Experten geben Tipps

Lohnt es sich, im eigenen Garten Obstbäume anzupflanzen?

Eigener Anbau: Mit Äpfeln kann man sich, wenn man es richtig angeht, mehrere Monate selbst versorgen.

Eigener Anbau: Mit Äpfeln kann man sich, wenn man es richtig angeht, mehrere Monate selbst versorgen.

Als zukünftige Obstbauerin bzw. zukünftiger Obstbauer braucht es zunächst zwei Dinge: mindestens ein kleines Stück Garten und einen Setzling. Egal, ob Apfel, Kirsche oder Zwetschge, im Fachhandel gibt es die richtige Pflanze – oder besser gesagt: die richtigen Pflanzen. Baumschulen bieten Obstgehölze kombiniert an, eng verwachsen, ein bisschen wie siamesische Zwillinge: Die Expertinnen und Experten ziehen die Pflanze nicht einfach aus einen Samen, den sie einpflanzen. Sie setzen den Trieb einer bestimmten Obstsorte auf einen Wildling, der sogenannten Obstbaumunterlage. Das nennt sich Veredelung, und so kann man sichergehen, dass der Baum später bestimmte Eigenschaften mitbringt. Zum Beispiel, dass er nicht zu groß wird.

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Kleine Wurzeln brauchen Unterstützung mit Wasser

„In dem Fall sprechen wir von sogenannten schwach wachsenden Unterlagen, die kleine Baumformen ausbilden“, erklärt Hubert Siegler, Gartenbauingenieur und Experte für Obstgehölze an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Und diese sind perfekt für kleine Gärten. Je nach Sorte und Schnitt fühlen sich schwach wurzelnde Obstbäume schon mit einem Pflanzabstand zwischen 1,5 bis drei Metern wohl. Die kürzeren Wurzeln bringen allerdings einen kleinen Nachteil mit sich: Sie brauchen Unterstützung bei der Wasserversorgung. Siegler empfiehlt, jungen, schwach wachsenden Bäumen in Trockenphasen etwa einmal die Woche 20 Liter Wasser zu geben.

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Wer keine Lust zum Gießen hat, wählt statt eines schwach wachsenden einen stark wachsenden Baum. Diese Art von Bäumen hat ein längeres, tieferes Wurzelwerk und kann sich selbst gut versorgen. Allerdings muss der Garten für stark wachsende Exemplare recht groß sein: Sie brauchen später 65 bis 80 Quadratmeter Platz und überragen ihre schwachwurzelnden Familienmitglieder deutlich. Nicht nur für die Ernte, auch für die Pflege müssen Obstbaumbesitzerinnen und -besitzer daher mitunter hoch hinaus – und sollten besser schwindelfrei sein. Durch ihre Größe spenden die stark wachsenden Bäume aber nicht nur Früchte, sondern auch Schatten und sind für weitläufige Streuobstwiesen ideal.

Im Herbst ist das Angebot der Händler am größten

Auch wenn die Anforderungen an Platz und Pflege sich je nach Gehölz etwas unterscheiden, haben Obstbäume im Grunde ähnliche Ansprüche, was den Boden betrifft: Humusreich soll er sein und ohne Staunässe.

Im Herbst ist die beste Zeit, um einen Baum zu pflanzen. Denn so können die Pflanzen neue Wurzeln über den Winter ausbilden und gehen gestärkt in das neue Jahr. Darauf haben sich auch Händler eingestellt. Im Herbst ist das Angebot am größten, wer bis zum Frühjahr wartet, muss sich mitunter mit Restposten begnügen. Siegler empfiehlt, Obstgehölze unbedingt im Fachhandel oder in der Baumschule zu kaufen. Schließlich würde ein Obstbaum schon mal 30 Jahre alt und mehr. Statt auf den Euro zu schauen, setzen auch Hobbygärtnerinnen und -gärtner daher besser auf gute Baumqualität.

