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Zum 20. Geburtstag: 20 Dinge, die Sie noch nicht über Wikipedia wussten

  • Die deutschsprachige Ausgabe des Internetenzyklopädie Wikipedia feiert ihren 20 Geburtstag. Zum Jubiläum haben wir 20 Fakten gesammelt.
  • Wussten Sie, wer der erste „Prominente“ mit eigenem Wiki-Eintrag war? Oder welche Rolle das „Atomare Kannibalenfrühstück“ spielte?
  • Oder warum die „Mutti“ mal Ärger machte? Herzlichen Glückwunsch, Wiki!
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Eine smarte Idee hat in nur zwei Jahrzehnten den Zugang zum Wissen der Welt demokratisiert und vereinfacht: Am 15. Januar 2001 ging die freie Internetenzyklopädie Wikipedia an den Start. Mitgründer Jimmy Wales wollte „eine frei lizenzierte und hochwertige Enzyklopädie schaffen“, um auf diese Weise „lexikalisches Wissen zu verbreiten“. Schon zwei Monate nach dem Start, am 16. März 2001, begann der Aufbau des deutschsprachigen Ablegers unter de.wikipedia.org. Wales’ Ziel ist längst übererfüllt: Die Wikipedia – ein Schachtelwort aus dem hawaiianischen Begriff für „schnell“ („wiki“) und dem englischen Wort für Enzyklopädie – verzeichnet heute 55,6 Millionen Einträge in 305 Sprachen.

Zum 20. Geburtstag des hiesigen Ablegers der Wikipedia haben wir 20 wenig bekannte Fakten über das umfangreichste Lexikon der Welt versammelt.

1. Die Wikipedia leistet sich ein eigenes Kuriositätenkabinett

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Auch das Absurde, Skurrile und Nichtalltägliche hat seinen festen Platz in der Wikipedia. Im „Kuriositätenkabinett“ versammelt das Lexikon Einträge zu allerhand bizarren Traditionen, schrägen Fakten und seltsamen Orten. Beispiele: Der Taumatawhakatangihangako­auauotamateaturipukakapikimaunga­horonukupokaiwhenuakitanatahu ist ein Hügel in Neuseeland. Der Candy Desk ist ein mit Süßigkeiten gefüllter Schreibtisch im Sitzungssaal des US-Senats in Washington. Allgemeiner Unsinn ist ein tatsächlich existierendes Forschungsfeld in der Mathematik. Die Männchen der Prachtkäferart Julodimorpha bakewelli kopulieren gerne mit Bierflaschen. Ein Heißköpfiger Nackteisbohrer ist eine in der Antarktis verbreitete, fleischfressende, maulwurfähnliche, aber fiktive Tierart. Und Defenestration nennt man das Hinauswerfen eines Menschen aus einem Fenster. Man lernt nie aus.

Die Geburtsstunde: Die erste Version des deutschsprachigen Wikipedia-Ablegers, die am 16. März 2001 gestartet wurde. © Quelle: wikipedia

2. Der erste deutschsprachige Artikel ist unbekannt

Mit welchem Stichwort sich der erste deutschsprachige Wikipedia-Eintrag befasste, wird bedauerlicherweise wohl für alle Zeiten ein Rätsel bleiben. Bei der Umstellung der Software auf die noch heute gebräuchliche Technologie Mediawiki gingen die entsprechenden Daten verloren. Die älteste unbeschädigte Versionsgeschichte zu einem deutschen Begriff findet sich laut dem gemeinnützigen Verein Wikimedia Deutschland – der sich um die Belange der deutschsprachigen Wikipedia kümmert – zum Stichwort Polymerase-Kettenreaktion.

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3. Wikipedia gehört weltweit und in Deutschland zu den 15 meistgenutzten Webseiten

Im globalen Maßstab liegt die Wikipedia derzeit mit monatlich rund 15 Milliarden Aufrufen auf Platz 15 der meistbesuchten Webseiten. In Deutschland liegt die Wikipedia auf Platz 6 – hinter Ebay und vor Ebay Kleinanzeigen. Im Schnitt werden die Seiten der deutschsprachigen Wikipedia etwa eine Milliarde Mal im Monat aufgerufen. Das entspricht mehr als 30 Millionen Aufrufen pro Tag oder 1,5 Millionen pro Stunde oder 24.000 pro Minute. Es ist die mit Abstand größte nicht kommerzielle Seite im Internet.

