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Corona-Apps in Europa: Geringe Nutzerzahlen sorgen für Ernüchterung

  • In Deutschland soll die Corona-Warn-App ab Mitte Juni zum Download verfügbar sein.
  • Währenddessen sind ähnliche Tools in Frankreich und Italien veröffentlicht worden.
  • Wie funktionieren die Apps in anderen europäischen Ländern und wie ist das erste Fazit?
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Während Deutschland weiterhin auf die Einführung der Corona-Warn-App wartet, sind andere Länder bereits einen Schritt weiter. In Frankreich und Italien wurden die Anwendungen Anfang Juni veröffentlicht, in Österreich oder Norwegen sind Apps bereits seit mehreren Wochen im Einsatz. Doch die ersten Teststrecken führen auch zu Ernüchterung: Vor allem geringe Download- und Zugriffszahlen begrenzen den Nutzen der Warn-Apps. Wie ist die Lage in anderen europäischen Ländern?

“StopCovid” in Frankreich

In Frankreich ist die Warn-App “StopCovid” am Dienstag veröffentlicht worden. Die kostenlose Anwendung steht zum Herunterladen auf das Handy bereit, wie die Regierung auf Twitter mitteilte. Die App soll mithilfe von Bluetooth-Signalen erfassen, welche Smartphones einander nahe gekommen sind. Experten hatten im Vorfeld kritisiert, dass die französische App nicht von den neuen Schnittstellen unterstützt wird, die Apple und Google für Corona-Tracing-Apps für iOS und Android bereitgestellt haben.

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Frankreich hatte sich gegen eine Zusammenarbeit mit den beiden großen Firmen entschieden. Das habe insbesondere beim iPhone zur Folge, dass die App nicht im Hintergrund laufen könne, kritisieren Experten. Sie müsse hingegen im Vordergrund geöffnet sein, um ständig Bluetooth-Signale senden und empfangen zu können – damit ist sie unter dem Apple-Betriebssystem iOS nach Experteneinschätzung quasi unbrauchbar.

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“Immuni” in Italien

Auch Italien hat seine Corona-Warn-App am Dienstag in den App und Play Stores bereitgestellt. “Immuni” wurde von einem Mailänder Unternehmen entwickelt und soll am 8. Juni aktiviert werden. Allerdings stehen die Dienste vorerst nur in vier von 20 Regionen des Landes zur Verfügung, später sollen weitere Gebiete folgen. Wie auch die deutsche Anwendung basiert die Identifikation von Kontakten auf der Bluetooth-Low-Energy-Technologie. Anders als in Frankreich haben die Entwickler auf die von Apple und Google zur Verfügung gestellte Schnittstelle zurückgegriffen.

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Die Entwickler haben den Programmcode der App vor dem Start auf der Plattform Github veröffentlicht. An den Plänen hatte es Kritik von Datenschützern gegeben. Dazu erläuterte das italienische Gesundheitsministerium, die “Immuni”-Anwendung sei im Einklang mit italienischen und europäischen Gesetzen zum Schutz der Privatsphäre entwickelt worden.

“Stopp Corona” in Österreich

In Österreich ist “Stopp Corona” bereits seit Ende März im Einsatz. Die vom Roten Kreuz bereitgestellte App wurde laut ORF bisher 600.000-mal heruntergeladen und verzeichnet rund 300.000 aktive Nutzer. Damit die Anwendungen ihren Zweck erfüllen, müssten laut einer Erhebung der Oxford-Universität allerdings mindestens 60 Prozent der Bevölkerung sie nutzen. Der Präsident der österreichischen Ärztekammer, Thomas Szekeres, hat deshalb zur Nutzung aufgerufen. “Die App funktioniert nur, wenn möglichst viele Menschen sie heruntergeladen haben. Das tut nicht weh, das schadet nicht.” Auch das Gesundheitsministerium und das Rote Kreuz hatten Bürger dazu aufgerufen, sich die Anwendung auf das Smartphone zu laden.

“Stopp Corona” misst mithilfe der Bluetooth-Low-Energy-Technologie den Abstand zu anderen Smartphones, auf denen die App installiert ist. Nähern sich zwei Geräte auf zwei Meter Abstand für mehr als 15 Minuten, so tauschen die Smartphones einen "automatischen Handschlag“ aus. Mitte Juni soll eine neue Version der App veröffentlicht werden, die dann auch von den Apple- und Google-Schnittstellen Gebrauch macht.

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“SwissCovid” in der Schweiz

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In der Schweiz befindet sich die Tracing-App “SwissCovid” aktuell in der Testphase. Rund 15.000 Erstanwender, darunter Soldaten und Mitarbeiter von Kliniken und Hochschulen, haben die Anwendung bereits auf ihr Smartphone geladen. Die freiwillige Anwendung wurde von den Technischen Hochschulen Lausanne und Zürich und dem Unternehmen Ubique entwickelt. Sie sammelt via Bluetooth Low Energy die Schlüssel anderer Nutzer und speichert diese bei näherem Kontakt dezentral auf dem Smartphone. Einer Umfrage der Forschungsstelle Sotomo zufolge sehen 70 Prozent der Schweizer Bürger der Einführung positiv entgegen. Die App soll im Juni offiziell an den Start gehen, dafür ist zunächst allerdings eine Änderung des Epidemiengesetzes notwendig.

“Smittestopp” in Norwegen

Mitte April hat Norwegen die App “Smittestopp” veröffentlicht. Rund ein Fünftel der erwachsenen Bevölkerung nutzt die Anwendung seither aktiv. Trotz der geringen Nutzerzahlen betonte das Gesundheitsministerium, dass die App Behörden dabei helfen würde, die Ausbreitung des Virus besser zu verstehen. Die Daten der Nutzer werden neben Bluetooth zusätzlich via GPS ermittelt und auf einem zentralen Server gespeichert. Daraus ergeben sich umfangreiche Bewegungsprofile. Angaben des norwegischen Gesundheitsministeriums zufolge entspricht die App den europäischen Datenschutzbestimmungen. Die Nutzer bleiben anonym und die Daten werden nach 30 Tagen automatisch gelöscht. Dennoch haben Kritiker und Bürger Datenschutzbedenken geäußert.

“Rakning C-19” in Island

Seit Anfang April ist die isländische App “Rakning C-19” im Einsatz. Anhand von GPS ermittelt die App Bewegungsprofile, die auf dem Smartphone gespeichert werden und Infektionsketten nachvollziehbarer machen sollen. Erkrankt ein Nutzer an Covid-19, wird er gebeten, seine Standortdaten an die Gesundheitsbehörden weiterzuleiten. So sollen weitere Kontaktpersonen identifiziert werden.

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Einem Bericht der “MIT Technology Review” zufolge haben 38 Prozent der 364.000 Isländer die App heruntergeladen. Die Wirkung der App halte sich im Gegensatz zur manuellen Nachverfolgung aber in Grenzen, heißt es in dem MIT-Bericht. “Die Technologie ist mehr oder weniger ... ich würde nicht sagen, nutzlos. Aber es ist die Kombination von beidem, die die Ergebnisse bringt”, sagte Kriminalinspektor Gestur Pálmason, der die Kontaktverfolgung überwacht. “Es hat sich in einigen Fällen als sinnvoll erwiesen, dennoch war es für uns kein ‘Game-Changer’”, kommentierte er die App.

RND/mkr/mit dpa

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