Coronavirus: So funktioniert Chinas Farbcode-System

  • In China sammeln Apps im Kampf gegen das Coronavirus zahlreiche Informationen über ihre Nutzer.
  • Anhand der Daten wird entschieden, ob die Fahrt mit der U-Bahn oder der Besuch des Shoppingcenters erlaubt ist.
  • Der Code bestimmt so über die Bewegungsfreiheit seiner Nutzer.
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Die Angst vor einem erneuten großflächigen Ausbruch des Coronavirus ist in China nach wie vor präsent. Zwar wurden die Beschränkungen in der besonders betroffenen Region Hubei mittlerweile wieder gelockert, doch strenge Auflagen bestimmen nach wie vor den Alltag von Millionen Menschen. Um die Verbreitung von Covid-19 weiter einzudämmen, setzt die chinesische Regierung auf Big Data und mobile Technologie.

Im Fokus steht dabei die App-Funktion „Health Code“, die darauf abzielt, den Gesundheitsstatus seiner Nutzer zu überprüfen. Zwar ist die Nutzung der Funktion nicht verpflichtend, dennoch wird sie mittlerweile benötigt, um am öffentlichen Leben teilzunehmen. Sie ist die digitale Eintrittskarte für Verkehrsmittel, einen Besuch im Kino oder in einem Restaurant. Auch haben viele Arbeitgeber ihren Beschäftigten dringend dazu geraten, das Programm zu nutzen.

„Health Code“: Zutritt nur mit grünem Code

Der „Health Code“ existiert in verschiedenen lokalen Versionen und ist in bereits bestehenden chinesischen Apps mit mehreren Hundert Millionen Nutzern integriert. Eine der weit verbreitetsten Versionen wurde von Ant Financial, einem Schwesterunternehmen der Alibaba-Gruppe, entwickelt und Anfang Februar veröffentlicht. Der „Alipay Health Code“ war Ende Februar bereits in mehr als 200 chinesischen Städten in Benutzung und soll weiter auf das ganze Land ausgeweitet werden. Auch das Technologieunternehmen Tencent hat die die QR-Funktion in sein soziales Netzwerk WeChat integriert.

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Die Anwendungen sammeln Daten wie den Namen, Telefonnummer, Wohnort und Alter und Bewegungsprofile ihrer Nutzer. Zudem werden typische Covid-19 Symptome abgefragt wie Fieber, Müdigkeit, trockener Husten oder Durchfall.

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Auf Basis all der Informationen errechnet das Tool einen Gesundheitsstatus und vergibt einen farblichen QR-Code. Grün bedeutet, dass sich der Nutzer frei bewegen kann, gelb setzt eine Woche Quarantäne an, und rot bedeutet zwei Wochen Quarantäne. Der Code bestimmt auch über die Bewegungsfreiheit seiner Nutzer. So bleibt es Menschen, die einen gelben oder roten Code erhalten, verwehrt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren oder zur Arbeit zu gehen. Die Überprüfung der Codes erfolgt dann an zahlreichen Orten durch Sicherheitspersonal.

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Die Apps werden auch als Tracking-Werkzeug verwendet, da die Nutzer aufgefordert werden, ausgehängte QR-Code an zahlreichen öffentlichen Plätzen einzuscannen. Daraus ergibt sich ein detailliertes Bewegungsprofil. Sobald es einen diagnostizierten Fall gibt, können Behörden den Weg des Virus mithilfe der „Health Code“-Funktion zurückverfolgen und mögliche Infizierte benachrichtigen.

Probleme bei der Kompatibilität

Wie die „New York Times“ berichtet, sei dabei nicht ersichtlich, wie die Apps den Gesundheitsstatus der Nutzer ermittelt und welche Daten an wen übermittelt werden. Weder die Regierung noch die Entwickler haben sich bisher dazu geäußert. In sozialen Netzwerken wie der Plattform Weibo hatte es zahlreiche Beschwerden über fälschlich vergebene rote Codes gegeben.

Zudem sind einige der lokalen „Health Codes“ offenbar nicht mit den Apps anderer Regionen kompatibel. So ergeben sich Schwierigkeiten für Reisende, die dadurch automatisierte Terminals nicht passieren können. Obwohl alle Apps die gleichen Farbcodes verwenden, basieren sie laut CNN auf unterschiedlichen lokalen Covid-19-Datenbanken. Daraus ergeben sich wiederum verschiedene Standards für die Vergabe der Gesundheitsstatus. Es gibt derzeit Bestrebungen der Behörden, die Systeme anzugleichen.

Eine Anwohnerin scannt einen Gesundheits-QR-Code am Eingang zu ihrer Gemeinde im Stadtbezirk Wuchang. © Quelle: Li He/XinHua/dpa

Kritiker befürchten neues Überwachungsinstrument

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Einer Analyse der „New York Times“ zufolge sollen sensible Daten wie die Bewegungsprofile und ein Identifikationscode an die Polizei weitergegeben worden sein, die noch lange nach Ende der Pandemie gespeichert werden könnten. Über diese Verbindung werden die Nutzer nicht informiert. Laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua haben sich die Sicherheitsbehörden maßgeblich an der Entwicklung des „Health Code“-Systems beteiligt.

China habe in der Vergangenheit immer wieder wichtige Ereignisse wie etwa die Olympischen Spiele 2008 zum Anlass genommen um Überwachungsinstrumente einzuführen, die ihren ursprünglichen Nutzen überdauern, sagte Maya Wang von Human Right Watch der „New York Times“. Auch andere Nichtregierungs-Organisationen fürchten einen neuen Schritt der Überwachung. „Es besteht die Sorge, dass die Daten, die eigentlich zu einem legitimen Zweck gesammelt werden, letztendlich auf eine Art und Weise missbraucht werden, die wir noch nicht vorhersehen können“, äußerte William Nee von Amnesty International gegenüber Reuters.


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