Corona-Förderprogramme der Länder: So sollen Schüler die Lernrückstände aufholen

  • In den ersten Bundesländern haben am Montag die Sommerferien begonnen, dennoch werden viele Schülerinnen und Schüler auch in dieser Zeit die Schulbank drücken.
  • Mithilfe von Förderprogrammen wollen die Länder die aus den Schulschließungen resultierenden Lernrückstände bei Kindern und Jugendlichen auffangen – auch im kommenden Schuljahr.
  • Ein Überblick über den aktuellen Planungsstand der Kultusminister.
Anja Semonjek
Johanna Apel
Jens Strube
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Berlin. Geschafft: Für die ersten Schülerinnen und Schüler in Deutschland haben am Montag die Sommerferien begonnen. In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein ist das anstrengende Corona-Schuljahr bundesweit als erstes zu Ende gegangen. Am 24. Juni folgen Berlin, Brandenburg und Hamburg. Doch statt sechs Wochen unbeschwerten Freizeitspaß zu genießen, werden viele Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet auch in der Ferienzeit die Schulbank drücken. Hintergrund sind die individuellen Förderprogramme der Länder. Als Reaktion auf die Auswirkungen des anstrengenden Corona-Schuljahrs, das bei vielen Schülerinnen und Schülern durch die Schulschließungen zu Lernrückständen geführt hat, soll den Kindern und Jugendlichen damit möglichst viel vom verpassten Stoff beigebracht und entstandene Lernrückstände ausgeglichen werden.

Eine durchaus notwendige Maßnahme, wie das Ergebnis einer kürzlich veröffentlichten Studie zeigt. Forscherinnen und Forscher der Frankfurter Goethe-Universität hatten weltweite Daten zur Kompetenzentwicklung im Distanzunterricht gesammelt und ein ernüchterndes Fazit gezogen. Demnach haben die Schulschließungen im Frühjahr 2020 für eine Stagnation der Lernerfolge mit Tendenz zu Kompetenzeinbußen gesorgt, vergleichbar mit dem Effekt von Sommerferien. Weiter zeigt die Auswertung, dass die Kompetenzeinbußen besonders stark Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Elternhäusern betreffen.

Neben den Förderprogrammen in den Sommerferien soll es auch im kommenden Schuljahr unterstützende Angebote für die Schülerinnen und Schüler geben. Dafür hat die Bundesregierung das Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ initiiert. Insgesamt 2 Milliarden Euro nimmt der Bund dafür in die Hand, um Lernrückstände bei den Kindern und Jugendlichen abzubauen sowie Freizeitaktivitäten zu fördern. 1,29 Milliarden davon sollen auf die Länder verteilt werden. Sockelbeträge, mit denen die Kultusministerien der Länder entsprechende Förderprogramme finanzieren können. Doch wie ist der Zwischenstand? Was haben die einzelnen Kultusministerien bereits umgesetzt? Ein Überblick über die Vorbereitungen in den einzelnen Bundesländern.

Baden-Württemberg

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In Baden-Württemberg existierten bereits Förderprogramme für das laufende Schuljahr, die Sommerferien und das kommende Schuljahr, heißt es vom Bildungsministerium. Für das kommende Jahr seien Programme geplant, dessen Module additiv (zusätzlich zum Unterricht) als auch integrativ (in den Unterricht integriert) umgesetzt werden können. Zusätzliche Lehrkräfte sollen als Mentoren unterstützend helfen.

Mit dem Modellprojekt „Bridge the Gap“ können Lehramtsstudierende bereits Schülerinnen und Schülern helfen, Lernlücken zu schließen. Anschließend soll das Programm Hinweise für Förderprojekte in und nach den Sommerferien liefern, so das Kultusministerium. „Die Zeit drängt, daher beginnen wir schon jetzt mit den Förderprogrammen der Schülerinnen und Schüler“, sagt Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Hinzu komme das Programm „Rückenwind“, das aus den zur Verfügung gestellten Bundesmitteln finanziert werden soll. Der Plan sei, dass dabei zusätzliche Lehrkräfte unterstützen.

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Die bisherigen Konzepte für Unterricht und Infektionsschutz hätten sich grundsätzlich bewährt, so das Ministerium. Daher seien sie im Falle einer vierten Welle auch eine Option. Ausgestattet seien Schüler und Lehrkräfte bereits mit zahlreichen digitalen Endgeräten, die durch den „DigitalPakt Schule“ beschafft worden sind. Rund 165 Millionen Euro standen hierfür zur Verfügung.

