch oder für den Feierabend.

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„Dorfromantik“ befindet sich aktuell noch im sogenannten Early Access, ist also noch in Entwicklung, aber bereits spielbar und läuft weitestgehend fehlerfrei selbst auf schwächeren Systemen. Die Entwickler, Toukana Interactive, nutzen das Feedback der Spielerinnen und Spieler, um das Spiel zu erweitern und zu verbessern. Unter anderem soll ein Kreativmodus nachgelegt werden. Vorteil für alle Käuferinnen und Käufer ist aktuell der günstigere Preis (circa 9 Euro) als bei der Vollversion, die Ende des Jahres erscheinen soll.

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