App Phunware versorgte Trump-Team mit Wählerdaten

  • Im Wahlkampf hatte das Team von US-Präsident Trump Zugang zu persönlichen Informationen von Millionen Amerikanern – bereitgestellt von einer Software-Firma, die von Corona-Hilfen der Regierung profitierte.
  • Die App Phunware wurde 2,8 Millionen mal heruntergeladen.
  • Die Daten könnten auch in Zukunft noch vielfältig verwendet werden.
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San Francisco. Die Smartphone-App erfasste nicht nur die Telefonnummern der Nutzer, sondern sie erlaubte auch Einblicke in deren Social-Media-Aktivitäten und erstellte Bewegungsprofile. Für die Mitarbeiter von Präsident Donald Trump war das Gold wert: Millionenfach konnten sie so gezielt ihre Botschaften platzieren.

Nun ist zwar der Wahlkampf vorbei, aber die per App gesammelten Daten bleiben wertvoll. Bis zum Ende der Präsidentschaft könnte man die Basis weiter anstacheln oder um Spenden für spätere Vorhaben bitten. Oder man könnte einem künftigen Medienkonzern gleich ein Massenpublikum sichern.

Unternehmen erhält Mittel aus Corona-Rettungsfonds

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Dank der App kann sich Trump weiterhin direkt an die 2,8 Millionen Menschen wenden, die diese heruntergeladen haben – und, sofern eine Erlaubnis erteilt wurde, auch an alle Personen, die in den Kontaktlisten der Nutzer stehen. Die Software-Schmiede, die dem abgewählten Präsidenten die Möglichkeit dazu gegeben hat, steckt derweil in finanziellen Schwierigkeiten. Entscheidende Hilfe erhielt sie laut Informationen der Nachrichtenagentur AP in den vergangenen Monaten nicht nur vom Trump-Team, sondern auch von einem staatlichen Corona-Rettungsfonds.

Das im texanischen Austin ansässige Unternehmen Phunware akzeptierte kürzlich, zur Beilegung eines Rechtsstreits mit dem Fahrdienstleister Uber 4,5 Millionen Dollar (3,8 Millionen Euro) zu zahlen. Schon zuvor drohte Phunware, aus der US-Technologiebörse Nasdaq zu fliegen. Als es im April intensiv an der App für das Trump-Team arbeitete, erhielt das Unternehmen über ein Gesetz für Corona-Hilfen ein Darlehen in Höhe von 2,9 Millionen Dollar.

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Wahlkampfteam will Daten weiter nutzen

Weder vom Kongress noch von der Wahlkommission FEC gebe es klare Vorgaben dazu, wie Wahlkampfteams private Daten von Nutzern weiter verwenden dürfen, sagt der Jurist Adav Noti. „Es ist definitiv möglich, die Daten zu kaufen, und das Wahlkampfteam kann sie einem verkaufen.“ Die schwierigere Frage sei, wie viel man dafür zahlen müsse.

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Phunware wollte sich auf Anfrage weder zu der App, der finanziellen Lage des Unternehmens, noch zu anderen Punkten äußern. „Phunware spielt bei den verfassungsgemäßen Prozessen mit Bezug zu den US-Wahlen auf keiner Ebene irgendeine Rolle“, schrieb Unternehmenschef Alan Knitowski in einer E-Mail. Zudem habe Phunware keinen Einfluss auf Inhalte, die von Kunden im Zusammenhang mit den angebotenen Software-Diensten geschaffen oder genutzt würden.

Trumps Wahlkampfteam verweigerte Antworten darauf, wie die mit digitalen Plattformen wie der Phunware-App gesammelten Daten künftig verwendet werden könnten. Ein hochrangiger Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, versicherte aber, die Daten seien Eigentum des Wahlkampfteams. Die Nachrichtenagentur AP erhielt von zehn ehemaligen Phunware-Mitarbeitern, Kunden und Investoren Informationen über die Lage in dem Unternehmen.

Phunware baut nach Wahlkampf-Deal Personal ab

2017 verklagte Phunware seinen Kunden Uber wegen mutmaßlich nicht geleisteter Zahlungen, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht. Uber reagierte mit einer Klage, in der dem Software-Anbieter Vertragsbruch im Zusammenhang mit der Schaltung von Werbung für den Fahrdienstleister vorgeworfen wurde. Ehemalige Mitarbeiter berichten, das Start-up habe sich daraufhin verstärkt um alternative Einnahmequellen bemüht.

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Anfang 2019 erwähnte Knitowski laut damaligen Kollegen, er wolle das Trump-Team umwerben. Im April wurden bei Umstrukturierungen 15 Prozent der Belegschaft entlassen, um Kosten zu senken. Im August wurde dann die Zusammenarbeit mit der für den Wahlkampf des Präsidenten zuständigen Agentur American Made Media Consultants verkündet. Indes verlor Phunware aber die Fox Networks Group als wichtigen Kunden und trennte sich denn bis September von 18 Prozent der noch verbliebenen Mitarbeiter.

Als Phunware dieses Jahr im April von den Corona-Hilfen profitierte, bestritt der fürs operative Geschäft zuständige Randall Crowder, dass sein Unternehmen aus politischen Gründen begünstigt worden sei. Im folgenden Monat informierte die Nasdaq Phunware, es könne wegen seiner Finanzprobleme vom Handel ausgeschlossen werden. Wie aus Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, erwirtschaftete Phunware bis Juli ein Drittel seines gesamten Umsatzes über die Kooperation mit American Made Media Consultants. In den ersten sechs Monaten 2020 verdiente die Software-Firma demnach mehr als 1,6 Millionen Dollar.

Zugriff auf Millionen Telefonnummern vermutet

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Als viele Amerikaner in der Pandemie zu Hause blieben, nutzte das Trump-Team die App, um potenzielle Wähler aus der Ferne anzusprechen. Bis Mitte November wurde die Anwendung laut dem Branchendienst Apptopia insgesamt 2,8 Millionen Mal heruntergeladen. Nach Einschätzung von Apptopia-Chef Eliran Sapir könnte das Trump-Team damit – über die Kontaktlisten der Nutzer – Zugriff auf Hunderte Millionen Telefonnummern haben. Ein Forscher der Carnegie Mellon University schätzte die Zahl dagegen auf 27 Millionen.

In einem aktuellen Börsendokument von Phunware werden die wichtigsten Kunden nicht mehr namentlich genannt. Aus Vergleichen mit früheren Eingaben folgert die AP aber, dass American Made Media Consultants noch immer der größte Kunde ist und in den ersten neun Monaten dieses Jahres insgesamt 2,4 Millionen Dollar überwies. Zwei ehemalige Mitarbeiter teilten die Einschätzung. Phunware selbst verweist in dem Dokument derweil auf erhebliche Schulden und räumt „beträchtliche Zweifel“ daran ein, sein Geschäft fortführen zu können.

RND/AP

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