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Fachmann über „smarte“ Möbel im Schlafzimmer

Erholsamer Schlaf: Sieht so das Bett der Zukunft aus?

Hightech: ein Bett des Herstellers Hi-Interiors.

Hightech: ein Bett des Herstellers Hi-Interiors.

Ein Bett, das sich abends in ein Heimkino verwandelt, beim nächtlichen Toilettengang Licht spendet und obendrein dokumentiert, wie gut der Schlaf war – das klingt für viele nach Science-Fiction, ist aber bereits Realität: Moderne Betten bestehen mittlerweile aus mehr als nur einem Gestell mit Lattenrost und Matratze. Stattdessen halten allerlei technische Funktionen und smarte Systeme auch im Schlafzimmer Einzug. Was auf den ersten Blick komfortabel erscheinen mag, ist jedoch nicht immer förderlich für erholsame Nachtruhe.

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Zum Standard gehören bei vielen neuen Betten bereits LED-Beleuchtung, USB-Anschlüsse und ein verstellbarer Lattenrost. Manche Modelle lassen sich auch per Sprachsteuerung bedienen. Spezielle Produkte sorgen darüber hinaus für individuelles Schlafklima. So bietet etwa das New Yorker Unternehmen Eight Sleep ein belüftetes und dadurch stets kühles Kissen an, genau wie einen Ma­trat­zen­über­zug mit integrierter Kühl- und Heizmöglichkeit. Wenn zwei Menschen im Bett liegen, erfasst der Überzug zudem separat gesundheitliche Parameter wie Schlafphasen und ‑dauer, Atemfrequenz, Ruheherzfrequenz und Herzratenvariabilität, also inwiefern die Zeitabstände zwischen den aufeinanderfolgenden Herzschlägen variieren.

Wichtig ist die Bequemlichkeit

Der italienische Luxusmöbelhersteller Hi-Interiors sorgt auch optisch für ein futuristisches Schlafzimmerambiente: Die Betten bestehen aus einem würfelförmigen, offen gestalteten Gestell mit Hochglanzoberfläche und erinnern so von außen etwas an eine Art Raumfahrzeug. Wer in das Bett hineinsteigt, kann sich dann mit zwei automatischen Schiebewänden rechts und links abschotten und am Fußende eine Leinwand herunterlassen, auf die der ebenfalls ins Bett integrierte Beamer das Unterhaltungsprogramm der Wahl projiziert. Dazu kommen, je nach Modell, ein Soundsystem, ein Touchdisplay im Kopfteil, dimmbare Beleuchtung sowie Schlaftrackingfunktionen. Ein Traum?

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Wer bisher mit einem kabellosen Bett auskam, fragt sich womöglich, ob er einen Trend verschlafen hat. Sicher ist: Die Qualität eines Bettes bemisst sich nicht unbedingt am Grad der Technisierung, sondern zunächst vor allem danach, wie man liegt: „Wichtig ist die Bequemlichkeit“, sagt Alfred Wiater, Schlafmediziner und Vorstandsreferent der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). „Das hängt ab von Ma­trat­ze, Kopfkissen und Lattenrost. Hier ist es maßgeblich, dass der Härtegrad dem Körpergewicht angepasst ist und dass in Seitenlage die Wirbelsäule einschließlich der Halswirbelsäule gerade aufliegt, auch bei Nutzung eines Kopfkissens.“ Zudem sind laut Wiater die Luftzirkulation über der Matratze ebenso wie eine eventuelle Allergiebelastung durch die Inhaltsstoffe bedeutsam.

Smarte Schlafzimmerbeleuchtung empfehlenswert

Darüber hinaus spielen körperliche Veranlagungen und der individuelle Tagesablauf eine Rolle dabei, ob wir am Morgen munter aus dem Bett springen oder uns nur mit Mühe aus den Federn quälen: „Es ist genetisch bedingt, ob wir Kurz- oder Langschläfer sind und ob wir Früh-, Neutral- oder Spättypen sind“, sagt der Schlafmediziner. „Da viele Menschen Spättypen sind, die erst abends später müde werden und daher morgens länger schlafen müssten, als es ihnen möglich ist, haben diese Menschen ein chronisches Schlafdefizit. Ursache dafür sind die gesellschaftlichen Gegebenheiten, etwa die Uhrzeit, zu der die Schule oder die Berufstätigkeit beginnen: Denn diese erfordern, dass auch Spättypen früher aufstehen, als es ihrem Schlaf-wach-Rhythmus entspricht“, sagt Wiater.

Manche Funktionen sind aus schlafmedizinischer Sicht durchaus sinnvoll, manche dagegen eher kontraproduktiv. So spricht beispielsweise nichts gegen die Verstellbarkeit von Kopf- und Fußteil. „Insbesondere, wenn man aus medizinischen Gründen mit erhöhtem Oberkörper schlafen sollte, zum Beispiel bei Refluxsymptomen oder Atmungsbeschwerden, machen höhenverstellbare Lattenroste Sinn“, betont Wiater. Auch eine smarte Schlafzimmerbeleuchtung ist dem Schlafmediziner zufolge empfehlenswert: „Morgens hilft blaues Licht mit hoher Beleuchtungsstärke, wach und fit zu werden. Abends und nachts sind eher warme Lichtfarben und eine geringere Beleuchtungsstärke förderlich.“

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Schlafmediziner: Heiz- und Kühlfunktion nicht nötig

In Sachen Schlaftracking kommt es auf die Technologie an: „Man muss unterscheiden zwischen Medizinprodukten, die bei Schlafstörungen ärztlich verordnet werden, und Lifestyleprodukten.“ Letztere liegen Wiater zufolge stark im Trend, genau wie die allgemeine Bedeutung eines erholsamen Schlafs. „Leider sind viele der angebotenen Produkte nicht hinreichend wissenschaftlich evaluiert.“ Bei Menschen, die sich sehr um ihr Schlafverhalten sorgen, könnten die erfassten und nicht immer hundertprozentig zutreffenden Trackingdaten daher auch Stress auslösen.

Eine Heiz- und Kühlfunktion erachtet Wiater als nicht nötig – denn hier genügt eine Matratze aus einem entsprechenden Material: „Für Menschen, die eher frieren im Schlaf, kann eine Schaumstoffmatratze hilfreich sein, für eher schwitzende Menschen eine Federkernmatratze.“

Hightech-Bett kann unnötigen Druck aufbauen

Für nicht empfehlenswert hält er technische Funktionen wie eine eingebaute Leinwand, ein Display oder USB-Stick-Anschlüsse: „Das Bett sollte dem Sex und dem Schlaf vorbehalten bleiben.“ Alles, was nicht schlaffördernd sei, sei daher problematisch, und dazu zähle auch die abendliche und nächtliche Nutzung digitaler Medien, mahnt Wiater.

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Zudem kann dem Schlafmediziner zufolge ein scheinbar perfektes Hightechmodell auch unnötigen Druck aufbauen, gut zu schlafen. Das mache keinen Sinn: „Guter Schlaf ist ein so komplexes Thema. Den kann man nicht allein mit der Bettgestaltung erreichen.“

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