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Digitalisierung unterm Weihnachtsbaum? Ein Fest in Corona-Zeiten

  • Wegen der Corona-Pandemie wird Weihnachten in diesem Jahr anders sein als sonst.
  • Experten rätseln, wie das Fest in Zeiten von Corona aussehen könnte.
  • Möglich wären etwa Skype-Schaltungen, damit auch die Großeltern am Fest teilnehmen kann.
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Berlin/Hannover/Mainz. Gibt es neue Kontaktbeschränkungen? Können Familien sich treffen und wie wird das Wetter? Themen, die in diesem Jahr zu Weihnachten eine große Rolle spielen dürften. Zumindest von Seiten der Kirche aber gilt: Weihnachten findet statt. Auch wenn alles nur mit Abstand gehe, müsse niemand alleine feiern, betont etwa der Sprecher der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), Carsten Splitt. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. „Wir werden in diesem Jahr einerseits Altbewährtes in Erinnerung rufen und gleichzeitig ein paar – relativ – neue Dinge weiterentwickeln“, verspricht der Sprecher des Erzbistums Berlin, Stefan Förner.

Weihnachtsmänner gehören zur Risikogruppe

"Wir müssen dieses Jahr kreativ werden. Die Würfel werden neu gemischt", sagt auch die Berliner Familienberaterin Dörte van Benthem Favre. Sie rät dazu, technische Möglichkeiten mehr zu nutzen. "Wenn man die Oma nicht besuchen kann, könnte man sie vielleicht per Skype zuschalten und gemeinsam Geschenke auspacken". Was die Feier und Besuche angehe, müsse man Prioritäten setzen und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. "Es ist oft ein wahnsinniger Druck dahinter und Weihnachten eine regelrechte Völkerwanderung", so die Therapeutin.

Weihnachtsmannvermittlerin Petra Henkert aus dem brandenburgischen Zeuthen hofft derweil, dass sie auch dieses Jahr ihre Weihnachtsmänner losschicken kann. Normalerweise sind es etwa 40 bis 50 Männer mit weißen Bärten und roten Mänteln. Erste Anfragen seien eingegangen. Doch: „Viele Weihnachtsmänner gehören selbst zur Risikogruppe“, sagt Henkert. Und mitunter besuchten sie etwa zehn bis zwölf Familien pro Tag. Da seien Hygienemaßnahmen nötig.

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"Manche Weihnachtsmänner überlegen schon, ob sie eine Maske unter dem Bart tragen sollen und machen sich Gedanken über die Händedesinfektion. Andere haben bereits abgesagt und wollen lieber gar nicht eingesetzt werden", so Henkert. Relativ einfach sei es natürlich, Familien mit Garten oder Terrasse zu besuchen, so die Vermittlerin. Dort könne man die Bescherung unter freiem Himmel organisieren. "Aber was, wenn es in Strömen regnet?"

Gottesdienste könnten auf Schulhöfen stattfinden

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Auf frische Luft setzen auch viele Kirchengemeinden: "Viele Gottesdienste werden im Freien stattfinden: auf den großen Plätzen in den Städten, im Stadion oder im Autokino. Aber auch Waldgottesdienste und Pilgergottesdienste sind geplant", so EKD-Sprecher Splitt. Der Einfallsreichtum in den Gemeinden sei groß. "Viele Kirchen werden als Ort der Stille geöffnet sein, die Gottesdienste finden dann davor statt", sagt er. Livestreams und Fernsehgottesdienste sollen die Angebote vor Ort ergänzen.

"Einige Kirchengemeinden haben schon Sportstadien angemietet oder bei Vereinen nach Kooperationen gefragt, etwa bei Energie Cottbus. Auch Gottesdienste auf Schulhöfen und Markplätzen in Prozessionsform sind denkbar", berichtet beispielsweise Christiane Bertelsmann von der Pressestelle der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz.

"Union Berlin macht uns seit Jahren vor, wie man Weihnachtsliedersingen auch im Freien organisieren kann. Ob im Stadion mit entsprechendem Abstand auch die selbe Stimmung aufkommt, wissen wir nicht. Jedenfalls prüfen wir dies", berichtet auch Stefan Förner vom Erzbistums Berlin. "Mit Beginn des Lockdowns haben sich bei Instagram und Facebook Verkündigungsformate entwickelt, die sicherlich zu Weihnachten mit einem besonderen Akzent fortgesetzt werden. Es gibt mittlerweile auch Gottesdienst-Gemeinschaften, die sich in einer WhatsApp-Gruppe zusammengefunden haben".

Eine Inspirationsquelle für Kirchengemeinden bietet auch die Plattform "Kirche jetzt". Unter anderem ist dort eine 30-seitige Ideensammlung der Evangelischen Kirche Westfalen zu finden. Die Autoren machen Mut: "Erfahrungen mit Ostern zeigen, dass es eine gute Erfahrung sein kann, Neues auszuprobieren. Endlich sind Experimente möglich!".

„Unterwegs-Weihnachten“ statt zentralem Krippenspiel

Die durch Corona erzwungene Situation biete eine Chance, neue Aspekte von Weihnachten zu entdecken, sagt der Professor für Praktische Theologie an der Universität Mainz, Kristian Fechtner. „Manche vertraute Rituale sind ja sehr festgezurrt. Es ist für einige Menschen vielleicht auch eine Entlastung und Befreiung, wenn diese Rituale einmal durchgepustet werden“, so Fechtner.

Er plädiert für ein "Unterwegs-Weihnachten" mit mehreren liturgischen Stationen, an denen die Gläubigen vorbeikommen - statt eines zentralen Krippenspiels. "Die ganze Weihnachtsgeschichte ist ja eine Geschichte des Unterwegsseins". Wichtig sei, dass sich ein Gefühl der Festlichkeit einstelle. "Ich glaube, dass dies eher an kleineren dezentralen Orten der Fall sein wird als in großen Stadien", so der Experte.

Nicht alle Menschen haben allerdings die Möglichkeit, Weihnachten in Gemeinschaft zu erleben. "Die Kirchengemeinden werden versuchen, die Angebote für Einsame auf alle Fälle aufrecht zu erhalten", erzählt etwa Christiane Bertelsmann. Auch die Telefonseelsorge spiele dabei eine wichtige Rolle.

Auch die Gründerin der Senioren-Hotline des Vereins Silbernetz, Elke Schilling, weiß, dass die Weihnachtszeit schwierig sein kann: "Die, die sonst immer zu Weihnachten Besuch von ihren Kindern hatten, müssen eventuell dieses Jahr darauf verzichten. Das war Ostern schon schwer, wir haben es hier am Silbertelefon gehört. Weihnachten wird es noch mal schlimmer werden."

RND/dpa

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