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Per Videocall zum Ausbildungsplatz: So meistern Jugendliche das virtuelle Vorstellungsgespräch

  • In Zeiten von Social Distancing wird verstärkt auf digitale Vorstellungsgespräche gesetzt.
  • Was in vielen Betrieben bereits Normalität ist, wird nun auch bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen genutzt.
  • Experten erklären, wie sich Jugendliche mit ihren Eltern optimal auf die neue Situation vorbereiten.
Anja Schreiber
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Digitale Vorstellungsgespräche: Für viele Erwachsene sind sie in Zeiten der Pandemie zum Alltag geworden. Doch auch Schüler und Schulabgänger werden immer öfter per Videocall interviewt. Bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz ist das für die Jugendlichen und ihre Eltern eine neue Herausforderung.

Enrico Jäkel, Berufsberater bei der Arbeitsagentur Stuttgart, sagt: „Die großen Betriebe setzen vermehrt auf Videokonferenzen.“ Bei kleineren und mittleren Betrieben sei das noch nicht der Fall. Er erkennt aber insgesamt einen Trend zum virtuellen Interview.

Kontaktlos: Videogespräche werden in der Corona-Zeit beliebter

Mohamed Hekal ist bei der Industrie- und Handelskammer Berlin für die Personalauswahl zuständig und damit für Bewerbungsverfahren: „Wir haben in den vergangenen Monaten nur digitale Auswahlgespräche geführt – auch für die Besetzung von Ausbildungsplätzen.“ Hekal sieht ebenfalls eine Entwicklung zu mehr und neuen Onlineformaten: „Wir als IHK haben zum Beispiel im August eine digitale Messe veranstaltet. Auf ihr konnten Firmenvertreter und an einer Ausbildung Interessierte virtuelle Gespräche führen.“

In Zeiten der Pandemie haben Vorstellungsgespräche per Video einen entscheidenden Vorteil: persönliche Kontakte entfallen. Dabei sind die technischen Hürden gering. Dennoch kann die Technik zum Problem werden, weil sich nicht jeder Bewerber schon mit Videokonferenzanwendungen auskennt. Deshalb empfiehlt Jäkel Jugendlichen, sich einen Account zu erstellen und mit Freunden oder der Familie eine Konferenz zu proben. Denn so lässt sich nicht nur herausfinden, ob das WLAN stabil ist, sondern auch, ob das Mikrofon und die Kamera einwandfrei funktionieren. Außerdem können sich die jugendlichen Bewerber damit vertraut machen, wie sich zum Beispiel die Ton- und Videofunktion aktivieren lässt.

Eltern sollten Situation mit Kindern proben

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Hekal rät Eltern, sich in die Vorbereitung des Videocalls einzuschalten und gemeinsam mit ihrem Nachwuchs eine Checkliste zur Vorbereitung des Vorstellungsgespräches anzulegen. So lassen sich verschiedene Fragen abarbeiten wie etwa, ob die technische Ausstattung ausreicht oder zusätzliches technisches Equipment benötigt wird. Grundsätzlich sollten die Jugendlichen ihr Vorstellungsgespräch vom Laptop oder vom Desktopcomputer aus führen, nicht aber per Handy. Ist das nur via Handy möglich, sollten sie diese Situation vorab mit dem Unternehmen besprechen.

Eine weitere Frage sollten Jugendliche und Eltern vorab überlegen: Welcher Raum in der Wohnung ist am besten für das Gespräch geeignet? Entscheidend ist dabei, wie der Background aussieht, vor dem der künftige Azubi zu sehen ist. „Der Hintergrund sollte einigermaßen neutral und unverfänglich sein. Auf dem Bett zwischen den Plüschtieren zu sitzen ist genauso tabu wie vor Postern mit ‚witzigen‘ Motivsprüchen oder politischen Bekenntnissen“, betont Hekal.

