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Steigende Rohstoffpreise

Autarke Energieversorgung: Wie werde ich energetisch unabhängig?

Im Schnitt wird rund ein Drittel des Stroms der Photovoltaikanlage auf dem Hausdach auch im Haushalt verbraucht.

Mit einer Wärmepumpe, die von einer Fotovoltaikanlage mit Strom versorgt wird, lässt sich ein Haus weitgehend autark beheizen.

Nicht nur die weltpolitische Lage mit dem Einmarsch russischen Militärs in die Ukraine, sondern auch die Klimakrise macht immer mehr Menschen bewusst, wie abhängig sie von großen Energielieferanten, fossilen Energieimporten und schwankenden Preisen sind. Wie kann man sich davon frei machen und sich sicher mit Energie versorgen? Wie wird das Eigenheim energieautark? Und welche Möglichkeiten haben Menschen in Mietwohnungen?

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Neben Erzeugung auch Verbrauch unter die Lupe nehmen

Alexander Steinfeldt vom Verbraucherportal CO2online unterscheidet grundsätzlich zwischen den Maßnahmen, die man beim Verbrauch und bei der Erzeugung von Energie treffen kann. Der Energieverbrauch ist der erste Ansatzpunkt: Wer diesen generell verringere, mache sich schon weniger abhängig. Das Einsparungspotenzial beim Heizen und bei Strom ist nach Angaben von CO2online erheblich: Es betrage rund 10 Milliarden Euro oder 32 Terawattstunden im Jahr. Viele Maßnahmen können Verbraucherinnen und Verbraucher schon heute treffen:

  • Die Heiztemperatur senken: Jedes Grad weniger spart etwa 6 Prozent Energie. Dabei können programmierbare Thermostate helfen, die sich bei Abwesenheit oder beim Stoßlüften automatisch absenken.
  • Weniger Warmwasser verbrauchen: Mit Sparduschköpfen lässt sich der Wasserverbrauch und damit der Energieverbrauch halbieren. Es ist besser zu duschen statt zu baden und kaltes statt warmes Wasser beim Händewaschen zu nutzen.
  • Strom sparen: Vor allem bei Kühlschrank, Waschmaschine und Wäschetrockner sollten Sie auf energieeffiziente Geräte setzen. Bei Technik können Sie den Stand-by-Modus ausschalten und zur Beleuchtung nur noch LED-Lampen nutzen.
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Weitere Maßnahmen betreffen die gescheite Dämmung von Wohnungen, den Tausch von alten, ineffizienten Heizpumpen sowie den sogenannten „hydraulischen Abgleich“ von Heizungen. „Das ist die nachträgliche Einstellung einer Heizung, damit in allen Räumen die notwendige Energiemenge und Wärmemenge ankommt“, so Steinfeldt. Bei 80 Prozent der Gebäude in Deutschland sei das noch nicht passiert, obwohl es ein hohes Sparpotenzial habe: „Bis zu 15 Prozent des Energieverbrauchs können dadurch eingespart werden.“ Auch die Dämmung von Heizungsrohren sei sinnvoll.

Wechsel des Energieanbieters

Wer zusätzlich bei der Energieerzeugung ansetzen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten, die jedoch nicht für jeden Menschen, jede Wohnsituation und jeden Geldbeutel infrage kommen. Wer zu Ökostrom oder Ökogas wechsele, unterstütze Anbieter, die erneuerbare Energieanlagen aufbauen und darin investieren, sagt Steinfeldt. Derzeit einen bezahlbaren Anbieter zu finden ist jedoch schwierig. Auch ein Anschluss an die Fernwärme, bei der Wärme über Rohrleitungen von einem Kraftwerk in die Wohnung gelangt, könnte sinnvoll sein. „Meistens ist Fernwärme aber auch teuer und steht nicht überall zur Verfügung“, so Steinfeldt. „Aber Potenzial hat es.“

Auch für Menschen mit Eigenheim ist es zunächst sinnvoll, den Energieverbrauch zu reduzieren und dann zu prüfen, ob der übrige Bedarf durch erneuerbare Energien zu decken ist. Dabei wird noch einmal zwischen bereits bestehenden Häusern und Neubauten unterschieden. Bestehende Häuser müssten zunächst energetisch saniert werden, sagt Steinfeldt. „Ist die Gebäudehülle gedämmt, sind die Fenster ausgetauscht, habe ich vielleicht die Möglichkeit einer automatisierten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung?“ Auch dort sei es möglich, energieautark zu werden, auch wenn es andere Maßnahmen erfordert als bei Neubauten.

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„Jedes Gebäude ist einzigartig und muss individuell betrachtet werden“, sagt Steinfeldt. Das Ziel des Bundeswirtschafts­ministeriums ist, dass ab 2025 65 Prozent der Energieversorgung in einem neuen oder sanierten Haus von erneuerbaren Energien übernommen werden. Und das ist laut Steinfeldt auch realistisch. Nur sind eben die Gegebenheiten für jedes Haus je nach Standort unterschiedlich, sodass es keine Musterlösung für die (möglichst) autarke Energieversorgung geben kann.

