Apple: Vom Statussymbol zum Gesundheitskonzern

  • Als die Apple Watch auf den Markt kam, betrachteten viele sie als überflüssiges Statussymbol.
  • Sie galt als Musterbeispiel für die kreative Stagnation des Weltkonzerns.
  • Mittlerweile hat sich die digitale Begleitung gemacht: Sie ist zu einem Hausarzt am Handgelenk geworden. Ein Kommentar.
Daniel Killy
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Cupertino. Denn das Gerät, das als cooles Accessoire für Digital Natives an den Start ging, steht mittlerweile exemplarisch für die Transformation des wertvollsten Unternehmens der Welt von einem angesagten Technologie- in einen Gesundheitskonzern. Seit Marktstart der Apple Watch 4 dient die Smartwatch als eine Art Hausarzt am Handgelenk. Auch in Deutschland lässt sich mittlerweile ein EKG mithilfe des Geräts aufzeichnen. Die Software ist in der Lage, Anomalien der Herzfrequenz zu erkennen und den Träger der Uhr darüber zu informieren. Doch das ist erst der Anfang. Konzernchef Tim Cook hat sich den Umbau in Richtung Gesundheitsdienstleister auf die Fahnen geschrieben. In den USA lassen sich bereits Patientendaten wie Laborresultate, Impfungen oder Allergien in der „HealthApp“ speichern, auch ein Organspenderausweis kann hinterlegt werden. Für Forscher stellt Apple ein „ResearchKit“ bereit – die Zukunft der digitalen Medizin für alle hat längst begonnen.

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Ein wichtiger Schritt zur digitalen Teilhabe von Patienten

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Wie stets bei Apple ist der Beginn einer neuen technischen Revolution ein schleichender Prozess. Das war beim iPod so, als alle Welt sagte, man brauche nicht noch ein Musikabspielgerät, das war beim Streamingdienst iTunes so. Noch nie allerdings waren Produkte aus dem Hause Apple von so buchstäblich vitaler Bedeutung wie das, was sich recht unscheinbar unter dem Thema Healthcare ankündigt. Schon die groß angelegte, achtmonatige Herzstudie 2018/2019, die Apple – noch ohne EKG, sondern nur mit der Pulsfunktion – mit 400.000 Probanden unter Leitung der Stanford-Universität durchführte, war ein Schritt in Richtung digitaler Teilhabe von Patienten an wissenschaftlichen Entwicklungen.

Die Apple Watch ersetzt keinen Kardiologen

Allerdings sollte man nicht annehmen, dass eine Apple Watch einen Kardiologen ersetzen könnte. Ärzte warnen denn auch davor, Selbstdiagnosen zu stellen. Auch wenn Apple für seine Watch als einziger unter allen Gesundheits- und Fitnessanbietern für die EKG- und Herzrhythmusfunktionen eine Lizenz der strengen US-Gesundheitsbehörde FDA hat: Der digitale Doc braucht noch die Nachhilfe seiner menschlichen Kollegen. Neel Chokshi, medizinischer Direktor für Sportkardiologie an der University of Pennsylvania, warnt in der „Washington Post“ deshalb davor, „Datenberge“ durch digitale Gesundheitstools in den Krankenhäusern zu produzieren. Es gelte auch zu bedenken, dass „Ärzte während ihres Studiums noch nicht diese Art von Datennutzung gelernt“ hätten.

Weg vom Hype und hin zur Healthcare

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Bis der Konzern, der unsere digitalen Gewohnheiten nachhaltig geprägt hat, auch unser Gesundheitsbewusstsein verändern wird, gibt es gewiss noch viel Arbeit zu erledigen bei Apple und anderswo. Der Weg, der beschritten wurde – weg vom Hype, hin zu Healthcare (Gesundheitswesen) –, er ist noch lang für Apple. Perspektivisch allerdings sind das spannende Nachrichten aus Cupertino.