Worauf Sie bei der Haushaltsauflösung achten sollten

  • Im Sterbefall müssen Angehörige die Wohnung ihres Familienmitglieds auflösen.
  • Mit der Haushaltsauflösung können auch Unternehmen beauftragt werden.
  • Um Betrug zu vermeiden, sollte man auf den Entsorgernachweis und ein schriftliches Angebot achten.
Sebastian Hoff
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Köln/Bensheim. Im Laufe des Lebens sammeln die meisten Menschen viele Dinge an – Möbel und Geschirr ebenso wie persönliche Erinnerungsstücke und Kleidung. Im Todesfall oder nach einem Umzug ins Pflegeheim stellt sich Angehörigen oft die Frage: Wohin mit diesen Gegenständen? Meist werden Haus oder Wohnung entrümpelt. Der Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) gebraucht lieber eine andere Bezeichnung: „Aus Gründen der Pietät ist die Bezeichnung Haushaltsauflösung angemessener“, sagt Sprecherin Elke Herrnberger.

Wann sollte ein Unternehmen beauftragt werden?

Für Haushaltsauflösungen können Profis engagiert werden. „Die Beauftragung eines Wohnungsauflösers empfiehlt sich besonders dann, wenn der Haushalt möglichst schnell aufgelöst werden soll“, erklärt Herrnberger. Auch, wenn sich Angehörige emotional schwertun, den Nachlass einer verstorbenen Person zu entsorgen, raten Unternehmen dazu, einen professionellen Anbieter zu beauftragen. Über die wichtigsten Schritte bei einer Haushaltsauflösung informiert der BDB umfangreich auf seiner Internetseite.

Wie finden Angehörige einen passenden Dienstleister?

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Einige Bestattungsunternehmen empfehlen Firmen, mit denen ihre Kunden gute Erfahrungen gemacht haben. Im Internet präsentieren sich zudem viele Anbieter. Stefano Straberg vom Bundesverband der Entrümpler und Haushaltsauflöser (BVEH) und Inhaber der Firma von den Roten warnt allerdings vor schwarzen Schafen in der Branche: „Die Gefahr des Betrugs ist sehr hoch. Deshalb sollte man kein Angebot am Telefon annehmen. Das kann nicht seriös sein.“

Steffen Finkenwirth, Geschäftsführer der Firma die Freischaufler, rät davon ab, Bargeldzahlungen zu vereinbaren. Er weist außerdem darauf hin, dass einige Firmen Drucksituationen ausnutzen, um Nachforderungen zu stellen. Kunden sollten sich deshalb immer ein schriftliches Angebot geben lassen – am besten zu einem Festpreis, betont er. Seriöse Unternehmen haben eine Betriebshaftpflicht abgeschlossen und besitzen einen Entsorgernachweis, ergänzt Straberg. So könnten Kunden sicher sein, dass der Hausrat nicht illegal entsorgt wird.

Welche weiteren Kriterien spielen eine Rolle?

Im besten Fall kommt die Firma aus der Nähe, das spart Fahrt- und Spritkosten. Für Finkenwirth besitzen auch Ehrlichkeit und Empathie gegenüber den Kunden eine große Bedeutung: „Man sollte kein hartes Herz haben in dem Beruf.“ Vielen seiner Kunden sei zudem der Nachhaltigkeitsgedanke wichtig. „Recycling geht deshalb vor Entsorgung“, betont er.

Auch Straberg legt Wert auf Nachnutzung: „Wir verwerten, was verwertet werden kann, und versuchen, den Dingen ein zweites Leben zu geben.“ So wird vieles an Trödelhändler weitergereicht. Allerdings liege dieser Markt in Corona-Zeiten weitgehend brach, bedauert Straberg.

Wie läuft die Haushaltsauflösung ab?

Herrnberger empfiehlt Angehörigen, zuerst in Ruhe die Möbel nach Wertgegenständen zu durchsuchen sowie Gegenstände von emotionalem Wert aufzubewahren. „Füllen Sie eine Kiste mit Wertsachen, aber gehen Sie besser nicht zu oft in die Wohnung“, ergänzt Straberg. Ansonsten sei die Gefahr groß, sich von Dingen nicht trennen zu können. Anschließend sollten ein oder mehrere Haushaltsauflöser gebeten werden, eine kostenlose Vor-Ort-Besichtigung vorzunehmen. In Ausnahmefällen genüge es auch, wenn der Kunde ein Video aufnehme und der Firma zusende, erklärt Finkenwirth.

Nach Auswahl des Angebots wird ein Termin vereinbart. Im besten Fall seien die Angehörigen bei der Haushaltsauflösung nicht dabei, weil das für sie emotionalen Stress bedeuten könne und oft die Arbeiten verzögere, sagt Straberg. Die Freischaufler kooperieren mit einer bulgarischen Firma: „Die nehmen alles mit, was hier keiner mehr haben will, zum Beispiel Möbel im Stil des Gelsenkirchener Barocks“, erläutert Finkenwirth. Die restlichen Dinge werden vor Ort sortiert und anschließend entweder einer Nachnutzung zugeführt oder etwa in einer Müllverbrennungsanlage entsorgt. In der Regel genügt ein Tag, um eine Wohnung leer zu räumen.

Wie hoch sind die Kosten?

„Kein Haus, keine Wohnung ist gleich“, betont Finkenwirth. Der Preis für eine Haushaltsauflösung hänge von vielen Faktoren ab – insbesondere von der Größe der Wohnung, ihrer Lage, der Menge der Gegenstände und den Kosten für die Entsorgung, die bis zu 50 Prozent ausmachen können. Zur Ermittlung des Preises berechnet Straberg vor allem Volumen und Gewicht des Inventars. Als Hausnummer gibt er für eine Drei-Zimmer-Wohnung, die von einer alten Dame bewohnt wurde, bis zu 2000 Euro Kosten an. Erlöse, die beim Verkauf von Wertgegenständen erzielt werden, werden in der Regel vom Preis abgezogen.

Oft wird der Wert des Nachlasses von Angehörigen allerdings falsch eingeschätzt. Viele Dinge mögen eine große emotionale Bedeutung besessen haben, finden aber keine Abnehmer. Das Gleiche gilt etwa für Möbel wie rustikale Eichenschrankwände, die aus der Zeit gefallen sind. Auch vermeintlich originale Kunstwerke entpuppen sich oft als einfache Drucke. Haushaltsauflöser können deshalb viele Gegenstände nicht oder nur zu einem geringen Preis veräußern. Da der Handel damit viel Arbeitszeit benötigt, behalten sie einen großen Teil des Verkaufserlöses ein. Außerdem müssen sie bei einem gewerblichen Verkauf Steuern abführen. Profis raten deshalb in vielen Fällen dazu, dass Angehörige Wertgegenstände selbst verkaufen.

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