Bayern

Mit „Gemeinsam.Brücken.bauen“ ist auch im Freistaat Bayern bereits ein Förderprogramm aktiv. Dieses soll auch in den Sommerferien sowie im kommenden Schuljahr weiterlaufen. Unter anderem soll das Geld in zusätzliches Personal investiert werden, wodurch etwa Kurse am Nachmittag angeboten werden. Der Fokus liege dabei – je nach Schulart – auf den Kernfächern wie Deutsch, Mathematik oder den Fremdsprachen. Wo nötig, sollen auch Lern- und Arbeitsstrategien vermittelt werden.

„Es kommt mir in den kommenden Monaten vor allem auf zwei Bereiche an: Förderung des Lernens und Unterstützung der sozialen Kompetenzen“, sagt Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) auf RND-Anfrage. Daher freue es ihn, dass die Mittel vom Bund verfügbar sind, zusätzlich zum bayerischen Anteil. Das Förderprogramm sei für die Schülerinnen und Schüler freiwillig, die Lehrkräfte würden sie darüber jedoch ausführlich informieren.

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Obwohl der Unterrichtsbetrieb vom Infektionsgeschehen abhängig bliebe, sei das Ziel, im neuen Schuljahr komplett Präsenzunterricht anzubieten. Dies soll möglich werden durch eine hohe Impfquote in der Gesamtbevölkerung, Hygienemaßnahmen und mobile Luftreinigungsgeräte, die die Kommunen mit einem 37-Millionen-Euro-Programm angeschafft haben. In Bayern wurde zudem ein „Sonderbudget Leihgeräte“ mit zunächst 77,8 Millionen Euro an Bundesmitteln eingerichtet. Dieses ermögliche die Ausleihe von mobilen Endgeräten.

Berlin

Die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Sandra Scheeres (SPD), hat Anfang Juni das Aufholprogramm „Stark trotz Corona“ vorgestellt. 64 Millionen Euro sollen Kindern und Jugendlichen aus Bundesmitteln zusätzlich zugutekommen. 44 Millionen davon werden für den Abbau von Lernrückständen investiert, 3 Millionen fließen in das Programm „Jugendarbeit stärken“, 9 Millionen in die „Begleitung und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in Schule und Alltag durch Sozialarbeit“. Rund 8 Millionen werden zudem für das Programm „Frühkindliche Bildung fördern“ genutzt.

Jede Schule soll ein eigenes Schulbudget erhalten, das sie etwa in Lerncoaching, Mentoring, digitale Tools investieren können. „Wir haben viel Arbeit vor uns, es gibt in allen Bereichen viel aufzuholen. Wir blicken mit Optimismus nach vorn“, sagt Scheeres.

Brandenburg

Für die nächsten beiden Schuljahre werden in Brandenburg 68,7 Millionen Euro zur Verfügung stehen, um Lernrückstände aufzuholen, verstärkte sozialpädagogische Unterstützung für Kinder und Jugendliche bereitzustellen und Ferien- und Freizeitangebote zu verbessern. Davon stammen 38,7 Millionen Euro aus dem Aktionsprogramm des Bundes „Aufholen nach Corona“ – womit ausschließlich außerschulische Aktivitäten gefördert werden, heißt es aus dem Ministerium für Bildung. Weitere 30 Millionen Euro stelle das Land Brandenburg aus dem Corona-Rettungsschirm bereit.

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„Das ist eine Menge Geld, das wir sinnvoll für unsere Kinder und Jugendlichen in Brandenburg einsetzen werden. Kinder, Jugendliche und ihre Familien haben während der letzten Monate teilweise harte Einschränkungen hinnehmen müssen“, sagt Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Bei Lernrückständen und psychosozialen Problemen wolle man sie nun unterstützen.

Bremen

Bezogen auf den digital gestützten Unterricht hat Bremen nach eigenen Angaben bundesweit eine Vorreiterrolle übernommen. Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler hätten in diesem Bereich vielfältige neue Kompetenzen erworben. Trotzdem hätten die Corona-Einschränkungen viel Kraft, Mut und Ressourcen gekostet, heißt es aus dem Kultusministerium. Vor allem für die Kinder und Jugendlichen sei dies mit gravierenden negativen Folgen verbunden. Um dem zu begegnen, plant das Land eine Strategie mit dem Titel „Bremens Schüler:innen stärken – Maßnahmen zur Kompensation von Bildungsverlusten“.

