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Digitale Services: Per Mausklick zur eigenen Bestattung

  • Bei „Mymoria“ können Interessierte von zu Hause aus ihre eigene Bestattung planen.
  • Wie in einem Onlineshop wählen sie die Urne, den Blumenschmuck und die Art der Zeremonie aus.
  • Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland spricht Gründer und Geschäftsführer Björn Wolff über sein digitales Bestattungshaus, die aktuellen Herausforderungen und den Wandel der Branche.
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Wie soll die Urne aussehen, ist eine Trauerfeier gewünscht und welcher Blumenschmuck passt? Wie in einem Onlineshop können Interessierte auf „Mymoria“ in wenigen Schritten die eigene Bestattungen planen und ihren Angehörigen den Abschied erleichtern. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht Gründer und Geschäftsführer Björn Wolff über sein digitales Bestattungshaus, die aktuellen Herausforderungen und den Wandel der Branche.

Bestattung planen, ohne das Haus zu verlassen

Welche Services bieten Sie auf Ihrer Webseite „Mymoria“ an?

Wir haben zwei Produktfelder: Man kann bei uns im Falle eines akuten Trauerfalls deutschlandweit eine Bestattung von zu Hause aus planen und beauftragen und wir führen sie dann aus. Zudem gibt es ein Vorsorgeportal. Wenn jemand sich schon vor seinem Ableben darum kümmern möchte, seine eigene Bestattung zu planen und Wünsche festzuhalten, um es seinen Angehörigen später einfacher zu machen, geht das ganz einfach online.

Wie funktioniert „Mymoria“?

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Wir sind ein Bestattungshaus, nur dass wir über einen ganz klaren, digitalen Fokus haben. Vor mymoria.de musste man bei der Planung einer Bestattung immer irgendwo hingehen. Wir denken, dass es auch anders gehen muss, denn nicht jeder hat immer die Möglichkeit, vor Ort ein Bestattungshaus aufzusuchen oder will das vielleicht auch gar nicht. Auf mymoria.de geht das, ohne dass man das Haus verlassen muss. Auch ungeübte Nutzer können in wenigen Minuten eine komplette Bestattung oder Vorsorge planen. Wir haben ein großes Team an Bestattern am Telefon, mit denen man rund um die Uhr auch persönlich sprechen kann. Das nutzen die meisten unserer Kunden, um sich auch dort Informationen zu holen und beraten zu werden. Man kann also bei uns zum Beispiel aus Nürnberg eine Bestattung in Hamburg planen. Das ist für viele Menschen wichtig, gerade wenn man sieht, wie mobil unsere Gesellschaft geworden ist. Die zweite und dritte Generation wohnt oft nicht mehr bei den Eltern und Großeltern und ist nicht vor Ort ist, wenn ein Trauerfall eintritt. Das ist für uns gar kein Problem, denn wir arbeiten deutschlandweit und können Bestattungen überall ausführen.

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Es gibt viele Gründe, warum Betroffene keine Bestattungshäuser aufsuchen möchten

Warum wollen die Betroffenen teilweise keine Bestattungshäuser aufsuchen?

Da muss man sich frei von eigenen Annahmen machen. Unsere Gesellschaft hat über Jahrhunderte gelernt, dass man bei einem Trauerfall in der Familie zu einem Bestatter geht und der kümmert sich um alles. Das ist zum größten Teil aber nicht richtig. Ich muss nicht irgendwo hingehen, ich kann das mittlerweile von überall machen. Es gibt ein großes Spektrum an Gründen, warum jemand die Bestattung anders planen möchte. Wenn zum Beispiel ein junger Familienvater gestorben ist und sich die Mutter um die Bestattung kümmern muss. Sie hat vielleicht zwei Kinder, ist in einer sehr emotionalen Situation und kann die Planung nur von zu Hause aus übernehmen. Auf der anderen Seite ist jemand, der hat seinen Vater verloren, den er nicht gekannt hat aber trotzdem in der Bestattungspflicht ist. Der wendet sich online an uns mit der Bitte, dass wir uns um alles kümmern, ohne dass er etwas tun muss. Ich finde, diesen beiden Fällen und all denen, die dazwischen liegen, muss man zugestehen, dass sie so handeln und jeder sollte den für sich besten Weg finden.

Björn Wollf, Gründer und Geschäftsführer von „Mymoria“. © Quelle: Cristopher Santos

Wie ist die Idee zu „Mymoria“ entstanden?

Durch einen Trauerfall im Bekanntenkreis. Damals hatte ich offene Augen für neue Ideen, bin dann über die Bestattungsbranche gestolpert und habe mir selbst die Fragen gestellt: Warum muss ich für die Planung einer Bestattung irgendwo hingehen? Was ist, wenn ich nicht vor Ort bin? Warum gibt es dafür keine angenehmere Lösung? Dann haben wir im Team eine Idee zu skizziert, aus der „Mymoria“ entstanden ist. Einen großen Teil des Weges hin zu dieser Kundenzentrierung haben wir geschafft, wir haben aber auch noch vieles vor.

