Gartenflair bei Minusgraden: In diesen Wintergärten können Sie das ganze Jahr draußen wohnen

  • Wintergärten erweitern die Wohnfläche – sie können gleich beim Hausbau eingeplant oder nachträglich angebaut werden.
  • Experten unterscheiden zwischen Warm- beziehungsweise Wohnwintergärten und Kaltwintergärten.
  • Welche Form für wen geeignet ist, lesen Sie hier.
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Wenn sich im Spätherbst die Sonne blicken lässt, ist es in der Regel zu kalt, um draußen zu sitzen. In einem Wintergarten können Bewohnerinnen und Bewohner ihre Wärme hingegen noch genießen. Durch die solare Einstrahlung heizt sich der Raum schnell auf, außerdem ist er lichtdurchflutet. Kein Wunder, dass sich Wintergärten hierzulande großer Beliebtheit erfreuen: Ihre Zahl beläuft sich auf rund 3,7 Millionen. Jährlich kommen etwa 50.000 neue dazu, schätzt Uwe Arndt vom Bundesverband Wintergarten.

Doch Wintergarten ist nicht gleich Wintergarten: „Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen wärmegedämmten und ungedämmten Glasanbauten“, erklärt Stephan Hettlich, Leiter der Solarlux Akademie. Warm- beziehungsweise Wohnwintergärten sind ganzjährig nutzbar, weil sie unter anderem beheizbar sind und aufgrund ihrer Bauweise gute Wärmeschutzeigenschaften besitzen. Kaltwintergärten hingegen dienen oft einige Monate lang vor allem als eine Art Gewächshaus für Pflanzen.

Außerdem gibt es Zwischenformen und eine immer größere Produktpalette. Angeboten werden Anlehnungswintergärten an bestehende Häuser, freistehende Wintergärten, Ausführungen als Pultdach, Satteldach oder Flachdach – teilweise mit begrünten Dächern oder Lichteinsätzen wie Glaspyramiden, zählt Franz Wurm vom Wintergarten Fachverband auf. Als Materialien werden Kunststoff, Stahl, Holz und Aluminium verwendet. Wer die Morgensonne genießen möchte, sollte den Wintergarten Richtung Osten bauen. Bei südlicher Ausrichtung ist die Sonnenausbeute am größten, bei nördlicher am niedrigsten. Zeigt der Wintergarten Richtung Westen, ist er ein idealer Platz in den Abendstunden.

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Bis zu 70 Grad: Sonnenschutz meist notwenig

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Doch ganz gleich, wie und wo der Wintergarten gebaut wird: In der Regel ist eine Baugenehmigung erforderlich. Oft müssen auch Grenzabstände eingehalten werden. Wer einen Wintergarten plant, sollte sich deshalb rechtzeitig an die zuständige Baubehörde wenden. Das geschieht ohnehin, wenn der Wintergarten schon beim Hausbau vorgesehen ist. In der Regel wird er dann so geplant, dass zu angrenzenden Räumen und zum Garten fließende und barrierefreie Übergänge bestehen. Kaltwintergärten werden hingegen oft auf bereits bestehende Terrassen gebaut und sind vom Bestandsgebäude etwa durch bodentiefe Fenster getrennt.

Die Firma Solarlux setzt für Wintergärten Schiebelemente, Schiebe-Dreh-Systeme und Glas-Faltwände ein. Bei einem Kaltwintergarten sind Glasdach und seitliche Verglasung ungedämmt. „Das Glashaus dient in erster Linie dem Schutz vor Wind und Wetter“, erklärt Hettlich. Aber selbst hier kann es an sonnigen Tagen bis zu 70 Grad heiß werden, warnt Arndt. Deshalb ist fast immer ein Sonnenschutz erforderlich – es sei denn, der Wintergarten liegt auf der nördlichen Hausseite oder er wird durch Bäume verschattet.

