Energie ohne Ende: So heizen Sie nachhaltig

  • Sonne, Wind, Wasser und Erde liefern schon heute Strom und Wärme – aber erst 40 Prozent des Stroms in Deutschland kommen aus erneuerbaren Quellen.
  • Passivhaus und Plusenergiehaus: Insbesondere beim Bauen und Sanieren können Eigentümer viel für die Umwelt tun.
  • Doch auch im Alltag tragen kleine Verhaltensänderungen dazu bei, klimafreundlicher zu leben.
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Eigentlich hat die Menschheit kein Energieproblem: Allein die Kraft der Sonne reicht aus, um den gesamten Strombedarf auf der Erde mehrfach zu decken. Fossile Energieträger sind endlich, doch erneuerbare Energien stehen unbegrenzt zur Verfügung und belasten die Umwelt vergleichsweise wenig. Die technischen Verfahren zur Gewinnung von Strom und Wärme, etwa aus Sonnenenergie, sowie Wasser- und Windkraft sind ausgereift.

Doch bei der Nutzung ist in Deutschland noch Luft nach oben: Aktuell beträgt der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Stromverbrauch gut 40 Prozent. 2030 sollen es nach dem Willen der Bundesregierung 65 Prozent sein. Um die Energiewende voranzubringen, sind nicht nur Politik und Wirtschaft gefordert. Auch private Verbraucher können ihren ökologischen Fußabdruck erheblich verringern.

Wie Wärmepumpen funktionieren

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Eine entscheidende Rolle kommt dem Bauen und Wohnen zu, denn auf den Gebäudesektor entfallen rund 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland. Bauherren kommen heute an erneuerbaren Energien kaum vorbei – ansonsten sind die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) kaum einzuhalten. Außerdem werden energieeffiziente Häuser mit öffentlichem Geld gefördert. „In Neubauten sind deshalb Wärmepumpen inzwischen Standard, häufig kombiniert mit Fotovoltaik, in Einfamilienhäusern auch mit Solarthermie“, sagt Jens Hakenes vom Verbraucherportal „co2online“.

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Wärmepumpen beziehen Energie aus der Erde, aus Wasser oder aus der Luft – auch an kalten Tagen. Sie arbeiten im Prinzip wie Kühlschränke, nur umgekehrt. Solarthermische Anlagen bereiten warmes Wasser auf, das in einem Pufferspeicher gesammelt wird.

Fotovoltaik mit Speicher

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Für Fotovoltaikanlagen haben sich die Vorzeichen geändert: Die Einspeisung von Strom ins Netz lohnt sich finanziell kaum noch. Heute wird empfohlen, den Strom selbst zu nutzen, weil dieser deutlich günstiger ist als der vom Versorger. Die meisten Anlagen amortisieren sich nach wenigen Jahren. Sie können auch gepachtet oder gemietet werden. Dann zahlt der Nutzer dem Anbieter eine monatliche Gebühr und verwendet den produzierten Strom. Die Stiftung Warentest warnt allerdings davor, dass sich viele Modelle nicht rechnen.

Werden Fotovoltaikanlagen mit Speichern kombiniert, steht jederzeit eigener Strom zur Verfügung – auch wenn die Sonne nicht scheint. „Je größer der Verbrauch, desto eher macht sich die Anschaffung bezahlt“, sagt Barbara Wittmann-Ginzel, Sprecherin des Bundesverbands Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerk (GIH). Für Stromspeicher gibt es verschiedene Fördertöpfe. Eine Alternative oder Ergänzung stellen E-Autos dar: Ihre Akkus speichern Strom, der beim Fahren verbraucht oder in den Haushalt zurückgespeist wird.

Plusenergiehaus statt Passivhaus

Nischenprodukte sind kleine Windkraftanlagen oder mit Wasserstoff betriebene Heizungen. Wasserstoff muss zwar mit viel Energie erzeugt werden. Wenn diese aus regenerativen Quellen stammt, ist der ökologische Fußabdruck aber ebenfalls gering. Für Mehrfamilienhäuser bieten sich kleine Blockheizkraftwerke an, die nicht nur Wärme, sondern auch Strom erzeugen und somit den fossilen Energieträger optimal ausnutzen.

Viele Neubauten benötigen kaum noch Energie. Das gilt zum Beispiel für sogenannte Passivhäuser. Aber es geht noch besser: Längst werden regelrechte kleine Kraftwerke zum Wohnen gebaut, die mehr Energie erzeugen, als die Bewohner selbst verbrauchen. Der Strom dieser Plusenergiehäuser wird meist ins Netz eingespeist. Damit könnten aber auch benachbarte Häuser versorgt werden.

Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft

Was den Neubau angeht, ist die Energiewende also auf einem guten Weg. Allerdings leben die meisten Menschen in Deutschland in Bestandsbauten: Fast Dreiviertel aller Wohngebäude wurden vor 1978 gebaut und sind in der Regel weder besonders gut gedämmt, noch erzeugen sie regenerative Energien. Deshalb empfiehlt sich eine Modernisierung, für die es staatliche Zuschüsse und günstige Kredite von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt.

Vor allem alte Ölheizungen werden zunehmend durch moderne, sparsame Gasbrennwertgeräte ersetzt, sagt Wittmann-Ginzel. Auch Holzheizungen sind derzeit stark nachgefragt. Wo früher Öltanks standen, ist nun Platz für Pellets oder Holzhackschnitzel. Das Holz sollte aus nachhaltiger Forstwirtschaft und möglichst aus der Region stammen, damit die Transportwege kurz sind. Neue Fenster, Türen und Dämmungen senken den Energieverbrauch oftmals deutlich. Moderne Steuerungstechnologien regeln die Heizung individuell und verbrauchsoptimiert.

Fotovoltaik für den Balkon

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Die einzelnen Modernisierungsmaßnahmen sollten aufeinander abgestimmt sein, damit es nicht zu Bauschäden wie Wärmebrücken oder Schimmelbildung kommt. Deshalb empfiehlt es sich, einen Fachmann hinzuzuziehen – etwa einen Energieberater. Die Beratungen werden vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert.

Auch Mieter können die Sonne anzapfen: Inzwischen sind kleine Fotovoltaikanlagen auf dem Markt, die etwa auf dem Balkon angebracht werden können. Die Dächer von Mehrfamilienhäusern bieten sich zwar für Solarmodule an. Das Thema Mieterstrom spielt aber noch keine große Rolle. „Die gesetzlichen Vorgaben sind zu kompliziert und sorgen für unnötig viel Bürokratie“, kritisiert Hakenes. Alternativ können Mieter mit ihrem Vermieter eine individuelle Vereinbarung treffen, die die Nutzung von Solaranlagen auf dem Dach ermöglicht.

Wer nicht in erneuerbare Energien investieren will oder kann, sollte über den Abschluss eines Ökostromtarifs nachdenken. „Oft ist der sogar günstiger als der örtliche Grundversorgertarif“, sagt Hakenes. Viele Energieversorger haben mittlerweile entsprechende Angebote im Portfolio. Wenn es Verbrauchern um Klimaschutz gehe, sollten sie darauf achten, dass der Anbieter in den Ausbau erneuerbarer Energien investiere, erklärt Wittmann-Ginzel.

Tipps: So sparen Sie im Alltag Gas und Strom

Den Energieverbrauch senken, den CO2-Ausstoß mindern und dabei Geld sparen – das geht im Alltag ganz einfach. Hier ein paar Tipps:

  • Alles gut regeln: Wer die Raumtemperatur um ein Grad senkt, spart rund sechs Prozent Heizenergie. Damit die Luft gut zirkulieren kann, dürfen Heizkörper nicht zugestellt oder verhängt werden. Programmierbare Thermostate stellen die gewünschten Temperaturen zu verschiedenen Tageszeiten automatisch ein. Heizkörper sollten regelmäßig entlüftet werden.
  • Auf Durchzug schalten: Statt Fenster zu kippen, ist es besser, sie mehrmals am Tag für ein paar Minuten weit zu öffnen und querzulüften. Heizkörper sollten dann ausgestellt werden.
  • Den Saft abdrehen: Viele Elektrogeräte verbrauchen im Stand-by-Modus Strom. Werden sie an eine Steckerleiste mit zentralem An- und Ausschalter eingestöpselt, lassen sie sich mit einem Knopfdruck komplett vom Netz nehmen.
  • Dicht halten: Zugige Stellen am Fenster können mit speziellen Klebebändern abgedichtet werden.
  • Am richtigen Ende sparen: Im Kühlschrank reichen 8 Grad Celsius, im Gefrierfach sollten rund minus 18 Grad herrschen. Beim Kochen gehört auf jeden Topf ein Deckel, um die Garprozesse zu beschleunigen. Die Waschmaschine sollte am besten immer voll beladen sein. Für normale Wäsche genügt eine Waschtemperatur von 40 Grad. Alte Leuchtmittel sollten durch sparsame und langlebige LED-Leuchten ersetzt werden. Wer duscht, statt zu baden, verbraucht weniger Energie und Wasser. Sparduschköpfe senken den Verbrauch noch einmal deutlich.

In unserer Serie „Wie wollen wir jetzt Leben?“ stellen wir Ihnen vom 7. bis zum 14. November Ideen für eine nachhaltige Welt vor.

“Staat, Sex, Amen”
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