Dabei soll der Fokus auf den Bildungsplänen liegen sowie auf Schüler, die am stärksten von Lernlücken betroffen sind oder die sich in Übergangs- und Prüfungsjahrgängen befinden. Auch soziale Ungleichheit soll bei den Förderungen im Mittelpunkt stehen, als auch außerfachliche Aspekte, wie pandemiebedingte psychoemotionale Belastungen. Zudem soll es in den Ferienzeiten Angebote für die Kinder und Jugendlichen geben, wie Schwimmkurse, Fahrradtrainings oder auch Kompensationsmaßnahmen.

Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen sollen von den bereitgestellten Bundesmitteln rund 215 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Den gleichen Betrag wolle zudem das Land zusteuern, heißt es vom Kultusministerium. Um das Geld sinnvoll für eine ganzheitliche Förderung der Schülerinnen und Schüler einzusetzen, arbeite die Landesregierung derzeit an Konzepten.

Eine Grundlage hierfür sei das Förderprogramm „Extra-Zeit zum Lernen“, das in den Sommerferien 2020 aufgelegt wurde und bis zum Sommer 2022 mit 36 Millionen Euro gefördert werde. Dieses Programm soll flexibel gestaltet werden, sodass beispielsweise Bildungsangebote an Wochenenden möglich sind. „Es ist in den nächsten Monaten ganz entscheidend, dass die Schülerinnen und Schüler, die besonders unter der Pandemie gelitten haben, bestmöglich und individuell unterstützt werden“, sagt Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) dem RND. Dazu gehöre nicht nur, Wissenslücken zu identifizieren und zu schließen, sondern auch soziale Kompetenzen zu stärken, feste Strukturen und Bewegungsangebote.

NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) will vor allem Kinder und Jugendliche unterstützen, die „besonders unter der Pandemie gelitten haben“. © Quelle: imago images/Political-Moments

Digital seien die Schulen laut Bildungsministerium bereits gut aufgestellt: Die Regierung legte im Sommer 2020 die bis dahin größte digitale Förderoffensive zur Ausstattung mit digitalen Endgeräten auf. 97 Prozent des Budgets (255 Millionen Euro) seien bereits beantragt worden.

Rheinland-Pfalz

Aus dem Bundesprogramm entfallen 63 Millionen Euro auf Rheinland-Pfalz, 80 Millionen steuert das Land nach eigenen Angaben bei. 49 Millionen Euro sollen für den Abbau von Lernrückständen investiert werden. Dazu gehören unter anderem additive Lernangebote, Feriensprachkurse und qualifizierte Hausaufgabenhilfe. Rund 14 Millionen Euro seien für Ferienfreizeiten und Ferienbetreuung verfügbar sowie für die Begleitung und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen im Alltag und in der Schule.

„Für Kinder und Jugendliche war die Zeit der Pandemie nicht einfach. Sie mussten in den vergangenen 15 Monaten auf vieles verzichten, und viele haben sehr gelitten“, sagt Kultusministerin Stefanie Hubig (SPD) dem RND. In Kitas und Schulen sollen die Schülerinnen und Schüler daher von Angeboten profitieren sowie in ihrer Freizeit und in den Ferien. Diese seien für Individuen und Gruppen geplant. „Darüber hinaus stärken wir die Sozialarbeit und stellen unseren Schulen mehr Vertretungskräfte sowie FSJler zur Verfügung“, so Hubig.

Saarland

Auch das Bildungsministerium im Saarland hat für das nächste Schuljahr ein Maßnahmenpaket geschnürt, um die Krisenfolgen für Schülerinnen und Schüler zu bewältigen. Mit 11,5 Millionen Euro vom Bund sowie einem eigenen Anteil von 16,5 Millionen Euro stehen für 2021 und 2022 rund 28 Millionen Euro für Förderprojekte an Schulen zur Verfügung. Das entsprechende Programm soll bereits vor den Sommerferien eingesetzt werden. Der Hauptfokus liegt dabei auf dem Abbau von Lernrückständen in den Kernfächern. Auch die Bewältigung der sozial-emotionalen Krisenfolgen für Kinder und Jugendliche ist Schwerpunkt.

Bereits für das laufende Schuljahr hat das Ministerium nach eigenen Angaben rund 200 zusätzliche Lehrerkräfte beschäftigt. Mit dem kommenden Schuljahr soll diese Zahl verdoppelt werden. Während und außerhalb der Schulzeit sollen diese tätig werden. Zudem könnten pädagogische Fachkräfte, (Lehramts-)Studierende, Lernpaten und Honorarkräfte finanziert werden.