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Bestattungsgewerbe entwickelt sich nur langsam

Wie hat sich das Bestattungsgewerbe in den vergangenen Jahren verändert?

Das Bestattungsgewerbe bewegt sich nur sehr, sehr langsam und ist nicht besonders innovationsfreudig. Es ist eher die Gesellschaft, die sich weiterentwickelt und mit neuen Themen und Bedürfnissen Veränderungen in der Bestattungskultur vorantreibt. Sowas wie die Bestattungsarten: Vor fünf bis sechs Jahren waren wir noch bei circa 50 Prozent Feuer- und 50 Prozent Erdbestattungen. Mittlerweile haben wir in Deutschland rund 80 Prozent Feuer- und 20 Prozent Erdbestattungen. Auch das hat beispielsweise mit dem Wandel der Gesellschaft hin zu mehr Mobilität zu tun. Viele können und wollen sich nicht mehr um große Gräber kümmern. Eine Feuerbestattung ist dann immer eine ganz gute Basis für alternative Bestattungsarten, die im Kommen sind. Vornehmlich geht es um Baum- und Seebestattungen, die mehr und mehr gefragt sind. Hier reagiert das Bestattungsgewerbe aber auch nur, ohne von sich aus Veränderungen anzustoßen.

Gibt es ein klassisches Bestattungsmodell, das gefragt ist oder gibt es viele individuelle Wünsche?

Die Basis einer Bestattung ist meist klassisch. Man braucht gewisse Grundzüge, die mit jeder Bestattung einhergehen. Individuell wird es, wenn es darum geht, wie man eine Trauerfeier ausrichtet, wo das Ganze stattfinden soll und welche Bestattungsart gewählt wird. Da haben Kunden relativ viel Spielraum. Wir bieten da alles an, was innerhalb der legalen Möglichkeiten ist und helfen den Menschen bei der Umsetzung. Einen großen Hang zur extremen Individualisierung sehen wir nicht – dass jemand zum Beispiel seinen Sarg oder die Urne selbst bemalen will. Menschen haben meistens immer noch ein klassisches Bild von Bestattungen im Kopf. Das muss man dann qualitativ hochwertig machen, sodass sich die Hinterbliebenen auch in einer so schwierigen Situation wohlfühlen. Das ist wichtiger als die Bestattung aufwendig zu individualisieren.

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Alternative Bestattungsformen entwickeln sich zum Trend

Übernehmen Sie auch digitale Nachlassverwaltung? Ist das ein nachgefragter Service?

Wir bieten das an. Aktuell ist das aber etwas, wonach wir vor allem von der Presse gefragt werden. Die Kundennachfrage ist verschwindend gering. Ich glaube, dass es für die jüngere Generation ein sehr wichtiges Thema werden wird. Für die Generation, die jetzt verstirbt, ist das jedoch noch nicht essentiell.

Durch die Corona-Pandemie haben sich zahlreiche alltägliche Vorgänge ins Digitale verlagert. Haben Sie in den vergangenen Monaten eine verstärkte Nachfrage erfahren?

Wir haben bemerkt, dass die Digitalisierung durch den Lockdown schneller voranschreitet und die Bereitschaft, etwas online zu erledigen, steigt. Da sind wir eine gute Lösung für den Markt, weil man alles von zu Hause aus machen kann, ohne dass man jeglichen persönlichen Kontakt mit jemandem hat – also eine sehr coronasichere Bestattungsplanung.

Welche Trends zeichnen sich für die Zukunft ab?

Es gibt ganz viele Sachen, die Menschen ausprobieren. In den Staaten gibt es zum Beispiel erste Versuche, Menschen zu kompostieren, statt zu kremieren oder zu beerdigen. Das sind allerdings keine Trends, sondern Themen, die erprobt werden. Ein Trend ist zum Beispiel der große Umbruch hin zur alternativen Bestattungsformen in Deutschland. Dass Menschen mehr Baum- und Seebestattungen als klassische Bestattungen nachfragen und dass sich die Erdbestattung einfach mehr und mehr überholt. Es gibt Themen, die werden viel besprochen, sind aber in der breiten Gesellschaft noch nicht angekommen. Der digitale Nachlass ist da ein gutes Beispiel. Den Menschen ist immer noch besonders wichtig, dass sie eine hohe Qualität erhalten – egal wo sie die buchen – und dass es ein schönes Event wird. In Corona-Zeiten sieht man noch stärker als sonst, dass es den Menschen wichtig ist, dass man zusammenkommt und bei der Trauerfeier ein persönliches Miteinander hat. Wir bieten zwar auch Liveübertragungen einer Bestattung an, das nutzen aber die Wenigsten. Das ist schön für Menschen, die nicht mehr anreisen können oder in anderen Ländern wohnen. Aber ich kann keinen Trend erkennen, dass die Welt nach Corona auf jeglichen persönlichen Austausch bei Bestattungen verzichtet und nur noch Onlinetrauerfeiern abhält.

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