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„Wir suchen dich“: Wie bewerbe ich mich auf eine Du-Stellenanzeige?

Immer häufiger werden Bewerber von Unternehmen in den Stellenanzeigen geduzt – und nicht selten damit verunsichert.

Immer häufiger werden Bewerber von Unternehmen in den Stellenanzeigen geduzt – und nicht selten damit verunsichert.

Köln. Heutzutage sind Stellenanzeigen oftmals in Du-Form geschrieben. Viele Karriereberater weisen außerdem darauf hin, dass hinter der lockeren Du-Form der Hinweis stecken könnte, dass die Verdienstmöglichkeiten eher bescheiden sind. Oder dass es sich um die Arbeit im Großraumbüro ohne festen Arbeitsplatz handelt.

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Um das herauszufinden, muss man erst einmal angemessen auf die Stellenanzeige reagieren. Doch sollte man die lockere Ansprache im Anschreiben aufgreifen? Schießt man sich ins Abseits, wenn man in den Bewerbungsunterlagen siezt?

„Das Du unter Kollegen ist laut Statistik in 70 Prozent aller Büros an der Tagesordnung“, sagt Bernd Slaghuis, Karriere- und Business-Coach in Köln. Doch bei dem Du in der Stellenanzeige würden viele ins Grübeln kommen. „Im schlimmsten Fall lassen sie die Bewerbung ganz bleiben. Oder sie formulieren ein Anschreiben, das geschickt die Du-Sie-Problematik umgeht“, weiß Slaghuis aus Erfahrung. Dann würde man es mit einem unverfänglichen „Hallo!“ oder „Guten Tag!“ als Einstieg versuchen.

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Keine gute Idee, findet Slaghuis. Denn: „Ein Unternehmen, das sich entscheidet, seinen neuen Mitarbeiter bereits vor dem ersten persönlichen Handschlag zu duzen, sendet aus meiner Sicht das Signal aus ,Wir möchten mit dir auf Augenhöhe sein!‘.“

Würde ein Arbeitgeber meinen, er könne erwachsene Menschen als Bewerber selbstverständlich duzen, selbst aber mit Sie angesprochen werden – wäre das diskriminierend „und alles andere als Augenhöhe“. Mit dieser Perspektive sieht Slaghuis zwei Möglichkeiten, gut und angemessen auf Du-Stellenanzeigen zu antworten.

Auf Augenhöhe bleiben

Erstens: Wer als Bewerber geduzt wird, der darf auch beim Anschreiben duzen. „Denn entscheidet sich ein Arbeitgeber heute für das Du in der Stellenanzeige, dann ist es eine Einladung, auf Augenhöhe per Du zu antworten.“ Dazu gehöre auch, den Empfänger in der Anrede mit seinem Vornamen anzusprechen und die persönlichen Du-Formen auch im Text des Anschreibens gezielt einzusetzen.

Es gebe allerdings auch Ausnahmen, räumt der Coach ein: So sei das Sie angebracht, „wenn es bei der Stellenanzeige um ein Praktikum geht oder um andere Positionen, von denen sich ausschließlich Schüler und Jugendliche angesprochen fühlen sollen“. Hier helfe ein Blick in die anderen Stellenausschreibungen des Unternehmens: Wird immer geduzt? „Falls nicht, dann lieber doch auf Nummer sicher per Sie bewerben.“ Bewerberinnen und Bewerbern, die den Eindruck haben, sich mit dem Du im Anschreiben stark verbiegen zu müssen, rät Slaghuis zur zweiten Möglichkeit: das Problem ansprechen.

Authentisch sein

„Ich finde es wichtig, als Bewerber authentisch zu bleiben“, sagt er. Statt das angebotene Du einfach zu ignorieren oder sich dazu zu zwingen, sollte man das Thema im Anschreiben ansprechen – so bleibe man auf Augenhöhe. Sein Tipp: Das Anschreiben wie gewohnt in der Sie-Form formulieren und am Ende schreiben, dass man sich auf das Vorstellungsgespräch freut „mit der Aussicht, beim persönlichen Kennenlernen gerne zum Du zu wechseln“.

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Oder formuliere im Anschreiben, dass das Du in der Stellenanzeige zwar aufgefallen sei, man sich jedoch zumindest für den ersten Schritt der Kontaktaufnahme mit dem Sie wohler fühlt. Bei beiden Varianten würden die Bewerber zeigen, dass sie sich Gedanken gemacht haben und sagen, was ihnen wichtig ist.

Passt die Du-Kultur?

Generell rät Karriere- und Business-Coach Slaghuis dazu, sich die Frage zu beantworten, ob man mit seiner Persönlichkeit überhaupt in ein Unternehmen passt, das eine Du-Kultur pflegt – oder ob es vielleicht wichtig ist, aus Erfahrung „mehr Distanz zum Chef oder den Kollegen zu wahren“.

Bevor man sich also Gedanken über das Du oder Sie in der Bewerbung macht, sollte man einen Schritt zurücktreten und sich fragen, ob das Unternehmen und das tägliche Arbeitsumfeld überhaupt zu einem passen.

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