Dennoch muss der Ort nicht „steril“ sein: „Etwas Persönlichkeit kann auch gerne zu sehen sein. Gerade das macht die ganze Situation etwas lockerer.“ Außerdem darf das Licht von draußen das Kamerabild nicht beeinträchtigen. Es ist deshalb keine gute Idee, vor der Kamera direkt mit dem Rücken zum Fenster zu sitzen. Auf solche Details zu achten ist für Schüler eine große Herausforderung. Deshalb macht es Sinn, dass Erwachsene die Vorbereitung begleiten.

Technische Probleme und Störungen ausschließen

Eltern können ihren Nachwuchs auch noch in anderer Form unterstützen: „Sie sollten dafür sorgen, dass der Jugendliche ungestört in ruhiger Umgebung das Gespräch führen kann“, so Hekal. Es muss sichergestellt sein, dass der Bewerber allein im Zimmer ist und kein Geschwisterkind ins Zimmer läuft oder familiäre Hintergrundgespräche zu hören sind.

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Doch nicht nur die Vorbereitung ist wichtig, es kommt natürlich auch auf das Verhalten im Gespräch an. Deshalb betont Jäkel: „Junge Leute sollten pünktlich sein und sich etwa fünf Minuten vor der vereinbarten Zeit in die Konferenz einschalten.“ Gibt es wider Erwarten technische Probleme, empfiehlt der Berufsberater den Jugendlichen, alle Kontaktdaten wie Telefonnummern und E-Mail-Adressen parat zu haben. Denn so können sie im Notfall die Firma auch noch über einen anderen Weg erreichen. Jäkel rät außerdem den Jugendlichen, alle eingereichten Unterlagen wie den Lebenslauf und das Anschreiben auszudrucken und während des Calls vor sich liegen zu haben. So können sie noch einmal einen Blick in die Unterlagen werfen.

Angemessene Kleiderwahl ist auch beim Videocall wichtig

Auch wenn es beim virtuellen Interview spezielle Aspekte zu beachten gilt, so bleibt manches doch so wie beim herkömmlichen Vorstellungsgespräch. Hekal: „Die Jugendlichen sollten saubere, gepflegte und nicht zu auffällige Kleidung tragen, in der sie sich gleichzeitig wohlfühlen. Deswegen sind Jeans mit Hemd und Pullover sicher besser als der zu eng sitzende Konfirmationsanzug, in dem man sich verkleidet und eingezwängt fühlt.“ Von grellen Farben, zu engen oder tief ausgeschnittenen Kleidungsstücken rät er dagegen ab: „Insgesamt wäre es schön, wenn man als Interviewer bemerkt, dass die Jugendlichen das Gespräch ernst nehmen. Oftmals erkennt man dies schon an der ausgewählten Kleidung.“

Jäkel hat ebenfalls einen Tipp: Er rät Bewerbern, auch bei Videocalls Blickkontakt zu halten und interessiert in die Kamera zu blicken, statt in der Gegend herumzuschauen. Wer die verschiedenen Tipps beachtet, muss sich vor seinem ersten virtuellen Vorstellungsgespräch nicht fürchten und kann sich voll auf den Inhalt des Gespräches konzentrieren.

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Das virtuelle Bewerbungsgespräch: Tipps für Eltern

Eltern können ihre Kinder in vielfältiger Weise auf einen Videocall vorbereiten. Hier sind die wichtigsten Tipps:

  • Unterstützen Sie Ihr Kind im Vorfeld, indem Sie das technische Equipment und die Internetverbindung checken.
  • Probieren Sie mit Ihrem Kind die Videokonferenzanwendung aus.
  • Klären Sie gemeinsam mit Ihrem Nachwuchs, in welchem Raum der Videocall stattfinden soll und geben Sie Tipps für den passenden Hintergrund.
  • Sorgen Sie dafür, dass nichts und niemand Ihr Kind während des Calls stört.
  • Seien Sie auf keinen Fall während des virtuellen Vorstellungsgesprächs im selben Raum und geben Sie auch keine Regieanweisungen.
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