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4. Auch ein Himmelskörper trägt den Namen „Wikipedia“

„(274301) Wikipedia“ ist der offizielle Name eines Asteroiden des inneren Hauptgürtels. Er wurde am 25. August 2008 am Astronomischen Observatorium Andruschiwka in Haltschyn in der Ukraine entdeckt. Seit Januar 2013 heißt der Asteroid „Wikipedia“. Für die Umrundung der Sonne benötigt „(274301) Wikipedia“ 3,68 Jahre.

Legendärer Wikipedia-Zankapfel: Der Donauturm in Wien am Ufer der Donau ist ein Aussichtsturm, kein Fernsehturm. © Quelle: donauturm

5. Immer wieder kommt es zu Edit-Wars

Zum Wesen eines Wikipedia-Autors gehört fast zwangsläufig eine mitunter kämpferische Lust an der Akkuratesse. Das führt immer wieder zu Kleinkriegen in der Autorengemeinde. Einer der bekanntesten sogenannten Edit-Wars drehte sich um die Frage, ob der Wiener Donauturm ein Aussichtsturm oder ein Fernsehturm ist. Inzwischen ist der legendäre Zwist beigelegt. Ergebnis: Der Donauturm ist ein Aussichtsturm.

6. Verdiente Wikipedia-Autoren erhalten einen Preis

Die WikiEule ist ein ideeller (Motivations-)Preis, der die Replik einer Eule aus dem antiken Griechenland darstellt und seit 2013 an verdiente Wikipedia-Autoren vergeben wird – für besonders wertvolle Beiträge und großes Engagement. Den Preis für den besten Artikel erhielt bei der virtuellen Verleihung im Jahr 2020 der Eintrag zu Covid-19 sowie der gesamte Themenkomplex rund um die Corona-Pandemie, ein Gemeinschaftswerk zahlloser Autoren.

7. Wikipedia listet Großstädte mit den meisten Wiki-Artikeln auf

In einem eigenen Verzeichnis registriert Wikipedia, wie viele Einträge es zu deutschsprachigen Städten gibt. Die Liste wird – wenig überraschend von Berlin angeführt. Die Hauptstadt kommt auf 42.371 Einträge, gefolgt von Wien (25.658), München (24.637), Hamburg (21.005), Köln (11.829), Frankfurt (11.660), Dresden (10.290) und Leipzig (9338).

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8. Die deutschsprachige Wikipedia ist nicht mehr der größte Ableger

Bis 2012 war die deutschsprachige Wikipedia gemessen an der Gesamtzahl der Beiträge die zweitgrößte Sprachversion der Wikipedia. Dann jedoch wurde sie von der Wikipedia auf Cebuano (einer philippinischen Sprache) und auf Schwedisch überholt. Der Grund: In mehreren Sprachen erstellen Bots automatisiert massenhaft Kurzartikel aus statistischen Daten. Solche Artikel sind in der deutschsprachigen Wikipedia-Community nicht erlaubt. Die deutschsprachige Wikipedia ist mit 2.550.072 Artikeln nun die viertgrößte Wikipedia. Die größte ist weiterhin die englischsprachige Wikipedia mit rund 6,1 Millionen Einträgen.

9. Google plante einen Wikipedia-Konkurrenten

Google unternahm einst einen Versuch, ein eigenes Onlinelexikon aufzubauen. Von Juli 2008 bis Mai 2012 wollte das Unternehmen die enzyklopädische Datenbank Knol – A Unit of Knowledge etablieren (vom englischen Wort „knowledge“ für „Wissen“). Das misslang. Im Unterschied zur Wikipedia sollte bei Knol jeder Eintrag von einem einzigen Autor stammen, das Ziel war eine Art Fachwissen-Datenbank. Knol wurde 2012 eingestellt. Auch die Nupedia, die Vorgängerin der Wikipedia, hatte ursprünglich ausschließlich professionelle Autoren.

