Luxusimmobilien: Wenn es auf ein paar Millionen nicht ankommt

  • Käufer und Käuferinnen luxuriöser Immobilien wünschen Privatsphäre – Makler wahren Diskretion.
  • Bei Anwesen in Höhe von 44 Millionen Euro läuft eben alles ein wenig anders ab.
  • Und die Zahl interessierter, vermögender Kundschaft wird stetig größer.
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Hannover. Ein Anwesen am Wolfgangsee für 44 Millionen Euro: Das kommt nicht für Jedermann infrage. Auch nicht die Villa mit Bootsanlegesteg in Kanada für 15,4 Millionen Euro oder die Villa Marizzina an der Côte d’Azur, die für 23 Millionen Euro zu haben ist. Doch es besteht genügend Nachfrage für solche Angebote. „Das weltweite Interesse am Erwerb von Premiumimmobilien ist groß und die Zahl der potenziellen Käufer steigt kontinuierlich“, berichtet Ralph J. Kunz, Direktor Premium Management bei von Poll Immobilien.

Kundinnen und Kunden im gehobenen Marktsegment für besondere Objekte wie Châteaus in Frankreich kämen überwiegend aus China, Amerika und Südamerika, sagt David Scheffler, CEO von Engel & Völkers in Frankreich, Belgien und den Niederlanden.

Die Investition braucht etwas Extravagantes

Dass Immobilien eine Million Euro oder mehr kosten, ist vor allem in nachgefragten Lagen mittlerweile keine Seltenheit mehr. In London zum Beispiel werden für einen Quadratmeter Wohnfläche schnell mal 20.000 Euro fällig. Damit eine Immobilie zum Luxus werde, müssten zu dem hohen Kaufpreis noch besondere Ausstattungsmerkmale hinzukommen, erläutert Kai Enders, Vorstandsmitglied bei Engel & Völkers. Dann habe die Investition etwas Extravagantes.

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Ein stattliches Anwesen am Wolfgangsee, das mit viel Privatsphäre punktet. © Quelle: Engel & Völkers

Privatsphäre und gewisse Unsichtbarkeit

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Geld spielt beim Erwerb luxuriöser Immobilien oft keine entscheidende Rolle. „Die Käufer verfügen über große finanzielle Möglichkeiten“, sagt Enders. Allerdings hätten sie meist sehr genaue Vorstellungen davon, was die Immobilie bieten muss – vor allem wenn sie als Erstwohnsitz dient.

Ganz wichtig seien die Wahrung der Privatsphäre und eine gewisse Unsichtbarkeit, betont der Immobilienexperte: „Bevorzugt werden Villen in zurückgezogener Lage, die nicht von der Straße aus zu sehen sind.“ Besonders gefragt seien deshalb zum Beispiel herrschaftliche Residenzen mit einem privaten Park, „da die Eigentümer die weitläufige Natur genießen können, ohne ihr Grundstück zu verlassen“, ergänzt Scheffler.

Alles vom Feinsten: Prächtiges Anwesen an Marbellas Goldener Meile. © Quelle: Engel & Völkers

Vermittlung läuft diskret und aufwändig ab

Solche Objekte sind in der Regel nicht in Internetportalen zu finden, die Vermittlung läuft meist sehr diskret ab. Oft lassen sich die Kundinnen und Kunden bei der Suche viel Zeit, nicht selten wird die Vorauswahl von Personen ihres Vertrauens getroffen. Dafür werden aufwändige Exposés erstellt – mit professionellen Fotos und Videos. In der Regel verhalte es sich beim Kauf von Premiumimmobilien genauso wie bei anderen Immobilien, erläutert Kunz: „Eine Ausnahme bilden jedoch prominente Verkäufer und Käufer. Bei ihnen kommt es oftmals zu einem Secret Sale – wobei der Verkauf unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.“

Objekt mit Geschichte als Kassenschlager

Oft werden luxuriöse Immobilien für den Verkauf hergerichtet – oder sie werden gleich möbliert veräußert. Das gilt zum Beispiel für Schlösser oder Herrenhäuser, die landestypisch und mit Antiquitäten ausgestattet sind. Bei vielen Objekten handelt es sich laut Kunz um architektonische Unikate, denen von den Vorbesitzern eine persönliche Note verliehen wurde.

Viele Käuferinnen und Käufer besitzen Interesse an besonderer Architektur – etwa an geschichtsträchtigen Anwesen in Stadtlage, erklärt Scheffler: „Sie sind Lebenstraum und Lebensaufgabe zugleich und häufig lange im Besitz mehrerer Familiengenerationen gewesen.“ Wenn zu dem Objekt eine Geschichte erzählt werden könne, helfe das beim Verkaufen, ergänzt Enders: „Eine Immobilie, die zum Beispiel einem Prominenten gehört hat, ist gut vermarktbar.“

Auch das Interesse an besonderer Architektur lässt Käuferinnen und Käufer tief in die Tasche greifen. © Quelle: Hubert Auer
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Immobilienkauf ist oft eine emotionale Angelegenheit

Für wohlhabende Interessenten sei ein Immobilienkauf oft eine emotionale Angelegenheit und nicht nur ein Investment, erklärt Kunz. Oft gehe es aber auch darum, Geld sicher anzulegen. Die meisten Transaktionen werden durch Privatpersonen durchgeführt. Nur selten sind Stiftungen oder Family Offices beteiligt. Zu den Käuferinnen und Käufern zählen viele Unternehmer und reiche Erben, aber auch extravagante Persönlichkeiten wie Rockstars oder Modeschöpfer.

In den meisten Fällen werden die Angebotspreise erzielt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Eigentümerinnen und Eigentümer nicht auf den Verkauf angewiesen sind. Oft handele es sich dabei um Erben, die kein Interesse an der Weiternutzung haben, erklärt Enders. Manchmal werden luxuriöse Immobilien auch nach Scheidungen verkauft, weil damit negative Emotionen verbunden sind. In anderen Fälle stellen die Besitzerinnen und Besitzer allerdings auch einfach fest, dass sie das Gebäude selten oder nie nutzen.

Am teuersten ist es auf Sylt

Im internationalen Vergleich können die Preise für Luxusimmobilien in Deutschland noch als moderat gelten. Für Villen und frei stehende Häuser in guter Lage, etwa in deutschen Metropolen oder am Starnberger See, gehen die Preise aber auch hierzulande schnell in den zweistelligen Millionenbereich. Das teuerste Fleckchen Erde in Deutschland ist Sylt. In dem Ort Kampen werden bis zu 35.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bezahlt. Auf anderen Nordseeinseln ziehen inzwischen die Preise ebenfalls stark an. In städtischen Toplagen, vor allem in München, Hamburg und Berlin, beträgt der Quadratmeterpreis für Premiumimmobilien oft über 20.000 Euro.

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