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„Cyberpunk 2077“ im Test: Umwerfendes Design – aber noch mit technischen Macken

  • „Cyberpunk 2077“ ist für PC und Konsolen erschienen.
  • Das Open-World-Rollenspiel ist der am heißesten erwartete Titel des Jahres.
  • RND-Autor Jan Bojaryn hat „Cyberpunk 2077“ angespielt und findet: Wer auf die Reparaturen warten kann, der sollte das tun.
Jan Bojaryn
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Hannover. „Whoa, es ist abgekratzt.“ Alles an diesem Spiel ist cool. Sogar die Fehlermeldung, wenn es abstürzt. „Cyberpunk“ ist nicht nur der halbe Titel dieses Spiels, sondern ein ganzes Genre voller Traditionen. Es geht um düstere, abgerissene Zukunftsbilder, die brutal sind, aber auch faszinierend. „Cyberpunk 2077″ versucht in jeder Spielsekunde, diese Stimmung wachzurufen.

Dieses Spiel sieht umwerfend aus – wenn die Leistung stimmt. Für diesen Test haben wir „Cyberpunk 2077″ zuerst nicht mit Ray-Tracing in 4K angespielt, sondern auf einem Gaming-PC der unteren Mittelklasse, ungefähr analog zu der empfohlenen Leistung für 1080p-Auflösung. Es ist erstaunlich, wie gut es auf der alten Hardware läuft. Nicht nur technisch liegt „Cyberpunk 2077″ auf einem beeindruckend hohen Niveau, es besticht mit einer großen, detaillierten und liebevoll verdreckten Spielwelt.

„Cyberpunk 2077″ spielt in einer Westküsten-Metropole namens Night City. Das Setting ist der Star. Die chaotisch in alle Richtungen gewucherte Stadt sieht immer wieder anders aus. Nur die aufdringlichen Werbeplakate wiederholen sich zu oft. Sie erinnern jeden Zweifler noch einmal an die Altersfreigabe: Die Welt von Cyberpunk ist ab 18. Sex, Gewalt, Drogen und Obszönitäten warten hier in unterschiedlichen Kombinationen hinter jeder Ecke auf die Spieler.

„Cyberpunk 2077“ spielt in einer Westküsten-Metropole namens Night City – die immer wieder anders aussieht. © Quelle: CD Projekt RED

„Cyberpunk 2077“ ist mehr „Deus Ex“ als „The Witcher 3“

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Entwickelt wurde „Cyberpunk 2077″ von CD Projekt Red. Das ist der Hauptgrund für den immensen Hype hinter dem Spiel, denn aus diesem Studio kam zuletzt der große Rollenspielhit „The Witcher 3″. Auch das neue Abenteuer ist ein Rollenspiel. Aber mit der neuen Egoperspektive, dem urbanen Setting und der allgegenwärtigen Gewalt hat es deutlich mehr von einem Egoshooter. Spielereihen wie „Deus Ex“ haben auf ähnliche Weise versucht, Rollenspiel und Shooter zu kreuzen.

Das gängige Actionarsenal wird erweitert durch die Möglichkeit zu schleichen, zu hacken und zu plaudern. Vor allem die vielen Multiple-Choice-Gespräche machen aus dem Baller- ein Rollenspiel. Laufend kann der Spielercharakter Auftraggebern hintergehen, Deals auffliegen lassen, oder Türsteher bedrohen. Die Geschichte hangelt sich anfangs an Genreklischees entlang, lebt aber von ihren stark geschriebenen und gespielten Charakteren.

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Vogelscheuchen in der Disco und ein Absturz

Im Corona-Jahr ein großes Spiel zu veröffentlichen, muss schwierig sein. So zumindest sieht das Spiel aus. Auch mit dem aktuellen Update zum Erscheinungstag fallen auf dem PC viele kleine Fehler auf. Es beginnt mit sporadischen Rucklern. Hinzukommen viele Kleinigkeiten, die das Spiel nicht zerstören, aber doch behindern. So treffen wir zum Beispiel in einer Disco auch nach mehrmaligem Neustart immer wieder auf einzelne Passanten, die regungslos dastehen wie Vogelscheuchen, die Arme seitlich ausgestreckt.

Abgestürzt ist das Spiel im Test auch, aber nur einmal. Spielbar ist „Cyberpunk 2077″ allemal. Doch die Zahl der Fehler fällt auf, sie kann die Stimmung ruinieren, und sie stellt Fans vor eine schwierige Frage: Millionen Spieler haben diesen Titel jahrelang erwartet. Wenn sie das Abenteuer jetzt sofort spielen wollen, müssen sie die technischen Macken in Kauf nehmen. Höchstwahrscheinlich wird CD Projekt Red seinem Ruf treu bleiben und den Titel umfangreich nachbessern, bis er deutlich runder läuft. Auch für die neuen Konsolen Playstation 5 und Xbox Series X/S ist noch ein Update in Entwicklung. Nach dem ersten Spieleindruck kann man sagen: Wer auf diese Reparaturen warten kann, der sollte das tun.

Nicht nur technisch liegt das Spiel auf einem beeindruckend hohen Niveau, es besticht mit einer großen, detaillierten und liebevoll verdreckten Spielwelt. © Quelle: CD Projekt RED
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„Cyberpunk 2077“ hat eine goldene Zukunft vor sich

Zur Geschichte lässt sich nach einigen Stunden im Game wenig sagen. Ersten Meldungen zufolge ist die Geschichte dieses Spiels kürzer als das epische „The Witcher 3″, aber nicht eben kurz. Und die Erzählung lässt sich Zeit. Bis etwa der umfangreich beworbene Keanu Reeves seine Starrolle antritt, dauert es mindestens einige Stunden. Vom Start weg besticht die Story jedoch mit coolen Charakteren, die gefährliche Sprüche klopfen. Man kann es kaum erwarten, weiterzuspielen.

Der Erscheinungstermin von „Cyberpunk 2077″ wurde mehrfach verschoben. Das fertige Spiel mag sich noch nicht ganz fertig anfühlen, aber das ist auch ein Zeichen der Zeit. Große Spiele wie dieses sind nach der Veröffentlichung nicht fertig, sie werden über Monate oder Jahre mit Updates versorgt. Nicht nur Nachbesserungen, auch neue Inhalte sind für das Spiel angekündigt. Dafür stehen die Zeichen gut. Mit der Stadt und dem Setting haben die Entwickler ein solides Fundament gelegt, auf dem noch Großes wachsen kann.


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