Statue für Stichwortgeber: Das erste Wikipedia-Denkmal der Welt steht an der deutsch-polnischen Grenze im Ort Slubice, geschaffen vom armenischen Künstler Mihran Hakobyan. © Quelle: picture alliance / dpa

10. Es gibt ein Denkmal für Wikipedianer

Am Frankfurter Platz in der polnischen Stadt Slubice steht seit Oktober 2014 eine Bronzestatue zu Ehren der Wikipedia-Autoren in aller Welt. Geschaffen hat sie der armenische Künstler Mihran Hakobyan. Sie zeigt vier Grazien, die auf Unmengen von Buchseiten stehend die Wikipedia-Weltkugel hoch in die Luft halten. 2,5 Millionen Menschen waren bisher insgesamt in zwei Jahrzehnten als aktive Wikipedianer registriert, davon 1,2 Millionen auf der englischsprachigen Seite. Die Zahl der deutschsprachigen aktiven Wikipedianer beträgt rund 190.000. Der harte Kern ist jedoch deutlich kleiner.

11. Der erste „Prominente“ mit eigenem Wikipedia-Eintrag war …

… nicht etwa Michael Jackson oder Madonna, sondern der schottische Philosoph Thomas Reid aus dem 18. Jahrhundert. Reid kommt die Ehre zuteil, erste Einzelperson der Welt mit einem eigenen Wiki-Artikel zu sein.

12. Ein einzelner Wikipedianer korrigierte die Grammatik in mehr als 47.000 Einträgen

Zu beträchtlichem Ruhm innerhalb der Wikipedia-Gemeinde kam der kalifornische Autor Bryan Henderson, der bei Wikipedia den Autorennamen Giraffedata trägt. Er korrigierte ganz allein in mehr als 47.000 Wiki-Einträgen die falsche Benutzung des Ausdrucks „comprised of“ (bestehend aus). In einem langen Eintrag erklärt er hier seine Vorgehensweise. Im Kern geht es darum, dass der Begriff „comprised of“ grammatikalisch ungünstiges Englisch ist. Giraffedata bevorzugt „composed of“ oder „consists of“.

13. Die Wikipedia hat eine offizielle Hymne

Die fröhliche Schratigkeit der Wikipedia-Gemeinde zeigt sich auch in der Tatsache, dass das Onlinelexikon eine eigene Hymne hat. Es handelt sich um eine Umdichtung der Eagles-Klassikers „Hotel California“ mit dem Titel „Hotel Wikipedia“. Der Song wurde 2004 von leidenschaftlichen Wikipedianern erschaffen und beginnt mit den Zeilen „On a dark office evening, / Sat down in my chair / Sharp smell of stale coffee / Circling round in the air“. Im Refrain heißt es dann: „Welcome to the Hotel Wikipedia / Such a lovely place / So much empty space / Plenty of work at the Hotel Wikipedia / Any time of year / Any time of year / You can find us here …“ Es ist aber bei Weitem nicht der einzige Song über die Wikipedia: Im Eintrag „Songs about Wikipedia“ sind mehr als 150 Songs aufgeführt, in denen das Lexikon vorkommt.

14. Das Lexikon wächst rasant

Man sollte meinen, nach 20 Jahren sei so ungefähr jedes denkbare Schlagwort der englischen Sprache bereits enthalten. Doch die Wikipedia wächst weiter rasant. Jeden Tag kommen bis zu 600 neue Stichwörter hinzu.

„Die Vielfalt unter unseren Autoren zu fördern ist unsere wichtigste Aufgabe der Zukunft“: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales im Dezember 2020. © Quelle: picture alliance / empics

15. Wikipedia hat ein Genderproblem

Weniger als ein Viertel der Wikipedia-Autoren sind weiblich. Immer wieder wird bemängelt, dass die weibliche Perspektive im Lexikon fehle und die Dominanz männlicher Sichtweisen sich einseitig und verfälschend auf manche Inhalte auswirken könne. Die Bemühungen, mehr Frauen zur Teilnahme zu bewegen, schlugen jedoch zumeist fehl. In einem BBC-Interview sagte Wikipedia-Mitgründer Jimmy Wales vor einigen Jahren, die Wikimedia-Stiftung habe „vollständig versagt“ beim Bemühen um mehr Beteiligung von Frauen. „Die Vielfalt unter unseren Autoren zu fördern ist unsere wichtigste Aufgabe der Zukunft.“ Die männlich dominierte Kultur in der Wikipedia-Community ist ein Dauerärgernis für manche Autorinnen. Immer wieder gab es Sexismusvorwürfe. Ein Beispiel: Im September 2020 wurde auf der Startseite der deutschen Wikipedia in der Kategorie „Schon gewusst?“ der Teaser „In Tirol kann man die Mutti besteigen“ angezeigt. Gemeint war eine Geländeformation namens Mutti mit einer Höhe von 2980 Metern.

