Kürbisse im eigenen Garten anbauen: Darauf sollten Sie achten

  • Kürbisse stammen ursprünglich aus Süd- und Mittelamerika und gehören zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt.
  • In Deutschland liegt das Herbstgemüse seit Jahren im Trend, die Anbaufläche steigt kontinuierlich an.
  • Auch im eigenen Garten lassen sich die riesigen Beeren anbauen, brauchen aber viel Platz, Wärme und Nährstoffe.
Kristina Auer
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Kamen. Es gibt ihn in orange, grün, gelb oder grau, gestreift, gesprenkelt und in den unterschiedlichsten Formen: Der Kürbis ist ein äußerst variantenreiches Gemüse. Über 800 verschiedene Sorten der Früchte, die ursprünglich aus Mittel- und Südamerika stammen, sind bekannt. Etwa 95 Prozent der Sorten sind essbar. Botanisch gesehen sind Kürbisse Beeren und gehören zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Seit über 10.000 Jahren bauen Menschen die Nutzpflanze mit dem wissenschaftlichen Namen „Cucurbita“ an. Angeblich soll Christoph Kolumbus sie von seiner Amerika-Fahrt mit nach Europa gebracht haben.

Kürbis-Trend ist ungebrochen

Hierzulande hat der Kürbis eine jüngere Geschichte, ist dafür aber umso beliebter. Der Kürbishof Ligges in Kamen ist einer von 2043 Betrieben in Deutschland, die Kürbisse anbauen. In diesem Jahr feiert der Bioland-Hof 20 Jahre Kürbisanbau und kann sich damit fast schon zu den Pionieren des Kürbis-Trends zählen. „Angefangen hat es, weil ich zu Halloween beleuchtete Kürbisse auf die Hofmauer gestellt habe“, erzählt Ute Ligges, die den Hof zusammen mit Ehemann Volker und Sohn Julius betreibt. „Daraufhin kamen dann Leute und haben gefragt, ob sie die auch bei uns kaufen können.“ Weil auf dem Feld noch ein Stück frei gewesen sei, habe man dann entschieden, Kürbisse zu pflanzen, berichtet die Bio-Landwirtin.

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Mit 13 Kürbissorten habe man damals begonnen, inzwischen werden auf dem Hof Ligges über 200 verschiedene Arten angepflanzt. Der Kürbis ist das Aushängeschild des Familienbetriebs, Getreide, Kartoffeln und Eier gehören zu den weiteren Einnahmequellen. Jetzt, zur Kürbis-Erntezeit, habe man auf dem Bioland-Hof alle Hände voll zu tun, berichtet Ute Ligges. Die Kürbisse müssen geerntet, gewaschen, kontrolliert und für die Lagerung abgepackt werden. Ein Vorteil des Herbstgemüses: Ein Kürbis ist monatelang haltbar, wenn er kühl und trocken aufbewahrt wird.

Anbauflächen stark gestiegen

Auch der Hofladen der Familie Ligges ist zur Kürbis-Saison gut besucht. Kein Wunder, denn die Begeisterung der Deutschen für die Früchte mit dem orangenen Fleisch ist ungebrochen. Jedes Jahr werden neue Ernterekorde erzielt, 2020 wurden laut statistischem Bundesamt insgesamt 86.885 Tonnen Speisekürbisse geerntet. Die Zahlen zeigen auch: Der Kürbisanbau lohnt sich. Während die Zahl der Betriebe in den letzten zehn Jahren kaum gestiegen ist, wuchs die bundesweite Anbaufläche von 1799 Hektar im Jahr 2010 auf zuletzt 4673 Hektar rapide an.

