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Kontrollierte Wohnraumlüftung: Die Luft muss raus

  • Für Neubauten und modernisierte Gebäude empfiehlt sich eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung.
  • Die verhindert den sogenannten Thermoskanneneffekt, der in stark isolierten Häusern zu Schimmelbildung führen kann.
  • Aber auch bei modernisierten Gebäuden mit Dämmungen und hochwertigen Fenstern ist ein Einbau sinnvoll.
Sebastian Hoff
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Berlin/Köln/Darmstadt. Als „bewohnbare Thermoskannen“ beschreibt die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online energetisch hochwertige Gebäude. Denn durch ihre dichte Außenhülle geht kaum Wärme verloren. Allerdings wird keine feuchte Luft abgeführt, sodass Wasser an den Wänden kondensieren kann und sich im schlimmsten Fall Schimmel bildet. Außerdem gelangt – anders als in Altbauten – keine frische Luft durch Ritzen oder Fugen ins Haus.

Die sei aber dringend nötig, sagt Oliver Kah vom Passivhaus Institut: „Die meiste Zeit des Tages halten wir uns in geschlossenen Räumen auf. Fürs gute Wohnklima sind rund 30 Kubikmeter Frischluft pro Person und Stunde zu empfehlen.“ In energieeffizienten Neubauten sind Lüftungsanlagen deshalb bereits vorgeschrieben. Aber auch bei modernisierten Gebäuden mit Dämmungen und hochwertigen Fenstern ist ein Einbau sinnvoll.

Wie arbeitet eine Lüftungsanlage? „Eine kontrollierte Wohnungslüftung sorgt für kontinuierlichen Luftwechsel im Gebäude und das ganz automatisch und völlig nutzerunabhängig“, erklärt Barbara Kaiser, Leiterin der Fachabteilung Wohnungslüftung beim Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Ein Öffnen der Fenster zum Lüften wird damit überflüssig.

Welche technischen Systeme gibt es? Unterschieden werde zwischen zentralen Lüftungsgeräten für eine Wohnung oder das ganze Gebäude und dezentralen Geräten, die jeweils nur einen Raum be- und entlüften, erläutert Kaiser. Das Prinzip ist aber jeweils das gleiche: Aus Räumen mit hoher, meist warmer Luftfeuchtigkeit, also Bädern und Küchen, wird die Luft mittels Ventilatoren abgesaugt und nach außen geführt. In Wohn-, Arbeits- und Schlafräume strömt hingegen frische Luft hinein.

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Dezentrale Anlagen lassen sich vergleichsweise einfach installieren – meist im Bereich der Fenster. Zentrale Anlagen erfordern einen hohen baulichen Aufwand und werden deshalb vornehmlich im Neubau eingesetzt. Dafür werden Lüftungskanäle etwa unter dem Estrich, in Zwischenwänden oder in Kabelschächten verlegt. Auch zwischen den Räumen ist ein Luftaustausch möglich. Moderne Anlagen messen die Luftverhältnisse im jeweiligen Raum und steuern die Zu- und Abluft individuell.

Wie funktioniert die Wärmerückgewinnung? Die Lüftungsanlage nutzt die Wärmeenergie der Abluft, um die frische Außenluft vorzuwärmen. „In dem Wärmetauscher beziehungsweise Wärmeübertrager werden Abluft und Zuluft aneinander vorbeigeführt, ohne dass sich die beiden Luftströme vermischen können“, erklärt Kaiser. „Man spart dabei Energiekosten“, ergänzt Kah. Im Vergleich zum manuellen Lüften können das bis zu 50 Prozent sein.

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Wie hoch sind die Kosten für die Anlagen? Einfache Lüftungsanlagen kosten in einer Dreizimmerwohnung bis zu 1.500 Euro, in einem Einfamilienhaus etwa 2.500 Euro, schreibt co2online. Für Anlagen mit Wärmerückgewinnung müssen zwischen 5.000 und 8.000 Euro veranschlagt werden – mit einer zentralen Steuerung auch bis zu 10.000 Euro. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) vergeben Fördermittel, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind – insbesondere wenn die Anlagen einen Wärmetauscher besitzen. Außerdem bestehen regionale Förderprogramme.

Welche weiteren Vorteile besitzen Lüftungsanlagen? „Grundsätzlich sorgt die kontrollierte Wohnraumlüftung für ein optimales Raumklima“, sagt Jeanette Kunde von heizung.de. Im Winter gelangt weniger kalte Luft ins Haus, im Sommer können einige Anlagen auch kühlen. Chemische Schadstoffe und üble Gerüche werden abtransportiert, Dreck, Staub oder Pollen aus der Außenluft gefiltert. Das kann insbesondere für Allergiker hilfreich sein. Allerdings müssen die Filter regelmäßig gereinigt werden.

Was sind ihre Nachteile? Die Anlagen müssen regelmäßig gewartet werden. Für ihren Betrieb fallen Stromkosten an. Einige Geräte verursachen Geräusche. Mitunter wird die Raumluft sehr trocken. Dann sollten Luftbefeuchter aufgestellt werden. Bei manchen Lüftungsanlagen sind diese bereits integriert. Werden sie aber nicht regelmäßig gereinigt, können sich Keime über die Wohnung verteilen.

Virenkonzentration wird verdünnt

Schützt eine kontrollierte Wohnraumlüftung vor Krankheitserregern? Diese Frage ist vor allem während einer Pandemie, wie sie derzeit herrscht, von großer Wichtigkeit. Fundierte Studien gibt es dazu allerdings nicht. Für einen Schutz spricht, dass bei einer kontrollierten Wohnraumlüftung der Luftaustausch hoch ist und somit die Virenkonzentration in der Luft verringert wird. Einzelne Geräte, die etwa in Klassenzimmern aufgestellt werden, bringen hingegen wenig. Sie müssen zudem regelmäßig gewartet werden. Angaben von Industrie- und Fachverbänden zufolge können ordnungsgemäß betriebene und regelmäßig gereinigte Filter in Außen- und Zuluftleitungen die Infektionsgefahr mindern.

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