16. Gelöschte Quatschartikel mit merkwürdigen Titeln werden gesammelt

Neben dem „Kuriositätenkabinett“ (siehe Punkt ein) sammelt die Wikipedia auch die Titel von Artikeln, die den Relevanztest durch die Gemeinschaft nicht bestanden haben und sich durch besonders schräge Stichwörter auszeichnen. In der langen Liste von „Dafts“ („Deleted Articles with Freaky Titles“) finden sich putzige gelöschte Einträge wie „Die Rolle von Clowns in der modernen Gesellschaft“, „Salz auf Schnecken tun“, „Satanische Erleuchtung“, „Das atomare Kannibalenfrühstück“ oder „Die langfüßige Kartoffel“.

17. Wikipedia gibt es aktuell in 305 Sprachen

Die Wikipedia gibt es derzeit in 305 aktiven Sprachversionen. Mehrere Wikipedias wurden geschlossen, weil es zu wenige Einträge oder zu wenig Aktivität gab, darunter sind Sprachen wie Elsässisch – zuletzt mit nur 19 Einträgen – sowie Kanuri, Choctaw, Hiri Motu, Kwanyama, Muscogee, Herero, Yi, Marshallese, Afar, Ndonga und Northern Luri. Über die Einrichtung einer neuen Sprachversion entscheidet jeweils ein Ausschuss der Wikimedia Foundation. Auf Wikipedia:Sprachen findet sich eine Liste aller Sprachen der Wikipedia. Darunter sind auch seltene Sprachen wie Angelsächsisch, die Altkirchenslawische Sprache oder Cheyenne.

18. Der fleißigste Wikipedia-Autor ist ein 36-jähriger Texaner

Der Amerikaner Steven Pruitt aus Texas führt aktuell die Liste der tatkräftigsten Wikipedianer weltweit an. Pruitt hat mehr als 35.000 Wikipedia-Einträge verfasst und zu mehr als vier Millionen Artikeln beigetragen. 2017 nahm ihn das Magazin „Time“ in die Liste der „25 einflussreichsten Internetpersönlichkeiten“ auf. Pruitt schreibt unter dem Pseudonym Ser Amantio di Nicolao – eine Anspielung auf eine Randfigur aus Giacomo Puccinis Oper „Gianni Schicchi“ von 1918.

19. Steve Jobs liegt vor Donald Trump

Den Rekord für die meisten Aufrufe an einem einzigen Tag hält noch immer der Eintrag von Apple-Gründer Steve Jobs. An seinem Todestag, dem 6. Oktober 2011, wurde die Seite 7,4 Millionen Mal aufgerufen. Auf Platz zwei liegt der frühere US-Präsident Donald Trump. Seine Seite wurde am Tag seines Wahlsiegs, dem 9. November 2016, rund 6,1 Millionen Mal aufgerufen.

„No angry Mastodons!“: Darstellung eines Mastodons (Mammutart) auf einem deutschen Holzschnitt von 1880. Das Tier steht bei Wikipedia symbolhaft für den Appell, sich nicht im Zorn an die Arbeit zu begeben. © Quelle: picture alliance / imageBROKER

20. „Keine wütenden Mammuts“, bitte!

Wikipedia verfügt über eine spektakuläre Anzahl von wichtigen Hinweisen zum korrekten Vorgehen von Autoren. Nicht wenige tragen bizarre Namen wie „No climbing the Reichstag dressed as Spider-Man“ oder „Jimbo’s prayer“. Eine der populärsten Arbeitsanweisungen ist „No angry Mastodons“ („Keine wütenden Mammuts“). Dahinter verbirgt sich die Empfehlung, nicht in einem Zustand des Zorns zu arbeiten, quasi als wütendes Mammut, um so zu verhindern, dass andere Wikipedianer wie eine Stampede über dein Werk trampeln.

Die deutschsprachige Wikipedia feiert ihren 20. Geburtstag mit einer speziellen Aktionswoche unter dem Hashtag #WikipediaSchreibtGeschichte. Nutzer können dort einen Blick hinter die Kulissen der größten Onlineenzyklopädie der Welt werfen.

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