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Amerikas Tech-Riesen: Arbeiten Mitarbeiter bald nur noch im Homeoffice?

  • Zahllose Arbeitnehmer sind wegen der Corona-Pandemie aus ihren Büros verbannt worden.
  • Nun können sich einige Unternehmen auch nach Corona vorstellen, ihre Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten zu lassen.
  • Laut Facebook-Unternehmer Zuckerberg könnten in ferner Zukunft einmal bis zur Hälfte der Facebook-Angestellten fernab vom Büro arbeiten.
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Oakland. Technologie-Riesen wie Facebook, Microsoft, Apple und Twitter waren die ersten in den USA, die ihre Mitarbeiter nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie nach Hause schickten. Jetzt zählen diese Unternehmen zu den letzten, die sie wieder in ihre Büros zurückholen - und manche Angestellten werden vielleicht nie wieder dorthin zurückkehren.

Die Firmen prüfen, was ihre hoch bezahlten Beschäftigten möchten, nutzen ihre eigenen Technologien, um das Arbeiten von daheim zu erleichtern, und sie strecken so ihre Fühler nach potenziellen neuen Angestellten außerhalb von Großstadtzentren aus. Eine bemerkenswerte Wende nach Jahren, in denen Unternehmen wie Amazon und Google Büros in schicken Städten wie San Francisco und New York eröffnet oder ausgeweitet haben, um rare neue Talente anzulocken.

Homeoffice: Große Unternehmen befinden sich in der Trendwende

Ein solcher Trend könnte auch den Abschied von bislang verbreiteten Denkweisen bedeuten, nach denen kreatives Arbeiten ein Umfeld erfordert, wie man es von Universitäten kennt - einen ausgedehnten Firmencampus mit kostenlosem Essen, Tischtennisplatten und offenem Bürodesign, das zu spontanen Interaktionen ermuntert. Und das wiederum könnte nicht nur Silicon Valley verändern, sondern auch andere Städte, wenn die Firmen versuchen, Mitarbeiter außerhalb ihrer bisherigen Zentren anzuheuern. Facebook zum Beispiel will in Atlanta, Dallas und Denver "Umschlagplätze" für neue zumeist von daheim aus arbeitende Kräfte einrichten.

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Angestellte arbeiten auch im Homeoffice produktiv

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Aber dieser Wandel wird Zeit brauchen. “Wir wollen sicherstellen, dass wir uns gemäßigt vorwärtsbewegen”, sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg kürzlich Angestellten bei einem virtuellen Treffen, das live auf seiner Seite in dem sozialen Netzwerk ausgestrahlt wurde. Das Unternehmen mit derzeit fast 45.000 Angestellten blickt bei seiner Planung für mehr ortsungebundene Arbeit fünf bis zehn Jahre weit in die Zukunft, und auch kleinere Firmen mit weniger Ressourcen und sich langsamer bewegenden Kulturen werden sich wahrscheinlich dem Trend anschließen.

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Dahinter steckt die verbreitete Erkenntnis, dass Arbeiten fernab vom Büro durchaus gut funktionieren kann - das hat sich in den vergangenen Monaten gezeigt, in denen das Corona-Virus so viele Menschen aus ihren Büros verbannte. "Viele Unternehmen erfahren, dass ihre Beschäftigten genauso produktiv oder sogar noch produktiver von zu Hause aus arbeiten", sagt Andy Challenger von der Personalvermittlungsfirma Challenger, Gray & Christmas.

Zuckerberg zufolge haben sich bei einer Umfrage unter Facebook-Mitarbeiter etwa 20 Prozent "extrem oder sehr interessiert" an einer dauerhaften Vollzeit-Arbeit vom Homeoffice aus gezeigt, wenn die virusbedingten Restriktionen aufgehoben worden sind. Weitere 20 Prozent waren "etwas" interessiert und die größte Gruppe wünschte sich die Möglichkeit, teils im Büro und teils von außerhalb zu arbeiten. Eines Tages, so Zuckerberg, könnten bis zur Hälfte der Facebook-Angestellten fernab vom Büro arbeiten. Aber bis dahin, so sagt er, werden noch Jahre vergehen.

Nicht alles ist im Homeoffice möglich

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Beim Kurznachrichtendienst Twitter ist man bereits noch weiter gegangen. Wie kürzlich bekanntgegeben wurde, dürfen einige Beschäftigte jetzt dauerhaft von zu Hause aus arbeiten - was Vorstandschef Jack Dorsey allerdings bereits vor Ausbruch der Pandemie geplant hatte. Sein anderes - ebenfalls in San Francisco beheimatetes - Unternehmen Square, das auf mobile Finanzleistungen spezialisiert ist, verfährt ähnlich.

Ob derartige Schritte zu einem Exodus hoch bezahlter Technologie-Kräfte aus San Francisco und Silicon Valley - wo sie zu einem dramatischen Anstieg von Mieten und Häuserpreisen beitrugen - führen werden, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Aber die Umfrage unter Facebook-Beschäftigten legt nahe, dass zumindest einige Angestellte des Unternehmens den Großraum San Francisco verlassen würden, wenn sie die Möglichkeit hätten.

Aber auf dem Weg zu mehr ortsungebundenem Arbeiten gibt es viele Herausforderungen. Die Zusammenarbeit, Spontanität, der Umgang miteinander - das alles sieht anders aus, wenn Menschen allein von daheim aus arbeiten. Und manche Aufgaben lassen sich auch nicht aus der Ferne erfüllen - im Fall von Facebook beispielsweise das intensive Prüfen bestimmter Inhalte, Aufbau, Modernisierung und Wartung von Datenzentren sowie der Bereich Verkauf.

Homeoffice nach Corona nur bei guter Leistung?

Auch neu Beschäftigte - insbesondere frische Universitätsabsolventen und andere mit geringer praktischer Erfahrung - oder auch Leute mit mangelhafter Arbeitsleistung könnten in diese Kategorie fallen, wie Zuckerberg sagt. Dem CEO zufolge werden Angestellte bei Facebook bestimmte Kriterien erfüllen müssen, um für dauerhaftes Arbeiten von zu Hause in Betracht zu kommen. Dazu zählten zum Beispiel eine langjährige Firmenzugehörigkeit und gute Benotung ihrer Arbeit.

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Nach derzeitigem Stand können Beschäftigte bei Facebook, Google, Twitter und anderen Firmen bis Ende 2020 außerhalb ihrer Büros arbeiten. Bei Microsoft läuft die Zeit Ende September ab - aber auch hier gibt es einen Trend zu größerer Flexibilität. "Jede Einrichtung wird zunehmend fähig sein müssen, von einem Augenblick zum anderen alles von außerhalb zu erledigen - von der Herstellung über den Verkauf bis hin zum Kundendienst", sagte CEO Satya Nadella vergangene Woche auf einer Konferenz.

Kevin Scott, Microsofts Topmanager für Technologie, hat schon in der Vergangenheit viel von seinem Homeoffice aus gearbeitet, teilweise, weil er im Silicon Valley lebt, während sich die meisten anderen Mitglieder der Führungsspitze in Redmond im US-Staat Washington befinden. Scott glaubt, dass er sich künftig sogar noch mehr im heimischen Büro aufhalten wird. Das Arbeiten von zu Hause aus werde generell so rasch so viel besser, "dass ich glaube, ich werde künftig bei weitem nicht so häufig pendeln wie vorher."

RND/AP

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