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Handy-Tracking-Apps gegen Corona: Wie kann das funktionieren?

  • Deutschland diskutiert derzeit angeregt über Handy-Tracking und die Ortung von Smartphones.
  • Eine App soll helfen, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.
  • Doch wie könnte ein solches Tracking funktionieren?
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Dutzende Experten arbeiten dieser Tage an der Entwicklung einer App, die dabei helfen soll, Corona-Erkrankte zu identifizieren und mögliche Verbreitungswege nachzuverfolgen. Während Länder wie Singapur und Südkorea schon früh auf Tracking-Hilfsmittel zurückgegriffen haben, sucht das RKI gemeinsam mit dem Heinrich-Hertz-Institut (HHI) des Fraunhofer Instituts aktuell noch nach einer deutschlandweiten Lösung, die sich mit Datenschutzbedenken vereinbaren lässt. Wie der “Tagesspiegel” berichtet, könnte das Konzept für die App in den kommenden Tagen präsentiert werden. Doch wie kann das Tracking über eine Smartphone-Anwendung überhaupt technisch erfolgen?

Funkzellenabfrage

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plädierte in den vergangenen Tagen für eine umstrittene Methode: Die sogenannte Funkzellenabfrage. Als Funkzelle wird das Gebiet rund um einen Mobilfunksendemast bezeichnet. Bei einer Abfrage erhalten Behörden Zugriff auf die Verbindungsdaten des jeweiligen Telekommunikationsunternehmens. Alle Endgeräte, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Funkzelle angemeldet waren, werden automatisch registriert. Bei der Funkzellenabfrage handelt es sich um ein gängiges Instrument der Ermittlungsbehörden, das bei der Ortung von Smartphones zum Einsatz kommt. Südkorea hat etwa im Kampf gegen das Coronavirus auf Standortdaten der Telekommunikationsanbieter, Daten aus Überwachungskameras und Kreditkartendaten zurückgegriffen.

Kritik an dem Vorschlag wurde unter anderem Seitens SPD laut: “Weil die Funkzellen viel zu groß sind, wären die Ergebnisse zu ungenau”, warnte die SPD-Chefin Saskia Esken. Niemandem sei damit gedient, wenn in einer Großstadt auf dem Smartphone die Nachricht aufblinke, dass sich im Umkreis von 500 Metern eine infizierte Person befindet. “Das schürt nur Panik, dämmt aber die Infektionsgefahr nicht ein. Das war einfach nur ein untauglicher Vorschlag”, sagte Esken.

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Auch Datenschützer sehen die Ermittlung über Funkzellenabfrage kritisch. “Widersprochen haben wir der Nutzung von Standortdaten der Mobilfunkbetreiber, weil diese zu ungenau sind (Panik statt Nutzen) und tatsächlich Bewegungsprofile der Bürgerinnen zulassen, auch der 99 Prozent Nicht-Betroffenen”, twitterte der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber.

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Tatsächlich ergeben sich vor allem in ländlichen Gebieten Ungenauigkeiten bei der Auslese von Funkzellen, da diese sich über große Areale von bis zu mehreren tausend Quadratmetern erstrecken. Mithilfe eines Verfahrens, das sich Triangulation nennt, lassen sich die Daten etwas genauer bestimmen. Dazu werden die Daten mehrerer Sendemasten miteinander abgeglichen.

GPS

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Es wäre der gängigste Weg: Wie auch bei anderen Ortungsdiensten wie etwa Google Maps oder Apple Karten erfolgt die Lokalisierung der App-Nutzer über das Global Positioning System (GPS) des Endgeräts. Für die Ortung muss das Gerät mit mindestens vier GPS-Satelliten im Kontakt stehen. Je mehr Satelliten mit dem Handy verbunden sind, desto präziser wird die Standortermittlung.

Das Trackingtool ist in allen Smartphones automatisch verbaut und erlaubt eine genaue Standortanalyse bis auf wenige Meter. Doch auch diese sind laut einer Studie der Universität Georgia öfter fehleranfällig – etwa wenn die Verbindung zum Satelliten nicht eindeutig ist. Das passiert vor allem innerhalb von Gebäuden oder in Ballungsgebieten.

