Ruhe, bitte: Guter Schallschutz verbessert die Lebensqualität

  • In vielen Mehrfamilienhäusern reicht der Schallschutz nicht aus.
  • Ein guter Schallschutz ist aber für das Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden unerlässlich.
  • Laut Experten müssen Regelungen eingehalten und notfalls nachgebessert werden.
Sebastian Hoff
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Hannover. Ob Straßenlärm, laute Musik vom Nachbarn oder geräuschvolle Wasserspülungen – Krach nervt. Tritt er dauerhaft auf, kann er sogar krank machen: Das Herzinfarktrisiko steigt, Schlafstörungen, Gehörschäden und sogar Depressionen sind die Folge. Ein guter Schallschutz ist deshalb für das Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden unerlässlich. Geregelt wird er in der DIN 4109. Die formuliere allerdings nur Mindestanforderungen, sagt Janko Fuhrmann, Bausachverständiger des Verbands Privater Bauherren (VPB): "Die Norm entspricht nicht mehr den anerkannten Regeln der Technik."

Schallschutz in vielen Mehrfamilienhäusern nicht ausreichend

Auch verschiedene Urteile besagen, dass die DIN 4109 in Mehrfamilienhäusern nicht mehr ausreichend ist. Laut Fuhrmann müssen deshalb Regelungen eingehalten werden, die im Beiblatt 2 stehen oder sich in der VDI 4100 finden, die von Ingenieuren entwickelt wurde. Für Einfamilienhäuser gelten die erhöhten Anforderungen allerdings nicht. Bauherren, die trotzdem darauf Wert legen, sollten deshalb in den Verträgen festhalten, dass ein Schallschutz "nach den anerkannten Regeln der Technik" erfolgt, erläutert der Sachverständige.

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In der DIN 4109 werden zwar konkrete bauliche Umsetzungen beschrieben, letztlich sei es aber immer Aufgabe des Planers, passende und individuelle Lösungen zu finden, die insbesondere die Lage des Objektes berücksichtigen, erklärt Fuhrmann: "Für guten Schallschutz gibt es kein fertiges Rezept." Lärm wird zudem subjektiv empfunden. Was den einen nicht stört, kann den anderen massiv beeinträchtigen. Andererseits gibt es objektive, messbare Werte: So legt die DIN 4109 einen Grenzwert von 53 Dezibel (dB) im Innenbereich fest. Das entspricht in etwa der Lautstärke einer normalen Unterhaltung. Grundsätzlich sind Luft- und Körperschall voneinander zu unterscheiden. Trifft der eine auf den anderen, wird er weitergegeben, etwa wenn Schallwellen von lauter Musik Wände, Böden und Decken in Schwingung bringen.

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Beim Schallschutz greifen drei Prinzipien

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Beim Neubau sei guter Schallschutz vergleichsweise einfach zu realisieren, sagt Oliver Winter, Sachverständiger für Bau- und Raumakustik der Dekra Automobil GmbH: "Wird der Schallschutz zum frühen Zeitpunkt eingeplant, können hohe Kosten vermieden werden." Viele Architekten berücksichtigen den Aspekt schon bei der Grundrissplanung, damit nicht etwa das Schlafzimmer neben dem Fahrstuhl liegt. Bei Bedarf oder bei größeren Projekten sollte ein zusätzlicher Experte zu Rate gezogen werden, erläutert Winter.

Baulich greifen beim Schallschutz drei Prinzipien, so der Dekra-Experte: Masse, Entkoppelung und Zweischaligkeit. Je massiver die Bauteile sind, desto besser. "Guter Schallschutz ist nur mit schweren Bauteilen zu erreichen", ergänzt Fuhrmann. Und die Aktion Pro Eigenheim schreibt auf ihrer Website: "Zu empfehlen sind dicke, massive Wände aus Beton, Vollziegeln oder Kalksandstein." Diese Materialien seien allerdings nicht so gut für die Wärmedämmung geeignet, gibt Fuhrmann zu bedenken: "Schall- und Wärmeschutz laufen meist konträr. Man muss deshalb Zwischenlösungen finden."

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Guten Schallschutz auch mit leichten Materialien erreichen

Während schwere und dichte Materialien weniger schwingen, wird bei einer Entkoppelung der Körperschall möglichst gar nicht erst weitergeleitet. Deshalb ist es wichtig, die Anschlüsse zwischen den Bauteilen zu trennen und Fugen zu lassen. Estrich sollte zum Beispiel immer schwimmend verlegt werden und nicht direkt an die Wand stoßen. Das sei zwar inzwischen längst Standard, sagt Winter. Bei flankierenden Bauteilen werde die Entkoppelung hingegen häufig nicht berücksichtigt. So sind bei vielen Häusern die Außenwände durchgängig und übertragen den Schall aus der Nachbarwohnung.

Guter Schallschutz kann auch mit leichten Materialien erreicht werden, wenn mehrschalig gebaut wird. Dann umschließen zwei oder mehr Wände Hohlräume, die etwa mit Dämmstoffen gefüllt werden können, sodass weniger Schall weitergeleitet wird. „Das ist, vereinfacht dargestellt, vergleichbar mit Strom, der nicht fließt, wenn die Leitung unterbrochen ist“, so Winter.

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Vorsatzwände verbessern Schallschutz

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In Bestandsgebäuden können Vorsatzwände den Schallschutz verbessern, allerdings sollten sie keinen Kontakt zur bestehenden Wand haben. Oft ist es möglich, etwa mit Rigipsplatten und speziellen Abhängern zusätzliche Decken einzuziehen, um den Trittschall von oben zu vermindern. Auch Fußböden können schalltechnisch ertüchtigt werden. Fuhrmann weist aber darauf hin, dass dafür oft Anpassungen etwa an den Türen vorgenommen werden müssen.

Während neuwertige Fenster mit hohen Schallschutzklassen den Schall sehr gut abhalten, sind die Türen oft der größte Schwachpunkt beim Schallschutz – vor allem im Gebäude. Viele bestehen aus leichten Materialien und schließen nicht dicht ab. „Schallschutz ist immer nur so gut wie das schlechteste Bauteil“, betont Winter. Wer sich vor Lärm schützen wolle, solle deshalb zuerst dort ansetzen.

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