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  • Betrug in der Corona-Krise: Vom infizierten Enkel bis zur falschen Nachhilfe – Tricks der Betrüger und wie Sie sie entlarven

Vom infizierten Enkel bis zur falschen Nachhilfe: Wie Betrüger die Pandemie für sich nutzen

  • Trickbetrüger nutzen zunehmend die Corona-Angst, um an Ersparnisse von Senioren zu kommen.
  • Die Kriminellen geben sich als Covid-19-Tester, Spendensammler oder infizierte Enkel aus, um Menschen um Geld und Wertsachen zu betrügen.
  • Die neuen Corona-Tricks – und wie Sie sich davor schützen.
Katrin Schreiter
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Leipzig. Seit Beginn der Corona-Zeit hat der Trickbetrug an Senioren massiv zugenommen. „Die Täter setzen dabei auf die bekannten Betrugsmaschen, bringen sie in Verbindung mit Corona und nutzen die Unsicherheit sowie die Angst der Bevölkerung aus“, sagt Kriminaloberrat Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Dabei komme vor allem der Enkeltrick zum Einsatz – allerdings nun mit einer Covid-Masche. Einige beliebte Tricks – und wie Sie sich schützen:

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„Ihr Enkelsohn wird sterben“

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Hintergrund: Der sogenannte Enkeltrick ist seit mehr als 20 Jahren eine der erfolgreichsten Betrugsmaschen. Er funktioniert meist so, dass Kriminelle im Telefonbuch nach altmodisch klingenden Vornamen suchen und die Menschen anrufen. Sie versuchen, ihre häufig betagten Opfer in ein Gespräch zu verwickeln. Dabei geben sie sich als Angehörige, als Bekannte oder als Polizisten aus und verlangen Geld, das einem Mittelsmann übergeben oder an einem bestimmten Ort hinterlegt werden soll.

„Ihr Enkelsohn wird sterben, wenn Sie nicht sofort helfen. Wollen Sie das?“ In Dresden ist es Anfang Januar zu einer Welle von Betrugsstraftaten per Telefon gekommen. Die Angerufenen sollten jeweils 27.000 Euro für ein Medikament bezahlen, um damit einem angeblich an Corona erkrankten Angehörigen das Leben zu retten.

Verlässliche bundesweite Zahlen gibt es noch nicht. Doch nach Polizeiangaben habe sich allein in Sachsen die Zahl dieser Betrugsfälle von 569 im Jahr 2018 auf mehr als 1000 im Jahr 2020 erhöht.

Die Polizei gibt folgende Tipps:

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  • Fordern Sie Anrufer grundsätzlich dazu auf, den Namen des Enkels, der Nichte und so weiter zu nennen. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, Namen zu erraten.
  • Wenn Sie Anrufer nicht sofort erkennen: Fragen Sie nach Dingen/Begebenheiten, die nur der echte Verwandte kennen kann.
  • Rufen Sie Verwandte unter der Ihnen bekannten Telefonnummer zurück.
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis.
  • Wenden Sie sich sofort an die Polizei unter 110, wenn Ihnen die Situation verdächtig erscheint.

Corona-Impfungen und -Tests

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Auch Corona-Impfungen und Corona-Tests werden von den Betrügern für ihre Zwecke genutzt: „So geben sich Betrüger am Telefon als Mitarbeitende eines Gesundheitsamtes aus und fordern auf, einen Corona-Test zum Preis von ‚lediglich‘ 5000 bis 7000 Euro durchzuführen“, sagt Kriminaloberrat Harald Schmidt. „Oder sie klingeln unter dem gleichen Vorwand an der Haustür und versuchen in die Wohnung zu kommen.“

Die Polizei-Tipps zum Schutz:

  • Lehnen Sie einen kostenpflichtigen Tests auf Covid-19 an der Haustür oder nach telefonischer Aufforderung ab.
  • Fragen Sie Ihren Hausarzt oder das Gesundheitsamt, ob ein Test für Sie angeordnet wurde.
  • Übergeben Sie kein Geld an vermeintliche Tester an Ihrer Haustür. Lassen Sie sich auch durch Drohungen nicht verunsichern.
  • Lassen Sie keine Fremden in Ihre Wohnung. Bestellen Sie Unbekannte zu einem späteren Zeitpunkt wieder, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist.
  • Wehren Sie sich energisch gegen zudringliche Besucher: Sprechen Sie sie laut an oder rufen Sie um Hilfe.
  • Bei akuter Bedrohung rufen Sie die Polizei unter 110 an.