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Strom und Wärme erzeugen: verschiedene Möglichkeiten

Wenn von erneuerbaren Energiesystemen die Rede ist, werde häufig der Fokus auf die Stromwende gelegt – die Wärmewende allerdings vergessen. Dabei ist diese laut dem Diplom-Physiker Johannes Spruth unbedingt nötig. Der langjährige Energieberater der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat den Ratgeber „Strom und Wärme – Wege zum energieautarken Haus“ der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geschrieben. Darin wird von drei unterschiedlichen Beispielfamilien der Energieverbrauch berechnet und der Einbau von verschiedenen Energiesystemen, deren Vor- und Nachteile sowie Kosten und Voraussetzungen übersichtlich erläutert. So können sich Hauseigentümerinnen und ‑eigentümer über die verschiedenen Möglichkeiten informieren. Der Ratgeber ist über die Website der Verbraucherzentrale erhältlich und kostet 19,90 Euro.

Eine der derzeit beliebtesten Technologien für die energieautarke Wärmegewinnung sind Wärmepumpen. Bei Neubauten hat sich die Wärmepumpe als Heizsystem bereits durchgesetzt – rund 40 Prozent der Neubauten sind damit ausgestattet. Vereinfacht gesagt wird dabei der Umgebung Wärme entzogen – aus der Luft, aus Wasser oder aus dem Erdreich. Mithilfe der Wärmepumpe wird die Umgebungswärme unter Stromeinsatz auf ein höheres Temperaturniveau gebracht und anschließend im Wohnraum verteilt. Es gibt drei verschiedene Arten von Wärmepumpen, die mit unterschiedlichen Kosten und Aufwand verbunden sind. Ihre Installation wird mit bis zu 50 Prozent staatlich unterstützt. Kombiniert mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach kann man mit einer Wärmepumpe schon relativ energieautark heizen.

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Auch Holzheizungen wie Holzpelletanlagen oder Holzpelletkessel werden als erneuerbare Energiesysteme genutzt und derzeit staatlich gefördert. Dabei werden Pellets verbrannt, die aus Sägewerksresten mit hohem Druck gepresst und durch das holzeigene Bindemittel Lignin ohne weitere Zusätze zusammengehalten werden. „Wenn alle mit Holzpellets heizen würden, dann hätten wir natürlich auch ein Problem, was die Versorgung angeht“, so Steinfeldt. Außerdem müsse man darauf achten, dass das Holz der Pellets nachhaltig angebaut wurde und am besten auch zertifiziert ist.

Auch der Transport sollte kurz sein sowie nachhaltig erfolgen. Oft falle diese Alternative aber allein wegen der benötigten Lagerkapazitäten für Pellets weg. Das Umweltbundesamt weist zudem auf die möglichen Schadstoffemissionen hin. Beim Bundesamt für Wirtschaft- und Ausfuhrkontrolle (Bafa) werden derzeit im Rahmen der Bundesförderung energieeffiziente Gebäude (BEG) besonders emissionsarme Pelletöfen mit einem zusätzlichen Innovationsbonus gefördert.

Viele Wege in die Energieautarkie

Weitere Technologien wie die Solarthermie eignen sich, um energieautark zu werden. Dabei werden Sonnenkollektoren eingesetzt, um die Wärme der Sonne – etwa für die Warmwasserbereitung – zu nutzen. Im Ratgeber von Spruth finden sich neben diesen Systemen noch viele weitere Ergänzungen – auch zur Möglichkeit der Kopplung von Fotovoltaik und Wärmepumpen oder Solarthermie und Wärmepumpe.

Laut Steinfeldt ist es ratsam, sich schon jetzt für die kommende Heizperiode zu wappnen und frühzeitig um eine Energieberatung zu kümmern. Aktuell hätten Energieberaterinnen und ‑berater volle Auftragsbücher. Auch Fachpersonal und Handwerkerinnen und Handwerker hätten eine gute Auftragslage – zudem komme es derzeit auch zu Lieferengpässen oder längeren Lieferzeiten.

Frühzeitig für die nächste Heizperiode vorsorgen

Die Verbraucherzentralen bieten verschiedene Angebote zur Energieberatung an: kostenlos am Telefon, in Beratungsstellen oder in Form von Onlinevorträgen. Auch ein Energiecheck direkt zu Hause ist möglich und kostet 30 Euro. Allerdings weisen die Verbraucherzentralen auf die derzeit hohe Nachfrage und langen Wartezeiten hin. In Berlin, Brandenburg, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein können die Verbraucherzentralen im Moment keine neuen Checks übernehmen.

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„Umso wichtiger ist es, selbst gut Bescheid zu wissen“, so Steinfeldt. Dabei können neben dem Ratgeber der Verbraucherzentrale NRW auch Portale wie CO2online helfen, den Energieverbrauch des eigenen Haushalts zu ermitteln und sich über die verschiedenen Energiesysteme und deren Fördermöglichkeiten von Bund und Ländern zu informieren.

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