Berufsunfähigkeit: Wie viel Einfluss nimmt eine Covid-Erkrankung auf den Vertragsabschluss?

  • Die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit gilt nicht nur bei Experten als elementar. Doch ist der Abschluss nach einer Covid-Erkrankung problematisch?
  • „Nein“, meint Verbraucherschützer Peter Grieble. Allerdings würden die Versicherer vor Vertragsabschluss häufig abwarten, wie Erkrankung verläuft.
  • Der Fachmann rät Betroffenen, den Abschluss nach überstandener Krankheit nicht auf die lange Bank zu schieben.
Katrin Schreiter
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Stuttgart. Die Berufsunfähigkeitsversicherung – kurz BU – steht ganz oben auf der Liste, wenn Verbraucherschützer die Absicherung von wichtigen Lebensrisiken empfehlen. Immerhin kann der Verlust der eigenen Arbeitskraft große finanzielle Probleme mit sich bringen.

Das Risiko sollte nicht unterschätzt werden, warnt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Laut einer aktuellen GDV-Statistik ist jeder vierte Arbeitnehmer von Berufsunfähigkeit betroffen. Im Schnitt sind die Menschen 47 Jahre alt, wenn sie wegen einer Krankheit oder eines Unfalls aus dem Job aussteigen müssen.

Doch was bedeutet das für Covid-Erkrankte und -Genesene? Haben Menschen nach einer überstandenen Corona-Infektion größere Schwierigkeiten, eine BU-Versicherung abzuschließen? „Nein“, sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Es ist nicht schwieriger als nach einer anderen vergleichbaren Erkrankung – wie zum Beispiel bei einer klassischen Lungenentzündung. Allerdings wird sich der Versicherer die Folgeschäden der Covid-Erkrankung genau anschauen.“

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In einer akuten Krankheitsphase komme es deshalb zumeist nicht zu einem Vertragsabschluss. Fachmann Grieble: „Bei Covid-Patienten warten die Versicherer in der Regel, bis die Krankheit überstanden ist.“

Folgeschäden im Blick

Doch erhöht sich der Beitragsatz nach einer überstandenen Covid-Erkrankung? Beim Abschluss kann sich das auf den Beitrag auswirken – wenn Covid zu bleibenden Schäden geführt hat. Ohne solche Schäden sind keine Erhöhungen bekannt“, erklärt Grieble.

„Wichtig nach einer Covid-Erkrankung ist, dass man nicht annehmen soll, dass man nun keine Berufsunfähigkeitsversicherung mehr abschließen kann“, sagt Verbraucherschützer Grieble. Denn diese Versicherung zähle zu den wichtigsten Absicherungen. „Wer wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr arbeiten und somit kein Geld verdienen kann, gerät schnell in eine finanziell schwierige Lage“, weiß der Fachmann. Zwar gebe es mit der Erwerbsminderungsrente ein kleines gesetzliches Auffangnetz, doch diese Rentenzahlung würde sehr niedrig ausfallen.

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Große Preisspanne

„Das Angebot an Berufsunfähigkeitsversicherungen auf dem Markt ist sehr groß mit vielfältigen Bedingungsunterschieden. Und die Preise fallen sehr unterschiedlich aus“, sagt Verbraucherschützer Grieble. „Deshalb ist es wichtig, das individuell passende Angebot zu finden. Die Verbraucherzentralen der Länder stehen hierbei beratend zur Seite.“

Auf keinen Fall sollte man falsche Angaben machen. „Von dieser Klippe stürzt man schnell hinab“, warnt der Versicherungsexperte. Denn wer eine Erkrankung aus dem abgefragten Zeitraum verschweigt, läuft später Gefahr, seine Leistungsansprüche zu verlieren.“ Das gelte grundsätzlich – ganz unabhängig von der Corona-Pandemie. „Wird also im Antrag nach Infektionen gefragt, muss die Corona-Erkrankung unbedingt angeben werden.“ Verbraucherschützer Grieble rät, sich mit dem Hausarzt zu beraten und abzustimmen, „damit man im Antrag keine Diagnose vergisst“.

Generell empfiehlt Fachmann Grieble, die Berufsunfähigkeitsversicherung so früh wie möglich in Angriff zu nehmen. „Je jünger man ist, desto gesünder ist man in der Regel.“ Das erleichtere den Abschluss.

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Die Stiftung Warentest hat mehr als 70 Berufsunfähigkeitsversicherungen getestet, die im Ernstfall helfen. 35 der 71 getesteten Tarife bewertet Finanztest mit Sehr gut, 32 mit Gut und 4 mit Befriedigend. Viele Versicherer punkten auch durch die Flexibilität ihrer Verträge. Abrufbar ist der Test unter www.test.de/berufsunfaehigkeit.

Tarif- ist nicht gleich Zahlbeitrag

Beim Tarifvergleich rät Stiftung Warentest dazu, auf den Unterschied zwischen Tarif- und Zahlbeitrag zu achten. Diese beiden Werte werden auch als Brutto- und Nettobeitrag bezeichnet. Der Zahlbeitrag gibt an, wie viel Beitrag zu bezahlen ist. Die Versicherer ermitteln den Betrag, nachdem sie beispielsweise erwirtschaftete Überschüsse mit dem Tarifbeitrag verrechnet haben.

Konkret bedeutet das: Fallen Überschüsse weg, steigen die Kosten für die BU-Versicherung – bis auf Höhe des Tarifbeitrags. Versicherungsexperte Grieble: „Deshalb sollten Interessierte auf einen möglichst kleinen Abstand zwischen beiden Beträgen achten.“ So könne man Versicherungskosten langfristig im Rahmen halten.

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