„Die Folgen dieser Pandemie werden nicht in Wochen oder Monaten zu überwinden sein“, sagte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) auf RND-Anfrage. Es gehöre zu den großen postpandemischen Herausforderungen, den Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass die Verantwortlichen ihre Belange ernst nehmen, ihnen zuhören, sie fördern und Zukunftsperspektiven sichern. „Wir brauchen eine Verstetigung der Mittel des Bundes“, betont sie.

Hessen

Das Land Hessen hat bereits rund 45 Millionen Euro in Luftsysteme, CO₂-Ampeln und mobile Luftreinigungsgeräte investiert. Aktuell stehen an Landesmitteln für bauliche Maßnahmen noch rund 30 Millionen Euro zur Verfügung. Zusätzlich hat der Bund nun die Förderung stationärer raumlufttechnischer Anlagen in Klassenräumen zugesagt, heißt es aus dem Kultusministerium.

Ferner wolle man sich im kommenden „Schuljahr des Aufholens“ nicht auf fachliche Inhalte beschränken. Auch psychosoziale Aspekte sollen im Mittelpunkt stehen sowie Phänomene wie Bewegungsmangel und fehlende soziale Kontakte. Die Lehrkräfte sollten in diesen Bereichen fortgebildet werden.

Aus den Bundesmitteln des „Aufholen nach Corona“-Programms erhält Hessen rund 75 Millionen Euro. Mit diesem Geld sollen vor allem Lernrückstände in den Kernfächern abgebaut werden. Mit dem Förderprogramm „Löwenstark“ wolle man sich den Herausforderungen stellen. Unterstützung sollen Kinder und Jugendliche sowie Schulen und Kollegien dabei von Studierenden, pensionierten Lehrkräften sowie Fachpersonal von Stiftungen, Vereinen und Bildungsträgern bekommen. Darüber hinaus leisten engagierte Bürgerinnen und Bürger Unterstützung, unter anderem als Lesepaten, so der Plan.

Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern stehen aus dem Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“ in den Jahren 2021 und 2022 rund 19 Millionen Euro allein für die Lernförderung zur Verfügung. Die Landesregierung finanziere „mindestens noch einmal die gleiche Summe“, um Lern- und Förderangebote sowie außerschulische Angebote für Schülerinnen und Schüler anzubieten. „Stark machen und Anschluss sichern“ lautet das Programm hierfür in Mecklenburg-Vorpommern zur Förderung, Stärkung und Begleitung der Kinder und Jugendlichen.

„Wir wollen Schülerinnen und Schüler bestmöglich unterstützen, damit sie gut in den geregelten Schulbetrieb zurückfinden und ihre Bildungsziele erreichen können“, betonte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD). Einige der Lern- und Förderangebote stünden bereits zur Verfügung. Außerdem soll es außerschulische Angebote in den Sommerferien geben.

Niedersachsen

Niedersachsens Kultusministerium arbeite derzeit noch an Konzepten, heißt es. Ziel sei, den Schulen eine Unterstützung anzubieten, die an den Bedarf der Schülerschaft und an die Bedingungen vor Ort angepasst ist. Die Ausgangslage der Schülerinnen und Schüler werde als differenziert eingeschätzt, sodass die Schulen Handlungsspielräume benötigten. Im Unterricht, aber auch unterrichtsbegleitend, soll die Förderung individuell gestaltet werden.

Die Lehrkräfte sollen zu Beginn des nächsten Schuljahres die jeweilige Ausgangslage feststellen. Diese soll als Basis für anschließende Unterstützungsprojekte dienen. Dafür will das Land Hinweise in Form eines E-Books bereitstellen. Für einen bedarfsgerechten Unterricht hat das Land bereits vor den Ferien die Stundentafel flexibilisiert sowie ein Corona-Kompensationskonzept integriert. In der weiteren Programmentwicklung wolle das Ministerium zudem bildungsbenachteiligte Schülerinnen und Schüler verstärkt fokussieren. „Wir sind uns dessen unbenommen bewusst, dass der sozialen Ungleichheit starke Beachtung geschenkt werden muss“, so ein Sprecher des niedersächsischen Kultusministeriums zum RND.

Im Falle eines erneuten Lockdowns wolle man erneut auf die bewährte Strategie setzen, die aus Testen, Impfen, Maske tragen und Lüften besteht. Die Hygienemaßnahmen könnten angepasst und erweitert werden, wenn sich neue Erkenntnisse abbilden. Laut dem Sprecher würde Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) dafür werben, dass sich Bund, Länder, Kommunen und Bildungsverbände an einen Tisch setzen und Vorschläge für nachhaltige, dauerhafte und strukturelle Verbesserungen bei der Finanzierung des Bildungswesens besprechen.