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Um sich vor zu starker Sonneneinstrahlung zu schützen, können zum Beispiel Markisen am Dach und an den Fenstern angebracht werden. Liegen diese außen, halten sie besonders viel Wärme ab, innenliegende Markisen sind hingegen leichter zu reinigen. Mittels moderner Technik werde der Sonnenschutz je nach Sonnenstand und Wetterlage automatisch gesteuert, erläutert Hettlich. Verglasungen mit integriertem Sonnenschutz regulieren sogar von selbst den Einfall der Sonnenstrahlung.

Für behagliche Temperaturen in der kalten Jahreszeit kann unter anderem ein Kamin sorgen. © Quelle: Solarlux

Von wegen Energieschleuder

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Belüftung: Die Luft im Wintergarten sollte jede Stunde mehrmals ausgetauscht werden. Das kann ganz einfach geschehen, indem Fenster und Türen geöffnet werden. Alternativ kommen automatische Lüftungssysteme zum Einsatz, die auf Luftfeuchtigkeit und Wärme reagieren. Ebenfalls zu beachten ist ein guter Schallschutz. Ein wirksamer Schutz gegen Einbrüche sind Fenster, Türen oder Glas-Faltwände, die mindestens Widerstandsklasse RC2 besitzen.

Wer den Wintergarten ganzjährig nutzen möchte, benötigt an kalten, trüben Tagen eine Heizquelle. Das könne ein Kamin, eine Fußbodenheizung oder eine Konvektionsheizung sein, sagt Hettlich. Wintergärten stehen im Verdacht, Energieschleudern zu sein. Bei Warmwintergärten sei aber genau das Gegenteil der Fall, betont Arndt: „Sie sind wie kleine Solarkraftwerke.“ Die dort entstehende Wärme kann sich in angrenzende Räume ausbreiten. Außerdem wirkten Wintergärten oft wie eine gläserne Schale oder Hülle und als zusätzliche Dämmung, ergänzt Hettlich: „Zu bestimmten Bedingungen ist ein Wintergarten zur Verbesserung der energetischen Effizienz auch über die KfW Bank förderbar.“

Ein Wintergarten ist sowohl bauphysikalisch als auch konstruktiv und statisch ein anspruchsvolles Produkt. Fachleute raten deshalb dringend von Eigenbauten ab, weil etwa bei Undichtigkeiten Schäden entstehen können. Auch bestehe die Gefahr von Zugluft und Schimmelbildung, warnt Hettlich. Je nach Wohnlage sollten Wintergärten zudem starke Winde oder Schneelasten aushalten können. Fachbetriebe, die etwa über die Verbände gesucht werden können, bieten individuelle Beratungen und gewähren Garantie.

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„Jeder hochwertige Wintergarten ist ein individuell geplanter Anbau“, unterstreicht Hettlich. Im Idealfall fügt er sich harmonisch in die Architektur des Hauses ein. Seine Größe sollte mindestens 15 Quadratmeter betragen, sodass er Platz für einen Tisch und sechs Stühle bietet. „Unter 20.000 Euro ist kein Wintergarten erhältlich, der qualitativ den Mindestanforderungen entspricht“, sagt Wurm.

Info: So bleibt der Wintergarten sauber

Grundsätzlich ist der Pflegeaufwand geringer, als oft gedacht. Die Fenster können, müssen aber nicht regelmäßig geputzt werden. Es gibt auch selbstreinigende Gläser, die vor allem fürs Dach sinnvoll sind, weil dort die Reinigung besonders aufwendig ist. Allerdings nutzt sich ihre Beschichtung mit den Jahren ab und muss erneuert werden. Die äußeren Aluminiumprofile, die meist verwendet werden, sollten ein- bis zweimal im Jahr gereinigt werden. Im Herbst ist es ratsam, alle Dichtungen sowie die Belüftung und Beschattung zu kontrollieren – im besten Fall durch Fachbetriebe. Schiebeelemente und Türen sollten bei Bedarf geölt werden.

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