Rohrverstopfungen: Was man selbst tun kann und wann ein Profi ran muss

  • Wenn das Wasser nicht mehr richtig abfließt, können oft eigene Maßnahmen ergriffen werden.
  • Allerdings raten Experten von chemischen Reinigern ab.
  • Es sei besser und sicherer, im Fall einer Verstopfung den Profi ranzulassen.
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Nur langsam versickert das Wasser im Spülbecken. Unangenehme Gerüche breiten sich aus. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass Abwasserrohre verstopft sind. Was tun? Oft können sich Bewohnerinnen und Bewohner selbst behelfen. Doch Fachleute raten dringend von chemischen Reinigungsmitteln ab und empfehlen, in manchen Fällen Profis die Arbeit machen zu lassen. Denn im schlimmsten Fall können Rohre brechen oder Wohnungen überschwemmt werden.

Wie entstehen Verstopfungen? „Die häufigste Ursache ist das falsche Entsorgen von Lebensmitteln“, sagt Ralph Sluke, Geschäftsführer des Verbands der Rohr- und Kanal-Technik-Unternehmen (VDRK). Diese gehörten in den Mülleimer und nicht in die Toilette. Das gleiche gelte für feuchtes Toilettenpapier aus gewebten Stoffen, das sich nicht auflöst.

Öle und Fette in der Küchenspüle

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Auch Geruchseinhänger in den Toilettenschüsseln fallen manchmal ab und verhaken sich nach dem Spülen hinter der Rohrbiegung. Der Abfluss in der Küchenspüle setzt sich allmählich mit Ölen und Fetten zu. Eine Irrglaube sei es, dass Kaffeepulver die Rohre reinige, sagt Sluke. „Das setzt eher am Fett an.“

Auch Materialfehler könnten zu Verstopfungen führen, erklärt Udo Wirges, Bereichsleiter Technik des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK): „Raue Stellen im Rohr, zu geringes Gefälle oder scharfe Umlenkungen können sich zu Hindernissen im Fließweg für Abwässer entwickeln.“

Wie kann Verstopfungen vorgebeugt werden? „Für Küchenablaufstellen empfiehlt sich die häufigere Verwendung von heißem Wasser, damit Fette und Öle sich weniger festsetzen können“, sagt Wirges. Sluke rät dazu, in Ausgüssen Siebe einzusetzen, damit etwa Haare oder Speisereste aufgefangen und entsorgt werden können. An der Toilette sollte nicht ständig die Wasserspartaste gedrückt werden. „Es muss genügend Wasser nachkommen – auch in der Kanalisation“, betont Sluke.

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Heißes Wasser zum Nachspülen hilft

Was können Bewohnerinnen und Bewohner selbst tun? Wenn das Wasser nicht mehr gut abfließt, sollte mit einem Topf heißes Wassers nachgespült werden, rät Sluke. Auch die Saugglocke, im Volksmund „Pömpel“ genannt, verrichtet manchmal gute Dienste. Vor ihrem Einsatz sollten alle Überläufe abgedichtet werden. Anschließend wird das Becken gefüllt, bis die Saugglocke, die auf dem Abfluss sitzt, mit Wasser abgedeckt ist. Durch Drücken und Heben entsteht ein Unterdruck, der Schmutz nach oben zieht.

Etwas Übung und Geschick erfordert der Einsatz von Spiralen. Allerdings bestehe die Gefahr, dass das Abwasserrohr beschädigt werde und die Spirale sogar im Rohr stecken bleibe, warnt Wirges. Die meisten Verstopfungen bilden sich an den Geruchsverschlüssen. Sie können auch vom Laien ausgebaut, gereinigt und wieder zusammengesetzt werden. Zum Lösen von Verkrustungen sollte eine kleine Bürste verwendet werden. Wegen der unangenehmen Gerüche sei die Arbeit aber „nichts für sensible Gemüter“, sagt Wirges.

„Chemie hat nichts im Wasser zu suchen“

Wovon raten Fachleute ab? Chemische Reinigungsmittel sollten tabu sein, meint Sluke: „Chemie hat nichts im Wasser zu suchen.“ Doch nicht nur der Umweltaspekt spiele eine Rolle, betont er. Oft würden die Stoffe, die zur Verstopfung führen, nur angelöst. „Anschließend werden sie knochenhart“, erläutert der Experte. Außerdem sind die Mittel ätzend und werden im schlimmsten Fall so heiß, dass sich Kunststoffrohre verformen und Monteure verletzen können.

Weitaus harmloser sind Hausmittel wie Essig in Kombination mit Natron, das auch in Backpulver enthalten ist. Anschließend sollte mit heißem Wasser nachgespült werden. Auch Cola, Gebissreiniger und Spülmittel sollen angeblich helfen. Sluke ist von ihrer Wirkungsweise allerdings nicht überzeugt.

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Überschwemmung? Unbedingt die Profis rufen

Wann ist die Hilfe von Profis nötig? Spätestens dann, wenn Objekte wie Spülen oder Kloschüsseln abgebaut werden müssen, Grundleitungen betroffen sind oder es zu Überschwemmungen kommt, rät Wirges. Fachleute verwenden elektromechanische Spiralmaschinen und kontrollieren die Arbeit mit Kameras.

In schwierigen Fällen werden Hochdruckspezialfahrzeuge eingesetzt. Bei Bedarf reparieren die Firmen Leitungen oder tauschen sie aus – selbst wenn diese unter Putz oder in Wänden liegen. Die Kosten hängen von verschiedenen Faktoren wie der Arbeitszeit oder dem Aufwand ab. Kunden sollten vor Beginn der Arbeiten zumindest eine Kostenschätzung einholen.

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Gut vorbereitet für den Notfall

Experten raten, nicht erst dann eine kompetente Firma zu suchen, wenn der Schaden bereits entstanden ist. Besser sei es, frühzeitig Kontaktdaten bereitzulegen, rät Ralph Sluke vom VDRK. Er warnt zudem vor schwarzen Schafen in der Branche, die überhöhte Preise nehmen und Arbeiten nicht fachgerecht ausführen.

Seriöse Anbieter seien etwa daran zu erkennen, dass ihre Website ein Impressum besitze und sie bei Verbänden wie dem VDRK gelistet seien. Ihre Preise sind transparent: Berechnet werden zum Beispiel Stundenpauschalen. Im besten Fall befindet sich die Firma in der Nähe, damit keine hohen Anfahrtskosten anfallen.

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