Sachsen

Auch der Freistaat Sachsen hat grünes Licht für das gemeinsame Corona-Aufholprogramm von Bund und Ländern gegeben. Um Lernrückstände zu beseitigen, können so Projekte in Höhe von 47,5 Millionen Euro vom Bund finanziert werden. Sachsen ergänzt das Programm mit Mitteln in gleicher Finanzhöhe. „Kinder und Jugendliche hat die Isolation durch Schulschließungen besonders hart getroffen. Mit dem Programm wollen wir sicherstellen, dass diejenigen Schülerinnen und Schüler Unterstützung bekommen, die Hilfe am dringendsten benötigen,“ so Kultusminister Christian Piwarz (CDU).

„Wichtig ist uns bei der Umsetzung der Förder- und Nachhilfeangebote, dass die Schulen eigenverantwortlich über deren Ausgestaltung und die Zusammenarbeit mit Partnern entscheiden können. Sie kennen am besten die Bedarfe und Kooperationsmöglichkeiten vor Ort“, so Piwarz weiter. Auch ein Ausbau von Ganztagsangeboten sei vorgesehen. Als weitere Maßnahme soll das Angebot der Schulassistenz verstärkt werden. Über den Start der Angebote werde das Kultusministerium informieren.

Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt geht man davon aus, dass die Mittel vom Bund zwischen 25 bis 30 Millionen Euro liegen werden. Die Mittel sollen in vorhandene und neue Projekte fließen, die Planungen sind hierzu noch nicht abgeschlossen. Beim Abbau von Lernrückständen helfen sollen unter anderem tutorielle und digitale Angebote. Auch Studierende und pensionierte Lehrkräfte sollen mit eingebunden werden. Kooperationen mit externen Nachhilfeanbietern wolle man zudem ausbauen, heißt es. Durch weitere externe Partner (Kultureinrichtungen, Vereine, Initiativen) sollen zusätzliche schulische Bildungsangebote vorgehalten werden.

Auch Ferienangebote sind geplant: Gemeinsam mit den Jugendherbergen und den Volkshochschulen des Landes sollen für die kommenden Ferienzeiten (Sommer, Herbst, Winter) Kurse zum Abbau von Lernstandsrückständen angeboten werden. Dabei stehe der Vormittag für pädagogische Zwecke und der Nachmittag für Freizeit und Betreuung zur Verfügung.

Schleswig-Holstein

Wer in Schleswig-Holstein in den Sommerferien die Schulbank drückt, stellt sich einem Förderprogramm namens „Lernchancen.SH“: Es richtet sich laut Bildungsministerin Karin Prien (CDU) vor allem an lernschwächere Schülerinnen und Schüler sowie an diejenigen, die im kommenden Schuljahr 2021/2022 vor einem Abschluss oder dem Übergang auf eine andere Schule stehen. „Nach den guten Erfahrungen im vergangenen Sommer werden wir wieder viele Akteure einbinden: Künstlerinnen und Künstler, Kunstvermittlerinnen und -vermittler, Sportvereine und private Nachhilfeanbieter“, sagte die Ministerin.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) ist zufrieden mit dem 2-Milliarden-Förderpaket des Bundes. © Quelle: Axel Heimken/dpa

2 Milliarden für das Aufholen von Lernrückständen, die Schulsozialarbeit und außerschulische Angebote: „Das ist ein starkes Paket, das Kindern und Jugendlichen helfen wird, die Auswirkungen der Pandemie besser zu meistern“, betont Prien.

Thüringen

In Thüringen hingegen befinde man sich noch im „Planungsprozess“, heißt es aus dem Bildungsministerium in Erfurt. Um das Aufholprogramm des Bundes umzusetzen, stimme sich das Ministerium derzeit noch unter anderem mit den Schulämtern und dem Lehrerfortbildungsinstitut ab. So viel vorab: Schon in den Ende Juli beginnenden Sommerferien sollen „bildungsunterstützende“ Ferienkurse stattfinden, so eine Ministeriumssprecherin – ob Sport, Musik oder Naturwissenschaft.

Jeweils eine Woche lang sollen Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit bekommen, sich wieder an feste Tagesstrukturen zu gewöhnen. Gleichzeitig soll damit ein Angebot geschaffen werden, sich gemeinsam zu bewegen und kreativ zu werden. „Die Kursangebote sind freiwillig und kostenfrei“, erklärt die Sprecherin. An der Umsetzung des Programms beteiligen sich demnach unter anderem Studierende, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie ehemalige Lehrkräfte.

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