Tiny Houses: k(l)eine Lösungen für große Probleme

  • Tiny Houses sind Häuser auf Rädern, bieten eine Wohnfläche zwischen 15 und 50 Quadratmetern und werden oft selbst gebaut.
  • Expertinnen und Experten sind sich allerdings uneins, ob die kleinen Häuser einen Beitrag dazu leisten, günstigen und klimaverträglichen Wohnraum zu schaffen.
  • Fragen und Antworten rund um Tiny Houses lesen Sie hier.
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Sie stehen für Genügsamkeit, Naturverbundenheit und Individualität: Tiny Houses. Scheinbar sind sie im Trend – zumindest gemessen an ihrer Präsenz in den Medien. Ihre tatsächliche Zahl ist in Deutschland jedoch verschwindend gering: Laut Tiny-House-Verband nimmt die Zahl dieser Kleinsthäuser jährlich um gut 500 zu. „Es ist aber ein stark wachsender Markt“, sagt die Vorsitzende Regina Schleyer. Doch kann diese Wohnform helfen, drängende Probleme auf dem Wohnungsmarkt zu lösen? Experten sind da geteilter Meinung:

Was sind Tiny Houses?

Der Tiny-House-Verband arbeitet derzeit noch an einer Definition. Seiner Ansicht nach handelt es sich grundsätzlich um eine mobile Wohnform. Das heißt: Die Häuser haben Räder und können bewegt werden. Im Allgemeinen seien darunter Gebäude mit Wohnflächen zwischen 15 und 50 Quadratmeter und einer Höhe bis zu vier Meter zu verstehen, so Schleyer. In Deutschland gibt es mehrere Dutzend Anbieter, oft werden Tiny Houses aber auch selbst gebaut.

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Wo können sie aufgestellt werden?

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Tiny Houses unterliegen in Deutschland dem normalen Baurecht. Für sie muss also ein Grundstück gefunden und eine Baugenehmigung eingeholt werden. Außerdem sind unter anderem energetische Anforderungen zu erfüllen. Anschlüsse, zum Beispiel an die Kanalisation, müssen vorhanden sein. Liegt ein Bebauungsplan und eine Gestaltungssatzung vor, müssen weitere Bestimmungen beachtet werden. „Viele Tiny Houses befinden sich aber in einer Grauzone, etwa auf Campingplätzen“, sagt Schleyer.

Was sind ihre Stärken und Schwächen?

Tiny Houses sind im Handumdrehen aufgebaut. Bodenplatte oder gar Keller sind in der Regel nicht erforderlich. Ein kleines Grundstück ist ausreichend. Die Kosten sind meist gering – auch im Unterhalt. Für mehrere Personen sind Tiny Houses jedoch kaum geeignet. Oft ist es zudem schwer, für sie eine Genehmigung zu bekommen. Sie sind nicht barrierefrei und bedeuten erhebliche Einschränkungen im Wohnkomfort, weil alle Funktionen wie Schlafen, Wohnen und Kochen auf wenige Quadratmeter beschränkt sind. „Die Reduktion muss schon Lebensphilosophie sein“, betont Schleyer.

Wie ökologisch sind Tiny Houses?

Das Verhältnis Wohnfläche zu Außenhülle sei problematisch, erläutert Julian Bischof vom Institut Wohnen und Umwelt (IWU). Tiny Houses kühlen besonders leicht aus beziehungsweise heizen sich schnell auf. Andererseits besitzen die kleinen Häuser weniger Wohnfläche pro Person als im Bundesdurchschnitt, der 2020 bei rund 47 Quadratmeter lag.

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Das heißt: Es werden vergleichsweise wenige Baustoffe benötigt. Besonders wenig graue Energie fällt an, wenn die Häuser aus Holz gebaut sind. Eine gute Dämmung etwa mit nachwachsenden Rohstoffen sowie eine autarke Energieversorgung zum Beispiel mit Luft-Wärme-Pumpen und Fotovoltaikanlage senken den CO₂-Fußabdruck zusätzlich.

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Ein Dorf im Miniaturformat: Tiny Houses im Fichtelgebirge
1:31 min
Ein Bauwagen à la Peter Lustig oder ein skandinavisches Holzhaus: Im Fichtelgebirge entsteht eine ganze Siedlung aus unterschiedlichen winzigen Häuschen.  © dpa

Einige auf dem Markt angebotene Modelle seien aber wegen unökologischer Baustoffe bedenklich, kritisiert Hans Mönninghoff von der ecovillage hannover e G, die in Hannover eine Tiny-Living-Siedlung realisiert. Da die Dämmstärken begrenzt seien, emittierten Tiny Houses außerdem „zirka viermal so viel CO₂ wie eine gleich große Wohnung in einem kompakten mehrgeschossigen Haus in Passivhausbauweise.“ Werden die Häuser nur wenige Jahre bewohnt, wirkt sich das ebenfalls schlecht auf ihre Klimabilanz aus. Zu bedenken ist auch: Wer im Tiny House auf der grünen Wiese wohnt, fährt möglicherweise besonders viel Auto und belastet damit die Umwelt.

Können sie das Problem fehlenden Baulands lindern?

Das kommt darauf an, sagt Bischof: „Ihre Stärken können sie insbesondere in urbanen Hinterhöfen und Gärten ausspielen, in denen eine andere Form der Nachverdichtung nicht infrage kommt.“ In Berlin zum Beispiel werden sie auf Gebäudedächer gesetzt. Den gegenteiligen Effekt bewirken Tiny Houses, wenn sie auf Flächen gestellt werden, die dichter bebaut werden könnten, und wenn Grundstücke neu erschlossen werden müssen. Eine weitaus bessere Alternative sind dann zum Beispiel Mehrfamilienhäuser mit kleinen Wohnungen oder Mikroappartements.

Inwieweit tragen sie zur Entlastung auf dem Wohnungsmarkt bei?

Bei Tiny Houses handelt es sich um eine Nischenwohnform, die nur für wenige Menschen infrage kommt. Insbesondere zur Nachverdichtung eigneten sie sich wenig, kritisiert Bernd Kniess von der HafenCity Universität Hamburg. Schließlich könne nicht jeder sein kleines Häuschen auf Rädern in der Stadt parken.

Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), ist hingegen der Ansicht, dass von Tiny Houses positive Impulse ausgingen, was optimierte Grundrisse, einen geringen Flächenverbrauch und die Verwendung nachhaltiger Baumaterialien anbelange: „Sie können damit auch ein Vorbild für den Wohnungsbau insgesamt sein, der ebenfalls schneller und noch umweltfreundlicher werden und gleichzeitig für alle Menschen bezahlbar sein muss.“

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