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Warum immer mehr Universitäten nachhaltiges Wirtschaften lehren

Einige Universitäten bieten nun Nachhaltiges Management als Studiengang an.

Einige Universitäten bieten nun Nachhaltiges Management als Studiengang an.

„Nachhaltiges Management sollte im Studium kein Add‑on sein. Es muss vielmehr integraler Bestandteil aller Fächer der Betriebswirtschaft werden“, betont René Schmidpeter, Lehrstuhlinhaber für Nachhaltiges Management an der IU Internationalen Hochschule in Erfurt. Unter seiner Leitung wurde gerade der neue Masterstudiengang Nachhaltiges Management eingerichtet, der im Herbst an den Start geht. „Nachhaltiges Management bedeutet, dass das Thema im Marketing genauso präsent ist wie in der Produktion, im Vertrieb und im Personalwesen.“

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Es gehe darum, Generalisten für das Thema auszubilden, die ihr Wissen dann in unterschiedliche Abteilungen eines Unternehmens einbringen können. Deshalb gehören zu den Studieninhalten neben den Themen nachhaltige Betriebswirtschaftslehre, nachhaltige Produktentwicklung und Ethik von Technologien auch interkulturelles Management, Kommunikationstechniken sowie Projektmanagement und Agilität.

Nachhaltigkeit ist im Studium noch ein Randthema

„Unternehmen sind langfristig erfolgreicher, wenn sie Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie integrieren und sich entsprechend transformieren“, erklärt Schmidpeter. „Diese Erkenntnis kommt zunehmend in der Wirtschaft an. Dennoch wird vielen Unternehmen nach wie vor Greenwashing vorgeworfen.“ Seiner Meinung nach sei das in vielen Fällen keine Täuschungsabsicht, sondern liege am fehlenden Wissen.

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Prof. René Schmidpeter ist Lehrstuhlinhaber für Nachhaltiges Management an der IU Internationalen Hochschule in Erfurt.

Prof. René Schmidpeter ist Lehrstuhlinhaber für Nachhaltiges Management an der IU Internationalen Hochschule in Erfurt.

Was schließlich fehlt, sind adäquat ausgebildete Beschäftigte, so Schmidpeter. „Denn Nachhaltigkeit ist im Studium meist noch immer ein Randthema. Erste Hochschulen steuern inzwischen dagegen und bieten – wie wir – Nachhaltiges Management als Studiengang an.“

Der Hochschullehrer ist sich sicher, dass in diesem Fach ausgebildete Absolventen hervorragende Berufsaussichten haben: „Künftig wird es einen Riesenbedarf an Managern und Managerinnen mit Know‑how im Bereich Nachhaltigkeit geben. Denn sie können neue Perspektiven einbringen, um die Zukunft positiv zu verändern und gleichzeitig langfristig wirtschaftlich zu handeln.“

Studiengang lässt sich auch ohne Bachelorabschluss absolvieren

Wie hoch der Bedarf ist, belegt Schmidpeter mit einer Zahl: „Laut World Economic Forum ist es notwendig, 50 Prozent der Führungskräfte im Management weltweit zu ‚reskillen‘, sie also in den Bereichen Technologie und Nachhaltigkeit weiterzubilden.“ Und genau darum geht es im neuen Masterstudiengang Nachhaltiges Management an der IU Internationalen Hochschule, der als Fernstudiengang konzipiert ist. „Er richtet sich an Berufstätige, die ein Erststudium mit einem fachbezogenen Schwerpunkt, zum Beispiel BWL, absolviert haben. Andere Studienabsolventen sollten bereits über entsprechende Berufserfahrung verfügen“, erklärt Schmidpeter.

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Aber auch für Menschen ohne Bachelorabschluss ist der Einstieg ins Studium möglich. Sie sollten langjährige Berufserfahrungen als Führungskraft oder Experte nachweisen können und eine Mastereignungsprüfung erfolgreich abschließen. „Damit sind wir offen für Berufstätige mit verschiedenen Biografien, ob es nun junge Leute sind, die ein soziales Start-up gründen möchten, oder 40- bis 50-jährige Manager, die aktuell nicht so sinnerfüllend arbeiten, wie sie sich das wünschen.“ Grundsätzlich qualifiziert das Studium fürs mittlere Management in Betrieben, die Nachhaltigkeit in ihr Unternehmen integrieren möchten.

Wieso junge Menschen Nachhaltiges Management studieren

Die 23-jährige Lena Weingarten aus Krefeld hat sich für den Studiengang Nachhaltiges Management entschieden. Die studierte Wirtschaftsinformatikerin beginnt im Herbst mit ihrem Studium an der IU Internationalen Hochschule. „Das Thema Nachhaltigkeit ist mir sehr wichtig“, sagt sie. „Ich lebe vegan und plastikfrei. Außerdem engagiere ich mich bei Fridays for Future.“ Schon in ihrer Bachelorarbeit befasste sie sich mit dem Thema Nachhaltigkeit, indem sie den Nachhaltigkeitsstatus ihres IT-Unternehmens analysierte.

„Ursprünglich habe ich bei meinem Arbeitgeber als Anwendungsentwicklerin gearbeitet. Wir entwickeln Software für die Holzbranche. Doch in den letzten Monaten bin ich intern ins Consulting gewechselt“, berichtet Weingarten. „Jetzt komme ich direkt mit unseren Kunden in Kontakt und kann sie persönlich beraten.“ Genau das macht ihr Spaß und ließ in ihr die Entscheidung reifen, sich künftig mehr mit Wirtschaft als mit Informatik zu beschäftigen. Auch ihr Arbeitgeber unterstützt sie. Er übernimmt die Studienkosten und ermöglicht ihr durch Gleitzeit, berufsbegleitend zu studieren.

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Langfristig will Lena Weingarten im Projektmanagement arbeiten und dort Nachhaltigkeitsthemen vorantreiben. Für den Studiengang hat sich die Entwicklerin auch deshalb entschieden, weil er unterschiedliche Aspekte berücksichtigt: „Es geht um nachhaltige Geschäftsmodelle, aber auch um Ethik und Kommunikation“, betont Weingarten. Sie weiß, dass sich ohne eine gute Kommunikation Nachhaltigkeit im Unternehmen nicht umsetzen lässt.

Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen ein Marketing-Thema

Der überwiegende Teil der deutschen Vorstände und Führungskräfte sieht das Thema Nachhaltigkeit immer noch vorrangig als Reputationsrisiko an, nicht aber als Thema, das Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnet, profitabel zu wachsen. Das ist ein zentrales Ergebnis einer internationalen Umfrage der Personalberatung Russell Reynolds Associates.

Nach der Anfang des Jahres veröffentlichten Studie geben 46 Prozent der befragten deutschen Vorstände an, dass Nachhaltigkeitsmaßnahmen aus Marketingerwägungen getroffen werden. Lediglich 15 Prozent sagen, dass zusätzliche Wertschöpfung die treibende Kraft ihrer Nachhaltigkeitsstrategie ist. Nur jeder vierte befragte Vorstand ist der Auffassung, dass sein Unternehmen über eine Nachhaltigkeitsstrategie verfügt, die klar kommuniziert und umgesetzt wird.

Gerade einmal 31 Prozent sind der Meinung, dass sich ihr CEO – also ihre Geschäftsführung – persönlich für die Förderung der Nachhaltigkeit einsetzt. Für die Studie hat die Personalberatung 9500 Vorstände, Nachwuchsführungskräfte sowie Beschäftigte in elf Ländern befragt.

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