Im Visier der Aufsichtsbehörden: Fahrdienstleister Didi steht in China unter Druck

  • China geht weiter gegen seine Techbranche vor: Nun hat es den führenden Fahrdienstvermittler Didi getroffen.
  • Erst vor wenigen Tagen ließ sich das Techunternehmen an der New Yorker Börse listen.
  • Doch der Börsengang im Ausland ist nur einer der Gründe, weshalb das Unternehmen im Visier der Aufsichtsbehörden ist.
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Didi ist eine jener Apps, die aus dem chinesischen Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Konnte man vor wenigen Jahren noch geschwind am Pekinger Straßenrand ein Taxi herbeirufen, funktioniert dies längst nur mehr per Smartphone. Das chinesische Äquivalent von Uber konnte – wie die meisten Techfirmen in der Volksrepublik – in Windeseile seine über 450 Millionen Nutzer gewinnen, weil zuvor die schützende Hand des Staats die Konkurrenz aus dem Silicon Valley verbannt hatte. Nun jedoch schiebt jener Staat dem fast 70 Milliarden Dollar schweren Unternehmen unverhofft einen Riegel vor.

Am Sonntag nämlich hat die Cyber-Aufsichtsbehörde Didi aus den App-Stores verbannt, da es „persönliche Nutzerdaten illegal gesammelt“ und „schwerwiegend gegen die Gesetze verstoßen“ haben soll. Am Montag hat das Pekinger Unternehmen bekannt gegeben, dass es keine neuen Nutzer mehr registrieren werde und man von einbrechenden Profiten ausgehe. Der Schlag gegen Didi folgt dabei nur zwei Tage, nachdem die Chinesen bei ihrer Börsennotierung in New York fulminante 4,4 Milliarden Dollar einsammeln konnten.

China fürchtet möglicherweise Weitergabe sensibler Daten an die USA

Nun also wird nicht nur gegen Didi ermittelt, sondern noch mindestens drei weitere Techunternehmen, darunter ein Jobportal und eine Logistikplattform. Ihnen ist allesamt gemein, vor Kurzem ein Börsendebüt in den USA hingelegt zu haben.

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Seither rätseln Chinas Internetnutzer und führende Beobachter des Landes über die Beweggründe hinter der Entscheidung. Es ist umso bezeichnender, dass selbst führende Techexperten sowie sämtliche Staatsmedien bei ihren Erklärungsversuchen vollkommen im Dunkeln tappen. „Wir wissen immer noch nicht, wie Didi persönliche Nutzerdaten illegal gesammelt hat“, schreibt die nationalistische „Global Times“ in einem Leitartikel.

Möglich wäre etwa, dass der Staat Bedenken haben könnte, dass seine führenden Internetkonzerne durch die Börsengänge in New York sensible Daten an die USA weitergeben könnten. Und ebenso richtig ist, dass Pekings Staatsführung sehr argwöhnisch gegenüber heimischen Unternehmen ist, die allzu viel Macht akkumulieren. Doch wer die Puzzleteile zusammensetzt, der kommt zu einem anderen Fazit: Pekings Vorgehen gegen seine Internetriesen ist vorwiegend inhaltlich motiviert.

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Provokante Rede löste Untersuchungen Techkonzerne in China aus

Die flächendeckende Regulierung der Techbranche nahm seinen Ausgang im letzten Oktober, als Chinas damals reichster Unternehmer Jack Ma vor sämtlichen Vertretern der Finanzaufsichtsbehörden in Shanghai eine überaus provokante Rede hielt. Darin warf der Gründer des Alibaba-Imperiums den traditionellen Banken unter anderem „Pfandleihermentalität“ vor. Wenig später wurde der geplante Börsengang von Jack Mas Fintech-Sparte „Ant Financial“ – der immerhin der größte in der Historie hätte werden sollen – auf Eis gelegt.

Es folgten nicht nur eine Rekordstrafe gegen Alibaba in Höhe von über 2 Milliarden Euro, sondern gleichzeitig auch Untersuchungen gegen Dutzende weitere Techkonzerne. „Es ist nach wie vor kein Ende in Sicht“, heißt es im China-Newsletter des Beratungsunternehmens „Trivium“.

Die Rede Jack Mas war dabei vielmehr ein Auslöser, nicht jedoch die Ursache des Problems. Bei der Kampagne geht es nämlich im Grunde um drei verschiedene Ziele. Zum einen soll die Fintech-Branche, bei der lange Zeit eine „Wildwest-Stimmung“ geherrscht hat, generell stärker reguliert werden. Das bedeutet unter anderem, dass App-Dienste nicht mehr uneingeschränkt Mikrokredite an ihre meist jungen Nutzer und Nutzerinnen verleihen können, ohne wie traditionelle Banken das finanzielle Risiko zu tragen.

Der größte Datensammler ist der chinesische Staat

Zudem will China seine mächtigsten Techunternehmen auch wegen ihrer Oligopole beschneiden, denn sie haben zuletzt unter anderem mit Dumpingpreisen, unlauteren Absprachen und der Ausbeutung von Arbeitern den Wettbewerb für die Konkurrenz unmöglich gemacht.

Und der vielleicht wichtigste Punkt, der auch die Ermittlungen gegen Didi betreffen, ist die exzessive Datensammlung von Chinas Internetriesen. Nicht zuletzt gab es immer wieder schwarze Schafe, die Nutzerdaten auf dem Schwarzmarkt verkauft haben.

„Der Staat wird Techimperien niemals erlauben, mehr persönliche Daten zu sammeln als der chinesische Staat selbst von seinem Volk hat“, heißt es in der „Global Times“. Und genau das bleibt ein nicht aufzulösender Widerspruch: Während die Regierung ihre Konsumentinnen und Konsumenten vor Tech-Unternehmen schützt, schützt niemand das Volk vor dem allergrößten Datensammler: dem chinesischen Staat.

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