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Bericht: Schaut sich Amazon privates Bildmaterial von Kunden über Cloud Cam an?

  • Die in den USA erhältliche Cloud Cam ist eine Art Überwachungskamera, die über Alexa gesteuert werden kann.
  • Amazon-Mitarbeiter werten Material von Kunden aus, um beispielsweise die Einbrecher-Erkennung der Kamera zu optimieren.
  • Das Unternehmen soll einem US-Bericht zufolge auch Ausschnitte von Kunden beim Sex bekommen haben.
Ben Kendal
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Amazons Cloud Cam erlaubt Nutzern, ihr Heim im Blick zu behalten. Unter anderem soll die Kamera auch erkennen können, wenn sich Einbrecher in der Wohnung befinden – und schlägt dementsprechend Alarm. Kunden können über Amazons Sprachassistenten Alexa die Aufnahmen der Überwachungskamera auch auf dem Fernseher streamen.

Die Cloud Cam soll also für mehr Sicherheit sorgen. Doch um sein Produkt zu optimieren, lässt Amazon laut einem Bericht des US-Nachrichtenportals Bloomberg Dutzende Mitarbeiter in Indien und Rumänien Material auswerten, das die Kamera aufzeichnet. Die Mitarbeiter trainieren damit Algorithmen, um die Cloud Cam intelligenter zu machen. So soll die Kamera etwa besser zwischen einem gefährlichen Eindringling und einer tobenden Katze auf dem Sofa unterscheiden können, die sonst einen falschen Alarm auslösen könnte.

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Amazon-Mitarbeiter: Unternehmen bekommt auch Mitschnitte von Kunden beim Sex

Doch welches Material wird überhaupt ausgewertet? Eine Amazon-Sprecherin sagte gegenüber Bloomberg, dass Amazon „Privatsphäre ernst nimmt und Cloud-Cam-Kunden die Kontrolle über ihre Videoclips haben“. Material werde nur ausgewertet, wenn es zur Fehlerbehebung von Kunden an das Unternehmen übermittelt worden sei.

Amazon-Mitarbeiter, die anonym bleiben wollten, erzählen eine andere Geschichte: Die Mitarbeiter, die das Material auswerten, sollen auch mit Videoausschnitten zu tun gehabt haben, die die betroffenen Kunden vermutlich nicht schicken wollten – darunter auch wenige Clips, in denen Menschen Sex miteinander haben. Solche Mitschnitte werden als unangemessenes Material eingestuft und verworfen, sagten die Mitarbeiter gegenüber Bloomberg. Das bestätigte auch die Sprecherin, doch sie konnte nicht sagen, wie dieses Material überhaupt erst in die Hände des Unternehmens gelangen konnte.

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Amazon hat für die Auswertung von Cloud-Cam-Material strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen, sagten die Mitarbeiter. Wer in Indien das Material auswertet, dürfe das nur in einer Etage tun, in der keine Smartphones erlaubt sind. Doch das habe nicht verhindern können, dass Material an andere Mitarbeiter weitergeleitet wurde.

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Materialauswertung durch Mitarbeiter sorgt für Kritik an Amazon

Das andere Problem: In Amazons Nutzerbedingungen steht nichts davon, dass Menschen die Algorithmen trainieren und Mitschnitte dafür zu Gesicht bekommen. Laut den anonymen Mitarbeiten werden an einem gewöhnlichen Tag bis zu 150 Ausschnitte ausgewertet, die normalerweise 20 bis 30 Sekunden lang sind. Schon für Alexa hagelte es vor Monaten Kritik an Amazon, weil Mitarbeiter Mitschnitte abgehört haben sollen. Auch Apple wurde dafür kritisiert und hat darauf reagiert, indem nach eigenen Angaben Aufnahmen des Sprachassistenten Siri nur noch mit Erlaubnis der Nutzer abgehört werden. Die Cloud Cam wurde 2017 in den USA veröffentlicht, in Deutschland ist sie bisher noch nicht auf dem Markt.