Nachhaltig bauen und damit Ressourcen schonen

  • Ressourcensparendes Bauen ist ein Gebot der Stunde.
  • Vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen ist der sparsame und sinnvolle Umgang mit Energie, Rohstoffen und Flächen eine der wichtigsten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.
  • Experten fordern ein radikales Umdenken, um Materialien zu sparen, und plädieren auch für den Erhalt von Bausubstanz.
Sebastian Hoff
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Stuttgart/Berlin. Fürs Bauen ist ein gewaltiger Material- und Energieeinsatz nötig: Laut Deutscher Bundesstiftung Umwelt werden jährlich allein in Deutschland rund 560 Millionen Tonnen mineralische Baustoffe verbaut. Rund 30 Prozent der globalen CO₂-Emissionen und 40 Prozent des Ressourcenverbrauchs gehen auf den Bausektor zurück. „Langsam werden Ressourcen wie Sand oder Kies knapp, die Stoffe stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung“, warnt Arne Höllen vom VDI Zentrum Ressourceneffizienz.

Ressourcensparendes Bauen: Experten fordern radikales Umdenken

Der Stuttgarter Architekt Werner Sobek erklärt, dass zweieinhalb Erden nötig seien, wenn in allen Ländern der Welt der gleiche Standard beim Bauen wie in den Industrieländern erreicht werde. Er fordert deshalb ein radikales Umdenken: „Wir müssen künftig mit sehr viel weniger Materialien für sehr viel mehr Menschen bauen.“ Seine Fachkollegin Annette Hillebrandt plädiert dafür, Bausubstanz soweit es geht zu erhalten: „Es sollte kein Neubau errichtet werden, der nicht unbedingt nötig ist.“ Denn schon bei der Produktion von Materialien werde viel Energie verbraucht.

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Das Gebot der Stunde lautet ressourcenschonendes Bauen, meint Felix Jansen, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen. Das Ziel lässt sich auf verschiedene Weise verfolgen – etwa indem vermehrt nachwachsende Rohstoffe oder sortenreine Materialen mit einer langen Lebensdauer zum Einsatz kommen. Flexible Grundrisse ermöglichen verschiedene Nutzungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Lebensphasen der Bewohner.

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Recycling: Gebrauchte Bauteile wieder verwenden

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Ein weiterer Fokus sollte auf dem Thema Recycling liegen. Denn rund 50 Prozent des deutschen Müllaufkommens entfallen auf den Bausektor. Hillebrandt regt deshalb an, in Stoffkreisläufen zu denken: „Wir müssen wie in einer Mehrwegpfandflasche leben.“ Bereits jetzt ist es möglich, gebrauchte Bauteile wie Fenster, Handläufe oder Schalter in Läden oder Onlinebörsen zu erwerben. Eine Übersicht bietet die Website bauteilnetz.de.

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„Theoretisch ist alles recycelbar“, erläutert Höllen. Recyclingbaustoffe müssen aber streng geprüft werden und Baunormen genügen. Schwierig zu recyceln seien vor allem Baumaterialien, die sich aus verschiedenen Stoffen zusammensetzen, erläutert Höllen: „Ihre sortenreine Trennung ist eine große Herausforderung. Am besten wäre es, sie kämen gar nicht erst zum Einsatz.“

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Nachhaltige Gebäude sind meist noch Einzelvorhaben

Aktuell werde ein Großteil der mineralischen Baustoffe, die beim Abbruch anfallen, meist im Straßenbau weiterverwendet, führt er aus: „Aber nur etwa ein Prozent geht in den Hochbau zurück.“ Dabei lasse sich klein gebrochener Beton gut für die Anmischung von neuem Beton verwenden, der selbst in tragenden Bauteilen eingesetzt werden könne – so wie beim Neubau der Geschäftsstelle der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück. Bei nachhaltigen Gebäuden handele es sich meist um Einzelvorhaben, bedauert Jansen.

Pilotprojekte setzen komplett auf Recycling

Dass ein ressourcenschonendes Bauen möglich ist, zeigen Pilotprojekte, die komplett auf Recycling setzen: So baute der Amerikaner Michael Reynolds bereits 1971 ein Haus aus Bierdosen. Weltweit verbreitet ist sein Selbstversorgerhaustyp „Earthship“, das vor allem aus alten Reifen besteht, größtenteils von Erde bedeckt wird, in der Regel energie- und wasserautark ist.

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Ein modernes Recyclinghaus realisierte der Architekt Werner Sobek mit Dirk E. Hebel und Felix Heisel vom Karlsruher Institut für Technologie: Das Projekt Urban Mining & Recycling (UMAR) besteht aus wiederverwendbaren oder wiederverwertbaren sowie kompostierbaren Materialien. Fürs Tragwerk und für große Teile der Fassade wurde unbehandeltes Holz verwendet. Im Inneren kamen etwa Dämmplatten aus Pilzmyzelium und Recyclingsteine zum Einsatz. „Die verwendeten Materialien werden nicht verbraucht und dann entsorgt; sie sind vielmehr für eine bestimmte Zeit aus ihrem Kreislauf entnommen und werden später wieder in diesen zurückgeführt“, erklärt Hebel das Konzept.

Inspiration Recyclinghaus

Der Gedanke, Häuser aus Recyclingmaterialien zu bauen, hat viele Architekten inspiriert: So baute der niederländische Architekt Césare Peerens die Villa Welpeloo. Für die Fassade wurden alte Kabelrollen verwendet. Die Stahlkonstruktion besteht zu 90 Prozent aus Metallresten einer ehemaligen Fabrik. Der Entwicklungshelfer Andreas Froese entwarf in Honduras Häuser, die überwiegend aus mit Erde gefüllten PET-Flaschen bestehen, die mit Draht oder Schnur verbunden und mit Lehm oder Mörtel verbaut werden. In Las Vegas wurde eine Villa aus den Scherben von Bierflaschen sowie Flugasche gemauert.

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