Stiftung Warentest rät: Reparieren statt wegwerfen

  • Wenn Haushaltsgeräte kaputtgehen, werden sie oft durch neue Gerätschaften ersetzt.
  • Dabei ist eine Reparatur oft besser für die Umwelt, meint die Stiftung Warentest.
  • Oft genug kann so auch der Geldbeutel geschont werden.
Sebastian Hoff
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Die Waschmaschine läuft nicht mehr? Dann muss wohl eine neue her! Für die Umwelt ist es ohnehin besser, weil Neugeräte weniger Strom verbrauchen. Und da die laufenden Kosten künftig geringer sind, rechnet sich die Investition auch schon bald. Oder?

Das stimmt so in der Regel nicht, schreibt das Öko-Institut: „Aus ökologischen Gründen ist es in den meisten Fällen ratsam, defekte Geräte reparieren zu lassen und sie so lang wie möglich zu nutzen.“ Denn das spart Energie und Ressourcen, die für die Herstellung neuer Produkte verwendet werden. Außerdem sind Haushaltsgeräte seit einigen Jahren so energieeffizient, dass neue Modelle nur leicht bessere Werte aufweisen.

Für die Herstellung etwa einer Waschmaschine werden durchschnittlich 0,9 Kilogramm Elektronik, 26 Kilogramm Kunststoffe und 33 Kilogramm Metalle benötigt, erklärt Stiftung Warentest. Zwar verbrauchen neue Geräte weniger Strom und Wasser, aber es dauert Jahrzehnte, bis die bessere Effizienz die Umweltbelastung aufwiegt, die die Herstellung verursacht.

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Reparaturen sind gut für die Umwelt

„Wer bei jedem Schaden eine neue Waschmaschine kauft, belastet die Umwelt sehr viel stärker als derjenige, der das Gerät reparieren lässt“, schreibt Stiftung Warentest deshalb. Die sogenannte „ökologische Rückzahldauer“ einer neuen Maschine liegt hinsichtlich des Potenzials, Treibhausgase einzusparen, bei knapp 40 Jahren – also deutlich über der Lebenserwartung des Geräts. Vergleichbares gilt für Geschirrspüler: Selbst wenn sie innerhalb von 15 Jahren viermal repariert werden, verbrauchen sie ein Viertel weniger Energie und Ressourcen als ein Neugerät.

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Allerdings kann der Austausch eines noch funktionierenden Gerätes in einigen Fällen auch aus Umweltgesichtspunkten sinnvoll sein: Das gilt vor allem für alte Kühlschränke mit einem sehr hohen Stromverbrauch. Werden diese durch sparsame Produkte mit einem Energielabel A++ oder A+++ ersetzt, fällt die Ökobilanz oft positiv aus. Bei Geräten, die zehn Jahre oder älter sind, lohnt sich der Austausch außerdem häufig finanziell, schreibt das Verbraucherportal co2online: „Dann decken die Ersparnisse durch den geringeren Energieverbrauch die Anschaffungskosten.“

Reparatur meist günstiger als Neuanschaffung

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Dennoch: Auch aus Kostengründen ist eine Reparatur häufig einer Neuanschaffung vorzuziehen. Laut Stiftung Warentest ist das beispielsweise der Fall, wenn eine Waschmaschine in den ersten fünf Jahren nach ihrer Anschaffung repariert wird und die Ausgaben dafür sich auf maximal die Hälfte des Kaufpreises belaufen. Nach zehn Jahren dürfen sie noch bei einem Fünftel liegen.

„Dass der Austausch alter, aber noch funktionsfähiger Geräte die Haushaltskasse schont, ist ein Mythos“, sagt Energieexperte Valerian Vogel vom Vergleichsportal verivox. Die Ersparnis an Stromkosten gleiche die Anschaffungskosten oft erst nach bis zu 40 Jahren aus – bei Produkten aus dem unteren Preissegment allerdings meist deutlich früher.

Langlebige Geräte lohnen sich

Das ist aber kein Grund, Billiggeräte zu kaufen – im Gegenteil: „Konsumenten tragen zum Klima- und Ressourcenschutz bei, wenn sie in hochwertige und langlebige Geräte investieren“, sagt Siddarth Prakash, Experte für nachhaltigen Konsum am Öko-Institut. Eine Orientierung bietet das Umweltzeichen Blauer Engel. Das erhalten Produkte, die eine hohe Lebensdauer besitzen, leicht repariert werden können und für die es Ersatzteile gibt.

Außerdem sollten Geräte möglichst lange genutzt werden: „Wer Ressourcen, die Umwelt und seinen Geldbeutel schonen will, wartet mit dem Neukauf, bis das Altgerät seinen Dienst nicht mehr tut“, sagt Vogel. Laut Umweltbundesamt nimmt die Lebensdauer von Haushaltsgeräten allerdings immer weiter ab. Das liegt zum einen daran, dass sie schneller ihren Dienst versagen. Zum anderen werden immer mehr funktionstüchtige Geräte entsorgt.

600 Reparaturcafés in Deutschland

Das trifft insbesondere auf TV-Flachbildschirme und Smartphones zu, die vielfach als Statussymbol gelten. Ökologisch sinnvoll sei es aber, sie bis zum Ende ihrer technischen Lebensdauer zu verwenden, rät Stiftung Warentest. Ein neues Notebook zum Beispiel müsste etwa 80 Jahre genutzt werden, bis der Aufwand für die Herstellung durch die Einsparung bei der Nutzung aufgewogen wird.

Mitunter lassen sich Geräte einfach reparieren – etwa, wenn am Staubsauger ein defekter Schlauch ausgetauscht werden muss. Ersatzteile sind meist gut zu bekommen. Problematischer kann es sein, einen Handwerker für aufwendigere Reparaturen zu finden. Alternativ bieten sich sogenannte Repair-Cafés an. Davon gibt es in Deutschland mittlerweile rund 600. Tüftler bringen dort ehrenamtlich Geräte auf Vordermann.

Selbsthilfe ist zwar gut, Verbraucherschützer und Umweltverbände fordern aber politische Lösungen. Sie wollen, dass das Verbraucherrecht gestärkt wird. So sollten die Rahmenbedingungen für Reparaturen verbessert und die Hersteller dafür in die Pflicht genommen werden. Auch höhere Mindestanforderungen an die Qualität, längere Garantiezeiten und Steuererleichterungen für langlebige und reparaturfreundliche Produkte werden gefordert.

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