Fitmachen für die Arbeit: Das sollten Sie zur Reha wissen

  • Nach einer Erkrankung besteht häufig Anspruch auf eine Reha.
  • Allerdings müssen dafür einige Voraussetzungen erfüllt sein.
  • Wie Sie eine Reha beantragen und wer für die Kosten aufkommt, erfahren Sie hier.
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Ob Bandscheiben­vorfall, Depression oder Schlaganfall: Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erkranken im Laufe ihres Berufslebens schwer – und oft auch chronisch. Im Anschluss an eine Therapie etwa im Krankenhaus können weitere medizinische Behandlungen erforderlich sein, um die Gesundheit wiederherzustellen. Daran hat auch die Deutsche Renten­versicherung ein großes Interesse: „Ziel einer medizinischen Rehabilitation ist, die Teilhabe am Erwerbsleben dauerhaft zu erhalten“, sagt Sprecherin Katja Braubach. Hier einige Antworten auf wichtige Fragen zum Thema:

Wer kann eine Reha beantragen?

Grundsätzlich alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Versicherte in der Deutschen Renten­versicherung zum Beispiel müssen bis zu 15 Jahre lang Beiträge gezahlt haben, eine Erwerbs­minderungs­rente beziehen oder Pflicht­beitrags­zeiten von sechs Monaten innerhalb der vergangenen zwei Jahre vor Beantragung der Reha aufweisen können, erläutert Arne Weinberg von der Verbraucher­zentrale Nordrhein-Westfalen.

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Johannes-Daniel Engelmann, Sprecher der AOK Niedersachsen, weist darauf hin, dass bei anderen Trägern wie der Gemeinde­unfall­versicherung oder der Alterssicherung der Landwirte abweichende Zugangs­voraussetzungen gelten können. Die gesetzliche Krankenversicherung ist ebenfalls Träger von Reha­maßnahmen – allerdings in der Regel für verrentete Personen.

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Auch Freiberuflerinnen und Freiberufler sowie Selbstständige können eine Reha beantragen, wenn sie freiwillig in einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind. „Bei privat Versicherten ist meist eine Zusatzversicherung für Rehamaßnahmen erforderlich“, erklärt Weinberg.

Wann wird eine Reha bewilligt?

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Die Reha muss aus medizinischer Sicht erforderlich sein, erklärt Weinberg: „Konkret wird verlangt, dass die Erwerbsfähigkeit durch die Krankheit oder Behinderung erheblich gefährdet oder gemindert ist, und die Reha dabei helfen kann, die Minderung der Erwerbsfähigkeit abzuwenden oder zumindest teilweise wiederherzustellen.“ Die Patientin oder der Patient müsse zudem physisch und psychisch in der Lage sein, die Behandlungen mitzumachen. Eine gute Begründung der Reha ist wichtig, weil der Antrag ansonsten abgelehnt wird. Nach einer Ablehnung kann Widerspruch eingelegt werden.

Wie wird eine Reha beantragt?

Den Antrag auf Kosten­übernahme stellen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, erläutert Engelmann. Entsprechende Formulare können von der Website der Deutschen Renten­versicherung heruntergeladen werden. Notwendig sei auch ein ärztlicher Befundbericht, für den es ebenfalls offizielle Vordrucke gebe, ergänzt Weinberg. Mittlerweile können Versicherte Anträge auch online stellen und Nachweise digital hochladen.

Soll eine Reha im Anschluss an eine stationäre Behandlung erfolgen, muss laut Engelmann der Antrag von den Versicherten während des Krankenhaus­aufenthaltes gestellt werden. Das behandelnde Krankenhaus leitet den Antrag an die zuständige Krankenkasse weiter.

Wer kommt für die Kosten auf?

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Die Deutsche Renten­versicherung übernimmt alle Ausgaben – von der Anreise über die Verpflegung bis hin zu den medizinischen Anwendungen. „Bei einer ambulanten Rehabilitation fallen grundsätzlich keine Kosten für die Rehabilitanden an“, sagt Braubach. Die Zuzahlungspflicht bei einem stationären Aufenthalt beträgt in der Regel 10 Euro pro Tag, ist aber zeitlich begrenzt. Versicherte können beantragen, von der Zuzahlung befreit zu werden, wenn sie zum Beispiel über ein geringes Einkommen verfügen. Entscheidet sich der oder die Versicherte für eine andere Reha­einrichtung als vom Versicherungsträger vorgeschlagen, müssen die eventuell entstehenden höheren Kosten zur Hälfte getragen werden, erläutert Engelmann.

Wie wird eine Reha­klinik gefunden?

Die Auswahl hänge vom ärztlichen Befund ab, erklärt Braubach: „Wird zum Beispiel ein Bandscheiben­vorfall als Erstdiagnose angegeben, erfolgt die Zuweisung in eine orthopädisch ausgerichtete Reha­einrichtung.“ Berücksichtigt werden von der Deutschen Renten­versicherung auch Nebendiagnosen, Lebensumstände und Wünsche der Versicherten. Weinberg weist auf das grundsätzliche Wunsch- und Wahlrecht der Versicherten hin: „Da die Entscheidung aber letztlich beim Kostenträger liegt, empfiehlt es sich in jedem Fall, den Ortswunsch unter Berücksichtigung der persönlichen Lebenssituation und der eigenen Bedürfnisse gut zu begründen.“

Aufenthalte sind grundsätzlich nur in Einrichtungen möglich, mit denen ein Versorgungsvertrag abgeschlossen wurde, sagt Engelmann. Auf der Internetseite der Deutschen Renten­versicherung und des Deutschen Heilbäder­verbandes können Versicherte gezielt nach einer passenden Einrichtung suchen.

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Wie lang dauert eine Reha?

In der Regel drei Wochen, sagt Braubauch. Psychosomatische Rehabilitationen dauern meist fünf und neurologische Rehabilitationen vier Wochen. „Sollte die bewilligte Dauer nicht ausreichen, kann ein Verlängerungs­antrag gestellt werden, wenn dies aus medizinischen Gründen dringend erforderlich ist“, so Engelmann.

Was müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beachten?

Arbeitgeber sind grundsätzlich bis zu sechs Wochen lang zur Lohnfortzahlung verpflichtet, wenn Angestellte eine Reha machen. Allerdings müssen diese den Zeitpunkt des Antritts, die voraussichtliche Dauer und eine eventuelle Verlängerung frühzeitig melden. Außerdem muss die Bescheinigung über die Bewilligung der Maßnahme unverzüglich vorgelegt werden. Reha­aufenthalte dürfen nicht mit dem Urlaub verrechnet werden.

Für Kuren gelten andere Diagnosen

Die Kur ist ein umgangs­sprachlicher Begriff und bezeichnet eine Vorsorgeleistung. Sie unterscheidet sich grundsätzlich von einer Rehabilitation, die im Anschluss an eine Erkrankung erfolgt. Bei einer Kur geht es um Prävention und Gesundheits­vorsorge. Sie kann zum Beispiel bei starken körperlichen und seelischen Belastungen beantragt werden. Vermieden werden sollen dauerhafte und chronische Erkrankungen sowie eine Pflege­bedürftigkeit. Ein Anspruch besteht in der Regel, wenn eine normale ärztliche Behandlung nicht ausreicht. Auch Vorsorgekuren können ambulant erfolgen. Dann muss dafür Urlaub genommen werden. Die Krankenkassen erstatten bis zu 16 Euro am Tag. Für stationäre Aufenthalte gilt eine Zuzahlung der Versicherten in Höhe von 10 Euro pro Tag.

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