Für die Standortbestimmung via GPS ist die ausdrückliche Zustimmung des Nutzers nötig, denn nur so können Apps auf den Chip zurückgreifen. Die App des israelischen Gesundheitsministeriums, “HaMagen”, greift mittels GPS auf die Standortdaten der Nutzer zu und informiert sie per Nachricht über einen Kontakt zu Corona-Infizierten.

Bluetooth

Das Tracking über Bluetooth setzt ebenfalls die freiwillige Installation einer App voraus. Dabei setzten Politik und Entwicklung auf eine hohe Bereitschaft der Bevölkerung. Denn nur ab einer bestimmten Datenmenge und Nutzeranzahl kann die App ihren Nutzen auch erfüllen.

Über Bluetooth kann festgestellt werden, welche Smartphones sich über einen längeren Zeitraum in unmittelbarer Nähe befunden haben. Die Reichweite des Kurzstreckenfunks beträgt ungefähr zehn Meter. Anschließend generiert das jeweilige Endgerät eine zufällige ID des anderen, die anonymisiert gespeichert wird. Kommt es zu einer Erkrankung, lassen sich mögliche Kontakte eines Infizierten nachvollziehen, die dann per Pushnachrichten informiert werden. Das gilt allerdings nur für Personen, die im Besitz einer solchen App sind. Der Vorteil: Die Daten geben keine Rückschlüsse auf den Aufenthaltsort, den Mobilfunkanbieter oder die Handynummer des Nutzers.

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In Singapur ist eine staatliche App, die auf Bluetooth zurückgreift, bereits im Einsatz. Mithilfe von “TraceTogether” werden so alle Kontakte der vergangenen 21 Tage auf dem Handy gespeichert. Erfolgt eine Infizierung, werden all diese gespeicherten Kontakte benachrichtigt. Bereits mehr als 600.000 Menschen haben die App installiert. Singapur hat angekündigt, die App Open Source zur Verfügung zu stellen und den Quellcode der Anwendung zu veröffentlichen.

Anonymisiertes Speichern

Datenschützer betonen, wie wichtig es sei, dass sämtliche Gesundheitsdaten anonymisiert behandelt werden. Dies kann zum Beispiel erfolgen, indem das Profil des Nutzers nur lokal auf dem Smartphone abgespeichert wird. Erst wenn es zu einer Infektion kommt, könnten die Daten ausgewertet und an entsprechende Stellen weitergeleitet werden. Zudem muss gewährleistet sein, dass es nicht zu einem möglichen Missbrauch der App kommt. Die Meldung von einer Erkrankung sollte über eine offizielle Nachrichtenkette erfolgen, sodass Falschmeldungen ausgeschlossen werden können.

Telekom leitet Daten ans RKI

Einen ersten Satz anonymisierter Daten hat das Robert Koch-Institut in der vergangenen Woche von der Deutschen Telekom zur Verfügung gestellt bekommen. Dabei ging es jedoch nicht darum, Infektionswege nachzuvollziehen. Vielmehr halfen die Bewegungsprofile von rund 46 Millionen Kunden dem RKI dabei, zu überprüfen, inwieweit die aktuellen Beschränkungen und Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus greifen. Insgesamt wurden fünf Gigabyte Daten übermittelt, weitere Transfers sollen folgen. Auch Telefónica hat sich bereit erklärt, Standortinformationen ans RKI zu übermitteln.

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Bei der Analyse konnten die Experten unter anderem feststellen, wie sich die Bewegungsmuster in den letzten Tagen verändert haben. Die Bewegung innerhalb der Landkreise habe beispielsweise um 45 Prozent abgenommen, teilte Frank Schlosser von der Berliner Humboldt-Universität gegenüber dem RBB mit. Besonders stark sei die Abnahme der Bewegung auch in Großstädten wie Berlin, München und Hamburg – hier ging die Bewegung der Menschen um bis zu 60 Prozent zurück.

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