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  • Corona-Armband statt Corona-Warn-App? Pilotprojekt startet in 2020

Statt Corona-Warn-App: IT-Experten entwickeln Armband für Kontaktnachverfolgung

  • Derzeit ist die Corona-Warn-App vor allem Menschen mit Smartphone vorbehalten.
  • Die Universität Kiel hat deshalb ein Warnarmband entwickelt, das ähnlich wie die App arbeitet, doch den entscheidenden Vorteil hat, dass kein Smartphone benötigt wird.
  • Vor allem für ältere Menschen sei das Armband laut Projektinitiatoren geeignet – noch in diesem Jahr beginnt ein erstes Pilotprojekt.
Alice Mecke
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Hannover. Wer kein Smartphone besitzt, kann die Corona-Warn-App der Bundesregierung nicht nutzen. Wer ein älteres Modell besitzt, ebenfalls nicht. Bis jetzt war da auch nichts zu machen – so der Tenor der Regierung. Eine Alternative ist aber in Sichtweite. Die Universität Kiel entwickelt in Kooperation mit der IT-Firma Addix seit mehreren Monaten einen Ersatz zur Warn-App: Ein Corona-Warn-Armband, das zumindest teilweise ohne Smartphone funktioniert.

Die Zielgruppe seien dabei nicht nur ältere Personen oder Menschen, die sich nicht mit einer komplizierten Installation auseinandersetzen wollen. Das Armband sei auch möglichst „datenarm“ gehalten, sagte Björn Schwarze, Geschäftsführer von Addix, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Das Armband soll mithilfe von Bluetooth Infektionsketten nachverfolgen – so wie die Corona-Warn-App. Das Bundesgesundheitsministerium unterstütze das Projekt mit knapp 100.000 Euro, so Schwarze. Noch in diesem Jahr soll in Kiel ein Pilotprojekt starten, bei dem bis zu 1000 Probanden ein solches Armband erhalten. Bei dem Projekt soll vor allem getestet werden, ob die Warn-App und die Armbänder miteinander kompatibel sind und der Datenaustausch zwischen den Geräten problemlos funktioniert.

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Tragepunkt des Armbands für den Austausch vorteilhaft

Genau wie die Corona-Warn-App soll das Armband erkennen, wie nah man anderen Menschen mit Armband kommt. Die Begegnungen werden dabei anonym gespeichert und der Träger gewarnt, wenn einer der Kontakte später digital einen positiven Corona-Test meldet. Dafür ist im Armband ein LED-Lämpchen verbaut. Sobald es das Signal bekommt, dass der Träger mit einem Infizierten in Kontakt war, soll es als Warnsignal aufleuchten.

Laut Entwickler Schwarze ist vor allem der Tragepunkt des Armbands von Vorteil. Wie bei der Corona-App wird die Signalstärke der Smartphones genutzt. Die kann stark variieren: „Mit dem Armband empfängt man höchstwahrscheinlich alle Signale in der Umgebung. Wenn ein Handy in der Tasche liegt, mit noch vielen anderen Sachen aus Metall, wird das Signal schwächer.“ Es könne auch getragen werden, wenn das Handy am Arbeitsplatz nicht erlaubt ist. Auch beim Sport müsse es nicht abgelegt werden.

Nachteil: Keine dauerhafte Verbindung mit dem Internet

Das Armband verfügt über keine direkte Verbindung zum Internet, für Schwarze durchaus ein Vorteil: „Die Sorge der Menschen ist sehr groß, dass ihre Daten ungefiltert abgefangen werden. Da das Armband eben keine Internetverbindung hat, findet das aber nicht statt.“ Für das Auswerten der Daten benötigt man ein Kopplungsgerät mit Internet.

Sobald eine Verbindung mit dem Internet besteht, funktioniert das Armband folgendermaßen: „Ich hole mir im Endeffekt die Informationen, wer infiziert ist, aus dem Netz von den Servern des Robert-Koch-Instituts und vergleiche diese mit den von mir auf meinem Armband gespeicherten Schlüsseln. Im Falle einer Infektion nehme ich dieses Armband und gehe zum Gesundheitsamt und sage: Auf diesem Armband finden Sie jetzt die notwendigen Schlüssel, um andere Menschen darüber in Kenntnis zu setzen, dass ich infiziert bin“, erklärt Schwarze das Prinzip.

Eine weitere Lösung bezüglich der Internetverbindung soll sein, dass in der Nähe von Anlaufstellen in der Stadt, etwa in Sparkassen oder Bäckereien, Verknüpfungsgeräte aufgebaut werden. Der Informationsaustausch soll automatisch starten, wenn sich ein Armband in der Nähe befindet. „Dabei hole ich mir die Infiziertenlisten auf mein Armband, ich sende keine Informationen von mir.“ Aktuell arbeite man auch an einer Smartphone-App zum Armband, erklärt Schwarze. Ihre einzige Funktion soll allerdings sein, das Armband mit dem Internet zu verbinden.

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Pflegeheime sollen Armbänder erhalten

Vor allem Pflegeheime will die Initiative mit den Armbändern versorgen. Die Personengruppe sei derzeit nahezu „ausgeschlossen“ von der Möglichkeit, die Warn-App zu nutzen, und gleichzeitig „unbedingt zu beschützen“. Über den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) soll ein Teil der 1000 Armbänder verteilt werden. Die Armbänder würden Daten austauschen, sobald die Pfleger eine Internetverbindung herstellen würden. Endgeräte zur Auswertung der Daten sollen im nächsten Schritt verteilt werden.

Keine Konkurrenz zur App

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Eine Konkurrenz zur App soll das Armband nicht sein, sondern eine Ergänzung für die Menschen, die durch die App nicht erreicht werden. Zudem arbeiten App und Armband zusammen. „Es ist kostengünstiger und hat eine lange Akkulaufzeit, aktuell belaufen sich die Kosten für ein Armband auf 20 Euro, bei größerer Stückzahl wird es noch weniger“, erklärt Schwarze. Aktuell müsse das Armband nur alle drei Tage aufgeladen werden.

Außer der Warnfunktion sollen die Armbänder übrigens nichts können, es befindet sich kein GPS oder andere Funktionen zur Datenerfassung in den Armbändern. Anders als in der App könnten die Bänder auch nicht namentlich dem Besitzer zugeordnet werden. Einen ersten Testlauf mit den Armbändern habe es im Sommer gegeben. Getestet wurde der Prototyp von 800 Teilnehmern der Kieler Woche. Es habe zwar keinen Corona-Fall gegeben, an dem man die Funktion der Armbänder hätte testen können, doch „die Kontaktverfolgung hat hervorragend funktioniert“, berichtet Schwarze.

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