Falsche Microsoft-Mitarbeiter

„Betrug durch falsche Mitarbeitende von Microsoft gibt es bereits seit einigen Jahren. Doch nun haben sich die Täter auf die aktuelle Situation während der Corona-Pandemie und den vielen Personen im Homeoffice eingestellt“, sagt Schmidt. „Sie geben vor, Mitarbeitende bei „My IT Department“ oder „From my Company“ zu sein.“

Die Täter und Täterinnen würden oft englisch mit indischem Akzent sprechen. „Sie versuchen die Angerufenen dazu zu bewegen, unter anderem eine Fernwartung zu installieren.“

Die Polizei rät bei der Microsoft-Masche:

  • Gewähren Sie Fremden keinen Fernzugriff auf Ihren Computer.
  • Seriöse Unternehmen wie Microsoft nehmen unaufgefordert keinen Kontakt zu Kunden auf.
  • Sollte sich ein „Servicemitarbeiter“ ungebeten bei Ihnen melden, legen Sie auf.
  • Sollten Sie Opfer geworden sein: Schalten Sie den Computer aus und trennen Sie den Rechner vom Internet.
  • Ändern Sie über einen nicht infizierten Rechner unverzüglich alle Passwörter.
  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und Meldung bei Microsoft unter www.microsoft.com/de-DE/concern/scam.

Telekommunikation – falsche Mitarbeiter

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Auch vermeintliche Mitarbeiter bekannter Telekommunikationsanbieter seien derzeit auf Beutefang und kontaktieren derzeit verstärkt Personen wegen einer Netzüberlastung. „Sie erklären, dass aufgrund der Corona-Krise viele Menschen zu Hause bleiben müssten und das führe zu einer Überlastung des Netzes. Deswegen würden Mitarbeitende des Anbieters vorbeikommen, um neue Leitungen zu legen und den Router auszutauschen“, erklärt Schmidt. „Auf diese Weise wollen Kriminelle in die Wohnungen Ihrer Opfer gelangen und Wertsachen sowie Bargeld stehlen.“

So schützen Sie sich vor vermeintlichen Telekommunikationsmitarbeitern:

  • Kontaktieren Sie die Firma, die vermeintlich bei Ihnen angerufen hat, beispielsweise über deren Kundenhotline. Diese finden Sie auf der Website der Firma oder in Ihren Vertragsunterlagen. Vereinbaren Sie gegebenenfalls einen Telefontermin.
  • Sprechen Sie am Telefon nicht über persönliche und finanzielle Verhältnisse.
  • Bestellen Sie Unbekannte zu einem späteren Zeitpunkt wieder, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist.
  • Wenn Ihnen etwas merkwürdig erscheint: Rufen Sie die Polizei unter 110 oder Ihre örtliche Polizeidienststelle an. Nutzen Sie nicht die Rückruffunktion.

Betrügerische Nachhilfelehrer

Nicht zuletzt würden die Betrüger bei besorgten Eltern zuschlagen. „Weil die Schulen aufgrund der Corona-Pandemie oftmals geschlossen sind, haben sich findige Kriminelle auch auf Nachhilfe spezialisiert“, sagt Schmidt. „Sie unterbreiten den Eltern telefonisch Angebote zum Nachhilfeunterricht.“ Dabei gehe es um monatliche Verträge von mehr als tausend Euro – für Nachhilfekräfte, die am Ende nie auftauchen.

„Wenn Betroffene den Betrug bemerken, ist ein Rücktritt vom geschlossenen Vertrag oft nicht mehr möglich“, so Schmidt. Der Trick: „Die Täter rufen an und verwickeln die Geschädigten so geschickt in ein Gespräch, dass diese einer telefonischen Nachhilfestunde zustimmen. Der Unterricht wird gleich abgehalten – der eigentliche Lerninhalt dabei geschickt umschifft.“ Das Problem: „Wer eine solche Stunde online oder telefonisch mitmacht, hat eine Leistung in Anspruch genommen, die dem rein mündlich geschlossenen Vertrag Gültigkeit verliehen könnte.“

So können Sie sich wehren:

  • Lassen Sie sich nicht auf lästige Anrufer ein, die Ihnen Angst machen wollen. Legen Sie einfach auf.
  • Bedenken Sie: Am Telefon geschlossene Verträge sind gültig, besonders dann, wenn Sie direkt am Telefon eine Leistung des Vertrages in Anspruch nehmen.
  • Geben Sie nie Ihre Kontodaten am Telefon preis.
  • Bei Fragen zu Verträgen wenden Sie sich an die Verbraucherzentrale. Dort erhalten Sie auch viele weitere Hinweise und Informationen.
  • Wer Opfer einer dieser Betrugsmaschen geworden ist, kann bei der Polizeiberatung der Kriminalprävention Hilfe suchen.
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