Über den Winter gibt es wenig zu tun

Wer einen passenden Setzling gefunden hat, pflanzt ihn in ein Loch, das doppelt so tief und doppelt so breit ist wie der Wurzelballen. Den Baum nur so weit in die Erde stellen, bis der Wurzelansatz gut bedeckt ist. Die Veredlungsstelle – also der Punkt, wo der Trieb auf die Unterlage gesetzt wurde – muss außerhalb der Erde stehen. Dann die ausgehobene Erde mit Kompost oder organischem Dünger vermischt ins Pflanzloch füllen.

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Schwach wachsende Gehölze brauchen einen Pfahl als Stütze und rund um den Stamm eine etwa 60 bis 80 Zentimeter breite Zone, in der nichts anderes wächst. So hat der kleine Baum Dünger und Wasser ganz für sich allein und damit optimale Startchancen. Den Boden ordentlich andrücken und gießen – auch bei Regen. So setzt sich Erde zwischen die Wurzeln, das stabilisiert die Pflanze.

Über den Winter gibt es wenig zutun, denn erst zu Beginn des Frühjahrs steht der erste Baumschnitt an. Wer selbst schneiden möchte, kann sich über Fachliteratur oder (Online-)Kurse schlaumachen – und sollte das laut Gartenbauingenieur Siegler auch unbedingt machen. Denn ein richtiger Schnitt sorgt dafür, dass der Baum neue Triebe bildet und reichlich trägt.

Etwas Geduld bis zur ersten Ernte

Und wer viel Obst erntet, kann langfristig sogar etwas Geld sparen. Ein schwach wachsender Setzling kostet etwa 25 bis 30 Euro. Bis auf den jährlichen Schnitt – zumindest, wenn man den nicht selbst macht – kommen kaum weitere Kosten dazu. Bis zur ersten Ernte müssen Obstliebhaberinnen und -liebhaber etwas Geduld mitbringen. Wer davon eher weniger hat, greift besser zu schwach wachsenden Baumformen. Die tragen meist schneller als die stark wachsenden und bringen einen weiteren Vorteil in puncto Selbstversorgung mit: Weil sie weniger Platz benötigen, lassen sich verschiedene Obstbäume im Garten kombinieren.

Zu so einem Sortenmix rät auch Autorin und Bloggerin Sonja Berndl („Sonjas Gartenfreuden“). Mit Äpfeln etwa könne man sich problemlos ein gutes halbes Jahr selbst versorgen, wenn man es richtig angeht und verschiedene Sorten pflanzt. „Ich empfehle eine frühreifende Sorte, um sie sofort zu vernaschen. Dazu in Kombination spätreifende Sorten wie Winterrambur, Boskop oder Topaz, die lassen sich gut lagern“, so die Selbstversorgerin. Eingemachtes Obst und getrocknete Früchte halten sich noch länger.

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Obstsorten für Anfänger

Bei Obstbäumen unterscheiden Expertinnen und Experten zwischen schwach wachsenden Gehölzen, die kleiner bleiben und nicht so intensiv wurzeln, und stark wachsenden Vertretern, die eine große Krone entwickeln. Bei den meisten Obstarten werden die einzelnen Sorten sowohl als stark- als auch als schwach wachsende Setzlinge angeboten.

Birnen: Frühere Sorte (zum Sofortverzehr) Clapps Liebling; spätere Sorten Conference, Condo oder Concorde

Äpfel: Frühere Sorten (zum Sofortverzehr) Santana, Rebella; spätere Sorten (gut zum Lagern) Topaz, Boskop, Florina

Quitten: Konstantinopler, Leskovacz, Cydora Robusta, Triumph

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Süßkirschen: Frühe Sorten (madenfrei) Burlat, Celeste, Bellise; spätere Sorten Kordia und Regina

Zwetschgen: Frühe Sorte Katinka; mittelfrühe Sorte Hanita; spätere Sorten Toptaste und Haroma

Empfindlichere Obstsorten für erfahrenere Gärtner: Aprikosen Hargrand, Goldrich und Bergeron; Pfirsiche Benedicte, Fruteria

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