Überfüllte Mülltonnen: Was können Mieter tun?

  • In der Corona-Pandemie werden mehr Waren über das Internet bestellt und es wird mehr zu Hause gekocht. Dadurch wird auch oft mehr Müll in den Haushalten produziert.
  • Teilweise sind die Mülltonnen schon vor dem Abholtermin überfüllt. Was tun?
  • Mieter sollten zum Thema Mülltrennung und -entsorgung ihre Rechte wie auch ihre Pflichten kennen.
|
Anzeige
Anzeige

Schon vor der Corona-Pandemie haben die Deutschen laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2018 im Schnitt 455 Kilogramm Müll pro Person produziert. Der größte Anteil davon mit 157 Kilogramm entfiel auf den regulären Hausmüll, Wertstoffe wie Plastik und Metall kommen auf 146 Kilogramm, der Bioabfall auf 120 Kilogramm.

Es ist anzunehmen, dass die Bilanz für das Corona-Jahr 2020 nicht geringer ausfallen wird. Denn mit Homeoffice und Homeschooling fällt auch mehr Abfall zu Hause an. Das kann für viele Menschen in einer Mietgemeinschaft eine große Herausforderung sein: Die Mülltonnen können schneller vollgestopft sein, als es vielen Hausbewohnern lieb ist. Doch welche Rechte haben Mieter in solchen Fällen?

Die Pandemie und wir. Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.
Anzeige

Mülltrennung und –entsorgung gesetzlich vorgeschrieben

Generell muss ein Haushalt seinen Abfall entsorgen und dabei auch trennen. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) verpflichtet zur Trennung von Bioabfällen (§11) und von Papier-, Metall-, Kunststoff- und Glasabfällen (§14). Welche und wie viele Tonnen in der jeweiligen Kommune dafür zur Verfügung stehen, wird von den Städten und Gemeinden in der Abfallsatzung festgelegt. Über den sogenannten Abfallkalender werden die entsprechenden Abfuhrtermine für die einzelnen Tonnen festgelegt.

Wer zahlt die Müllgebühren?

Anzeige

Die Kosten für die regelmäßige Entsorgung des Mülls zahlt zunächst der Vermieter, der diese dann über die Nebenkostenabrechnung an die Mieter weiterreicht. Ebenso ist der Vermieter dafür verantwortlich, dass das Mietshaus über alle von der Abfallsatzung festgelegten Mülltonnen verfügt – er muss diese bereitstellen.

Das Volumen der Tonnen sollte der Personenzahl im Haus/Hausgemeinschaft entsprechend angepasst sein. Eine kleine Tonne mag für einen Singlehaushalt über Wochen die richtige Einheit sein, für einen Vier- bis Fünfpersonenhaushalt jedoch weniger.

Welche Tonne muss es sein?

Auf der anderen Seite darf ein Mieter den Vermieter ebenso bitten, kleinere Tonnen bereitzustellen, wenn die vorhandenen zu groß sind – auch dies spart Kosten. Denn die Müllgebühren hängen unter anderem mit der Müllmenge, Größe und Anzahl der Tonnen und oftmals auch mit der Anzahl der Entleerungen zusammen.

Ein Anspruch auf kleinere Tonnen besteht aber nicht, laut dem Betriebskostenexperte des Berliner Mietervereins, Michael Roggenbrodt. Jedoch müsse der Vermieter im Rahmen des Wirtschaftlichkeitsgebotes darauf achten, ein offensichtliches Missverhältnis von Bedarf und Gefäßgröße zu vermeiden.

Sollte es aber zu regelmäßigen überfüllten Tonnen vor dem Abfuhrtermin kommen, sollten Mieter mit dem Vermieter sprechen und die Größe der Tonnen ändern. Keine Lösung ist es dagegen, den Müll mit Gewalt in die Tonne zu drücken. Denn dann könnte die Tonne sogar vom lokalen Entsorgungsunternehmen voll stehen gelassen werden, da diese sich wegen des stark gepressten Abfalls nicht leeren lässt.

Anzeige
Video
Müll trennen – wie ist es richtig?
1:33 min
Papier oder Restmüll? Mülltrennung gehört für jeden schon zum Alltag – nur die richtige Tonne zu finden, ist manchmal gar nicht so einfach.

Zusatzmüllsäcke von der Kommune

Überfüllte Tonnen können aber auch nur ein temporäres Problem darstellen. Dann sollten Mieter sich bei der Gemeinde erkundigen, wie sie dafür sorgen können, dass der Müll trotzdem abgeholt wird. Oft gibt es bei den Kommunen entsprechende zugelassene Säcke, bei denen dann die Entsorgungsgebühr bereits beim Kauf schon abgegolten ist. Den Müll wiederum einfach nur in haushaltsüblichen Müllbeuteln neben die Tonne zu stellen ist verboten.

Ständig überfüllte Mülltonnen – ein Mangel?

Ein Vermieter, der wiederum die Anfragen seiner Mieter wegen ständig überfüllter Mülltonnen ignoriert, muss am Ende damit rechnen, dass er Post vom Mieter bekommt. Dieser hat das Recht, den Mangel schriftlich mit einer Frist zur Beseitigung festzuhalten.

Was eine solche Mängelanzeige enthalten sollte, hat das Portal Immowelt einmal in einem Musterbrief aufgezeigt. Reagiert der Vermieter auch dann nicht, könnten Mieter sich beispielsweise beim Mieterbund erkundigen, inwieweit hier ein Grund für eine Mietminderung vorliegt. Das Amtsgericht Potsdam sprach einst einem Mieter unter den besagten Umständen eine Mietminderung von 5 Prozent zu (AG Potsdam, Urteil vom 9. März 1995, Az: 26 C 406/94).

Anzeige

Mieter sollten die Hausordnung beachten

Auf der anderen Seite sollten sich Mieter ebenfalls an die Vereinbarungen im Mietvertrag halten. Ist dort oder in der damit verbundenen Hausordnung genau aufgelistet, wer beispielsweise für das Rausstellen der Mülltonnen oder die Reinigung des Müllabstellplatzes verantwortlich ist, sollte das umgesetzt werden.

Wer dies kontinuierlich nicht einhält, kann am Ende vom Vermieter eine Abmahnung erhalten – schlimmstenfalls könnte sonst sogar laut den Experten von Immowelt die fristlose Kündigung drohen. Mieter sollten daher ihren Pflichten beim Thema Müll ordentlich nachkommen, um sich unnötigen Ärger zu ersparen. Das gilt im Übrigen auch für das richtige Trennen des Mülls. Wer Müll gar nicht oder falsch trennt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die, wenn die Gemeinde es mitbekommt, zu einem Bußgeld führt.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen