Studienzweifel und Studienabbruch: Wer hilft, und welche Alternativen haben Studierende?

  • Wer an seinem Studium zweifelt, weiß oft nicht, wie es weitergehen soll.
  • Für manche genügt ein Wechsel des Studiengangs oder der Hochschulform, andere möchten einen ganz anderen Weg einschlagen.
  • Die Studienberatungen der Hochschulen helfen dabei, Probleme zu identifizieren und Lösungen zu finden.
Alice Pesavento
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Wie viele angehende Studentinnen und Studenten war sich Katarina vor der Wahl ihres Studiengangs nicht sicher, was sie studieren möchte. Weil sie internationale Themen und verschiedene Kulturen schon immer interessant fand, fiel ihre Wahl auf International Business and Economics. Eigentlich hatte sie sich gut über die Inhalte dieses Studiengangs informiert, aber schon nach dem ersten Semester war ihr klar, dass das nicht das Richtige für sie ist. „Ich habe gemerkt, dass mir keine Vorlesung außer Mathe und IT Spaß macht“, sagt sie. „Da dachte ich mir: Irgendwas ist hier falsch.“

Fast jeder dritte Studierende bricht sein Studium ab

Fast jeder dritte Studierende, der in Deutschland ein Bachelorstudium anfängt, erreicht keinen ersten Hochschulabschluss. Im Fach Mathematik führen sogar nur etwas mehr als vier von zehn Studierenden ihr Bachelorstudium erfolgreich zu Ende. Was soll man tun, wenn man merkt: Der aktuelle Studiengang ist nicht der richtige? Wo finden Studierende in so einem Fall Hilfe?

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Eine Sache vorweg: Studienzweifel sind normal. Fast alle Studierende haben im Laufe ihres Studiums auch mal Zweifel daran. „Zweifel können sogar hilfreich sein“, sagt Pia Henneken, von der Zentralen Studienberatung der Ruhr Universität Bochum, die Studieninteressierte, Studierende und Eltern berät. „Denn Zweifel bieten auch immer die Chance, zu überprüfen, wo ich gerade stehe und ob ich noch mein Ziel vor Augen habe.“

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Warum brechen Studierende ihr Studium ab?

Trotzdem gibt es Dinge, die einen Studienabbruch oder einen Wechsel des Fachs unausweichlich machen können. Meistens führt dabei nicht ein einziger Grund zum Studienabbruch, sondern vielmehr ein ganzes Bündel von Ursachen. Dazu zählen zum Beispiel finanzielle oder gesundheitliche Probleme und schlechte Leistungen. Oft klaffen auch Erwartungen und Realität zu stark auseinander. „Studierende stellen beispielsweise fest: Das Studienfach ist anders, als sie sich das vorgestellt haben“, sagt Pia Henneken. „Manchmal haben sie auch das Gefühl, sie können da ihre Interessen nicht verwirklichen.“

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Auch Katarina kennt dieses Gefühl gut. Nachdem sie schon im ersten Semester ihres Studiums International Business and Economics bemerkte, dass das nicht das Richtige für sie ist, entschied sie sich, das Fach zu wechseln, und informierte sich über mögliche Alternativen. Die Wahl fiel auf Informatik. Das lag nahe, weil ihr dieses Fach schon in ihrem damaligen Studium von Anfang an gefallen hatte – und weil auch ihr Vater und ihr Bruder Informatiker sind.

Studienberatungen helfen bei Zweifeln

Studierende wie Katarina, die an ihrer Studienwahl zweifeln oder das Studium ganz abbrechen möchten, können bei der Zentralen Studienberatung ihrer Universität Hilfe bekommen. Im Beratungsgespräch helfen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, eine Lösung zu finden. „Wir klopfen erst mal ein bisschen ab, wo der Schuh überhaupt drückt“, sagt Pia Henneken. „Also: Woher kommen die Zweifel? Was möchte die Person eigentlich? Wo ist sie richtig aufgehoben?“

Neben Hilfestellungen beim Zeitmanagement und einer psychologischen Beratung halten die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch konkrete Tipps bei Studienzweifeln bereit. „Wenn es zum Beispiel darum geht, dass jemand unsicher ist, ob er oder sie in dem Fach richtig aufgehoben ist, dann kann ein sinnvoller Schritt sein, mal in die Praxis zu schnuppern“, sagt Pia Henneken. Sie und ihre Kolleginnen sowie Kollegen empfehle den Studierenden, beispielsweise über ein freiwilliges Praktikum Erfahrungen in der Berufswelt zu sammeln. Wenn die Studierenden dann erleben, dass ihnen die Praxis Spaß mache, sei das für viele ein großer Motivator weiterzustudieren, so Henneken. Auch Online-Selbsteinschätzungtests wie beispielsweise das Student Self-Reflection Tool können dabei helfen, die Frage zu beantworten: Bin ich in diesem Fach richtig aufgehoben oder nicht?

Wer diese Frage mit „Nein“ beantwortet, kann sich überlegen, das Studienfach zu wechseln oder einen anderen Weg einzuschlagen. Ist einem das Studium an einer Universität zu theoretisch, kann man darüber nachdenken, an eine Fachhochschule zu wechseln, an denen die Studiengänge praxisorientierter sind. Auch ein duales Studium oder eine Ausbildung können geeignete Alternativen zu einem Vollzeitstudium sein. Oft sind Studienabbrecher und -abbrecherinnen in diesen Bereichen sogar gerne gesehen, weil sie bereits fachliche Erfahrungen und theoretisches Vorwissen mitbringen. Um sich zu orientieren und Dinge zu ordnen, die das Studieren erschweren, kann es auch helfen, ein Urlaubssemester einzulegen.

Wechsel statt Abbruch

Möchte man nur den Studiengang wechseln, sollte man sich vorher umfassend informieren, um schon im Vorhinein zu wissen, was einen erwartet und welche Anforderungen es gibt. Dabei kann es helfen, Studienverlaufspläne zu lesen oder auch mit Vertretern und Vertreterinnen des Fachschaftsrats des jeweiligen Studiengangs zu sprechen, um mehr über die studentische Sicht auf einen Studiengang zu erfahren. Der Fachschaftsrat besteht aus gewählten Studierenden und vertritt die Interessen aller Studierenden eines Fachbereichs. Innerhalb der eigenen Universität kann man auch in verschiedene Vorlesungen reinschnuppern und so herausfinden, was einen interessiert.

Die Zeit zwischen dem Studienwechsel kann dadurch sinnvoll genutzt werden. Auch Katarina hat das gemacht. „Ich habe im zweiten Semester meines International-Business-and-Economics-Studiums alle Fächer, die in die Mathe- und Informatikrichtung gingen und die ich mir auch in Informatik anrechnen lassen konnte, abgeschlossen“, sagt sie.

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Auch der falsche Studiengang hilft bei der Berufsorientierung

Den Wechsel ihres Studiengangs bereut Katarina nicht. „Ich finde, man kann immer etwas mitnehmen, egal was man lernt oder was man macht“, sagt sie. Die Erfahrungen, die sie in ihrem ersten Studium gemacht hat, haben ihr auch dabei geholfen, sich beim zweiten Mal sicher zu sein, dass sie auf dem richtigen Weg ist. „Im Vergleich zu meinem vorherigen Studium konnte ich dann sofort sehen: ‚Ja, das ist ein komplett anderes Gefühl und deswegen weiß ich, dass Informatik das Richtige für mich ist‘“.

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