Der Fall Libra zeigt: Für Facebook brechen härtere Zeiten an

  • Die Kritik an Facebooks Digitalwährung Libra hat Konsequenzen: Einige Partner bekommen anscheinend kalte Füße.
  • Das Beispiel unterstreicht, wie anders Politik und Aufsichtsbehörden inzwischen dem sozialen Netzwerk gegenüber stehen.
  • Auf Facebook kommen härtere Zeiten zu, meint Anna Schughart.
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Menlo Park. So offenherzig spricht Mark Zuckerberg eigentlich selten. Zumindest nicht in der Öffentlichkeit. In Mitschnitten, die das Tech-Magazin "The Verge" veröffentlicht hat, kann man hören, wie der Facebook-Chef im Juli Fragen seiner Mitarbeiter beantwortet. Zu hören ist ein anderer, ein weniger zurückhaltender Zuckerberg - einer der auch mal das Wort "suck" in den Mund nimmt.

In den USA schlug besonders Zuckerbergs Aussage Wellen, sich im Fall eines Wahlsiegs der US-Demokratin Elizabeth Warren auf einen juristischen Kampf einzustellen. Warren hat die Zerschlagung Facebooks zum Teil ihres Programms für die US-Präsidentschaftskandidatur gemacht. "Ich würde darauf wetten, dass wir eine rechtliche Anfechtung gewinnen würden", sagte Zuckerberg gegenüber seinen Mitarbeitern. "Wäre das trotzdem scheiße für uns? Ja. Ich meine, ich will keinen große Klage gegen unsere eigene Regierung erheben." Die Absicht solcher Worte ist klar: Zuckerberg versammelt in den Fragestunden - so fasst es "The Verge" zusammen - seine Mitarbeiter gegen Kritiker, Konkurrenten und die US-Regierung hinter sich.

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Lange war alles aus dem Silicon Valley aufregend

Das ist auch nötig. Denn den großen Tech-Konzernen weht inzwischen ein anderer Wind entgegen. Viele Jahre galt alles, was aus dem Silicon Valley kam, als neu, aufregend und absolut nachahmenswert. Je disruptiver, desto besser. Doch inzwischen haben viele Menschen - und Regierungen - genug davon. Datenskandale, Marktbeherrschung und nicht zuletzt wegen ihrer Rolle bei den US-Wahlen: Die großen Tech-Konzerne geraten nach Jahren der Schonzeit ins Visier der Regulatoren.

Gut zu sehen ist das aktuell im Fall von Libra. Die Facebook-Währung ist eigentlich wieder darauf angelegt, einen ganzen Wirtschaftszweig umzukrempeln. Libra soll - so der Plan - zur neuen globalen Währung werden. Mit Facebooks Chatdiensten Whatsapp und Messenger könnte man dann zum Beispiel direkt Überweisungen ausführen. Andere große Finanzunternehmen wie Visa, Mastercard oder Paypal wollten mitmachen.

Doch eine Neuerung einfach auf den Markt schmeißen und dann mal schauen, was passiert - das lässt man Facebook heute nicht mehr durchgehen. Auf die Ankündigung von Libra folgten prompt - und vielleicht sogar ein wenig überraschend - Reaktionen aus Europa und den USA, aus der Politik und der Wirtschaft. Und das hat Folgen: Am Dienstag berichteten mehrere US-Medien, dass einige der Libra-Partner wegen der anhaltenden Kritik kalte Füße bekommen. Facebook soll sogar mit der Bitte, Libra doch öffentlich Unterstützung auszusprechen, bei einigen der beteiligten Unternehmen abgeblitzt sein. Facebook - das wird deutlich - ist nicht mehr das Unternehmen, mit dem sich alle schmücken wollen.

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Die Zeiten, in denen Facebook ungestört blieb, sind vorbei

Mark Zuckerberg war klar, dass der Launch von Libra nicht einfach sein würde. Das zeigen auch die Mitschnitte. Aber es geht nicht nur um Libra. Es geht um Facebook, seine Macht und sein Image. "In den ersten zehn Jahren oder so haben wir mehr begeisterte Presse erhalten, als irgendein Unternehmen es verdient", sagt Zuckerberg selbst. Heute muss er seinen Mitarbeitern erklären, was sie ihren Freunden, die Facebook nicht mögen, sagen sollen.

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Lange Zeit durfte Facebook machen und machen und immer noch mehr machen. Diese Zeiten sind vorbei. Dass man heute etwa noch einfach so den Kauf von Instagram oder Whatsapp absegnen würde, ist unvorstellbar. Stattdessen werden neue Untersuchungen angekündigt: Die US-Handelsbehörde FTC untersucht die Marktmacht von Facebook und Amazon, das deutsche Kartellamt will im Streit um den Datenschutz vor den Bundesgerichtshof ziehen, die US-Demokraten haben das Thema Marktmacht von Tech-Konzernen für sich entdeckt.

Es ist noch unklar, was genau aus all diesen Bemühungen wird. In der Vergangenheit ist Facebook oft glimpflich davon gekommen. Aber eines zeichnet sich doch ab: Libra ist alles andere als ein Selbstläufer. Und auch wenn Warren nicht US-Präsidentin wird: Für Facebook sind härtere Zeiten angebrochen.