Corona-Warn-App stellt Krankenhaus-Labore vor Probleme

  • Mithilfe der Corona-Warn-App sollen Labore ihre Testergebnisse digital an die Nutzer übermitteln.
  • Doch die technische Anbindung an die App der Bundesregierung stellt vor allem Kliniken vor Herausforderungen.
  • Laborärzte kritisieren die fehlende finanzielle Unterstützung.
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In der Theorie klingt es einfach: Wer seinen Corona-Test in der Warn-App der Bundesregierung hinterlegen möchte, erhält von dem zuständigen Labor dafür einen QR-Code. Der Nutzer kann diesen Code nach der Testung in die App einscannen. Nach der Auswertung findet der Nutzer sein Testergebnis in der App. Bei einem positiven Befund gibt es anschließend die Möglichkeit, das Ergebnis anonym zu teilen und andere Kontakte so zu informieren.

Um diesen Prozess realisieren zu können, müssen Testlabore allerdings entsprechend gerüstet sein. Neben der Möglichkeit, QR-Codes zu erstellen und der Ausstattung mit entsprechenden Lesegeräten benötigen die Labore zudem eine Verbindung zum Verifikationsserver der App. Vor allem für Klinik-Labore zieht dies Probleme mit sich. Da Krankenhäuser besonders empfindliche Infrastrukturen aufweisen, müssten die System und Daten besonders geschützt werden, sagte der Laborleiter der München Klinik, Alexander von Meyer, im Gespräch mit „Tagesschau.de“. Das technische Integration der App in die vorhandenen Strukturen sei deshalb um einiges komplizierter als bei externen Teststellen.

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Technische und finanzielle Herausforderungen

Auch Professor Harald Renz vom Universitätsklinikum Marburg sieht große Herausforderungen für die Labore. Vor allem die Verbindung zwischen Teststellen und App würde zum Problem. „Diese Anbindung ist sehr teuer, für einzelne Labore liegt der Betrag bei um die 20.000 Euro“, sagte er gegenüber der „Oberhessischen Presse“. Die Anbindung seines Labors sei finanziell, technisch und personell „viel zu aufwendig“, zitiert ihn „Tagesschau.de“. Unter anderem müsste das komplette Laborinformationssystem umprogrammiert und neue Software installiert werden. Gelder für die Umrüstung stellt die Bundesregierung den Laboren dabei nicht bereit. Bei den Laborleitern Renz und von Meyer sorgt das für Kritik.

Laut Bundesregierung seien mittlerweile 148 von 165 niedergelassenen Labore angeschlossen, wie Regierungssprecher Steffen Seibert in der vergangenen Woche mitteilte. Wie „Tagesschau.de“ unter Berufung auf das Robert-Koch-Institut berichtet, liegen für die Anbindung der Krankenhauslabore jedoch keine Zahlen vor.

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Die offizielle Corona-App ist in Deutschland an den Start gegangen. Sie soll im Kampf gegen Covid-19 beitragen und Nutzern mögliche Risiken aufzeigen.  © RND

Kritik an Corona-Warn-App

In den vergangenen Woche wurde zunehmend Kritik an der Corona-Warn-App laut. „Da die Daten der App nicht automatisch an die Gesundheitsämter weitergeleitet werden, ist dieses Instrument in seiner derzeitigen Form für uns keine große Unterstützung bei der schnellen Bekämpfung und Eindämmung von Corona-Ausbrüchen“, sagte die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die App spiele „in der alltäglichen Arbeit der deutschen Gesundheitsämter so gut wie keine Rolle“. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hält die Anwendung für wirkungslos und bezeichnete sie als „zahnlosen Tiger“.

Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte, der App seien Grenzen gesetzt, weil man sich bewusst für ein datenschutzkonformes und datensparsames Modell entschieden habe. Denn dabei gebe es eine doppelte Freiwilligkeit: beim Herunterladen der App und bei der Eingabe des Testergebnisses.

Professor Harald Lenz kritisiert zudem, dass die Nutzer ihre positiven Befunde nur selten teilen. „Die aktuellen Zahlen sind nur circa 10.000 positive Testergebnisse seit Beginn der Übertragung. In der letzten Zeit werden nur weniger als zehn Prozent aller positiven Testresultate in die Corona-Warn-App eingespeist. [...] Damit ist unter den gegebenen Nutzungs- und Anwendungsbedingungen die Corona-Warn-App leider nicht in der Lage, als schlagkräftiges Instrumentarium zu dienen.“

RND/mkr/mit epd

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