Die strahlend orangene Farbe des Kürbisfleisches begeistert viele an dem Gemüse. „Der Kürbis speichert im Sommer die Wärme und strahlt sie dann im Herbst wieder aus“, sagt Ute Ligges. Neben der Schönheit der dekorativen Früchte schätzt die gelernte Floristmeisterin an den Kürbissen auch ihre inneren Werte: „Es ist ein sehr gesundes Lebensmittel.“

Kürbis-Küche ist gesund und vielseitig

Denn der umschwärmte orangene Farbton hat auch inhaltliche Qualitäten: Er geht auf einen hohen Gehalt an Beta-Carotin zurück. Dieses kann der Körper in Vitamin A umwandeln, was unter anderem für Haut und Augen benötigt wird und die Zellen vor Oxidation schützt. Darüber hinaus enthält das Gemüse die Vitamine E, B1, B2 und B6 sowie zahlreiche Mineralstoffe wie Kalium, Eisen und Magnesium. Abgesehen davon bestehen Kürbisse bis zu 90 Prozent aus Wasser und haben dadurch wenige Kalorien.

In der Küche ist der Kürbis so vielseitig wie kaum ein anderes Gemüse. Von der klassischen Suppe über Eintöpfe, Aufläufe bis hin zu Kuchen oder Konfitüre lässt er sich zu fast allem verarbeiten. Nicht zu vergessen ist auch das Trendgetränk „Pumpkin Spice Latte“, bei dem Kürbispüree mit Gewürzen (und meistens viel Zucker) in einen Milchkaffee gerührt wird. Kürbis-Expertin Ute Ligges schmeckt ein Dip aus püriertem Tetsukabuto Kürbis mit Frischkäse, Knoblauch und Chili besonders gut. Ein weiteres Lieblings-Rezept: „Butternut-Kürbis koche ich gerne als Ofengemüse mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum“, sagt die Kennerin, die auch zwei Kürbis-Kochbücher veröffentlicht hat.

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Auch im eigenen Garten wachsen Kürbisse recht unkompliziert, allerdings sollte man einige Punkte beachten. Besonders gern werden Hokkaido- und Butternut-Kürbisse von Hobby-Gärtnerinnen und -Gärtnern gepflanzt, weiß Ute Ligges. „Bekanntlich wachsen Kürbisse gern auf dem Kompost, sie brauchen also einen lockeren Boden mit guten Nährstoffen“, sagt die Landwirtin.

Kürbisse brauchen Platz, Sonne und Nährstoffe

Möglichst viel Sonnenlicht und Wärme lassen die Früchte besser reifen und machen sie schmackhaft. „Das haben wir in den letzten beiden Jahren deutlich gemerkt“, erklärt Ute Ligges. „In diesem Jahr war der Mai zu kalt und der Sommer zu nass.“ Das habe die Kürbisse deutlich später reif werden lassen als in den Vorjahren.

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Die Samen der meisten Kürbisse werden ab April vorgezogen und ab Mitte Mai ins Freiland gesetzt. Da die Kürbisse in Bodennähe wachsen, können Schnecken den Blüten und Früchten gefährlich werden, warnt Ute Ligges. „Außerdem sollte man auf ausreichend Platz achten – denn einige Kürbisarten ranken bis zu zwölf Meter weit.“ Die Expertin rät zu buschig wachsenden Sorten, wenn weniger Platz vorhanden ist. Vom beliebten Hokkaido-Kürbis gebe es sowohl rankende als auch buschigere Züchtungen.

Kürbissorten können sich vermischen

Ein weiterer Tipp: „Wer eine Samenmix-Packung hat, sollte darauf achten, die verschiedenen Sorten nicht zu nah nebeneinander zu pflanzen“, sagt Ute Ligges. Sonst könne es sein, dass diese sich gegenseitig befruchten und sich Form und Geschmack der Früchte verändern.

Wer es eher dekorativ als kulinarisch liebt, kann sich für Flaschenkürbisse – auch Kalebassen genannt – entscheiden, rät die Expertin. Das hat gleich zwei ästhetische Vorteile: „Man kann sie im Garten sehr schön an Geländern, Bögen oder Bauten hochranken lassen“, sagt Ute Ligges. Zudem trocknen die Zierkürbisse nach ihrer Ernte aus und werden hart. Sie lassen sich dann als Dekoration bunt bemalen oder auch als natürliche Aufbewahrungsgefäße nutzen.

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