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CO₂-Reduktion durch Sanierung

Warum zum Erreichen der Klimaschutzziele eine Bauwende nötig ist – und wie das gelingen kann

Mehr als nur ein neuer Anstrich: Wer seine Immobilie energetisch saniert, bekommt vom Staat finanzielle Zuschüsse.

Mehr als nur ein neuer Anstrich: Wer seine Immobilie energetisch saniert, bekommt vom Staat finanzielle Zuschüsse.

Rund 40 Prozent des gesamten CO₂-Ausstoßes in Deutschland verursacht die Bauwirtschaft. Nach Ansicht von Emanuel Lucke und Matthias Wohlfahrt vom Verein Architects for Future Deutschland ist deshalb eine Bauwende nötig, um die Klimaschutzziele der Politik einhalten zu können. Bereits in acht Jahren sollen im Gebäudebestand bis zu 67 Prozent Treibhausgasemissionen eingespart werden, 2050 soll er klimaneutral sein. Um das zu erreichen, sei ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich, sagen Lucke und Wohlfahrt.

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Umbau vor Neubau

In jedem Gebäude steckt sehr viele graue Energie, die für Materialien und seine Errichtung angefallen sind. Werden Häuser abgerissen, geht diese verloren. Außerdem fällt viel Bauschutt an. Aktuell gehen rund 60 Prozent unseres gesamten Abfalls aufs Konto der Bauwirtschaft. Architects for Future plädiert deshalb dafür, den Bestand zu erhalten und zu sanieren. Ein Anreiz können kommunale Förderprogramme wie „Jung kauft Alt“ sein. Vielerorts können auch Restflächen genutzt oder Gebäude aufgestockt werden.

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Reinhard Stewen vom Verband Privater Bauherren (VPB) empfiehlt, an alten Häusern möglichst wenig zu ändern: „Zumindest den Rohbau sollte man nicht angreifen“, sagt er. Neubauten sollten, soweit es geht, vermieden werden. „Jeder Quadratmeter, den wir nicht bauen, bedeutet eine halbe Tonne weniger CO₂-Emissionen“, ergänzt Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).

Weniger Wohnfläche

Laut VPB hat sich die Wohnfläche pro Person in Deutschland seit 1960 verdoppelt. Obwohl sehr viel neuer Wohnraum entstand, besteht immer noch großer Bedarf. Die Politik spricht deshalb davon, dass jährlich 400.000 neue Wohnungen errichtet werden sollen. Das sehen Lucke und Wohlfahrt kritisch: Statt neue Flächen zu versiegeln und weitere Ressourcen zu verbrauchen, sollten Wohnflächen umverteilt werden. So könnten Anreize geschaffen werden, damit zum Beispiel Alleinstehende in kleinere Wohnungen umziehen und dafür Familien größere Wohnungen und Häuser übernehmen.

Das plant die Politik

Die Anforderungen an Neubauten steigen – zumindest was ihre Förderung anbelangt: Öffentlich gefördert werden ab 2023 nur noch Gebäude, die mindestens dem Effizienzhausstandard 55 entsprechen. Zwei Jahre später wird der Standard auf 40 erhöht. Ab 2024 soll der Anteil an erneuerbaren Energien bei neu installierten Heizungen 65 Prozent betragen. Der Fokus der Förderung soll zudem künftig verstärkt auf die Sanierung des Bestandes gerichtet werden. Klimaschutzexperten geht das alles nicht weit genug: Sie fordern, dass sich die gesetzlichen Anforderungen nach der CO₂-Bilanz eines Gebäudes richten, die über den gesamten Lebenszyklus betrachtet wird. Sie setzen sich zudem für eine Musterumbauordnung ein, die das Sanieren erleichtert.

Wenn neu gebaut werde, sollten kleine und flexible Grundrisse gewählt werden, rät Stewen. Dann könne zum Beispiel eine Einliegerwohnung abgetrennt werden, sobald die Kinder ausziehen. Auch eine gemeinschaftliche Nutzung von Räumen ist oftmals möglich. Je geringer die Wohnfläche, desto weniger Material wird benötigt. Außerdem sinken in der Regel der Energieverbrauch und die Kosten. Unter Klimaschutzgesichtspunkten sind Mehrfamilienhäuser besser als Ein- oder Zweifamilienhäuser.

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Nachhaltige Materialien

Rund 90 Prozent aller in Deutschland verbrauchten mineralischen Rohstoffe beansprucht die Bauwirtschaft. Einige werden bereits knapp. Materialien wie Beton, Ziegel und Stahl werden mit sehr viel Energie hergestellt. Natürliche und nachwachsende Rohstoffe wie Lehm, Holz oder Stroh hingegen besitzen eine deutlich bessere Klimabilanz. Letztere binden und speichern sogar dauerhaft CO₂. Laut Bundeswaldinventur können aus deutschen Wäldern – bei gleichzeitiger nachhaltiger Forstwirtschaft – jährlich 10 Prozent mehr Holz fürs Bauen entnommen werden. Wichtig sei allerdings, dass die Materialien keine weiten Wege zurücklegen, weil sich ansonsten ihr ökologischer Fußabdruck verschlechtere, erklärt Stewen.

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Im besten Fall können alle Baumaterialien und viele Bauteile später als Ressource wiederverwendet oder recycelt in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Deshalb sollten möglichst wenig Verbundstoffe gewählt werden, empfiehlt der DGNB. Wohlfahrt hofft darauf, dass ökologische Baumaterialen rasch zugelassen werden.

Energetische Sanierung

Passivhäuser oder sogar Plusenergiehäuser neu zu bauen ist technisch längst möglich. Problematisch ist hingegen der Bestand, der einen Großteil des Wohnraums ausmacht. Zunächst gehe es darum, den Energieverbrauch zu senken, erklärt Wohlfahrt: „Entscheidend ist, dass wir dämmen.“ Bei der obersten Geschossdecke ist das bereits Pflicht. Die Kellerdecke und Außenwände sollten ebenfalls gedämmt werden, empfiehlt Anja Bierwirth vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie. Oft sei auch der Austausch von Fenstern und Türen sinnvoll. Erst im nächsten Schritt sollte eine neue Heizung installiert werden, die möglichst mit regenerativer Energie betrieben wird.

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Andere Architektur

Eine klimaschonende Bauweise verlangt nach neuen Lösungen. „Anspruchsvolle Gestaltung und Klimaneutralität schließen sich gegenseitig nicht aus“, betont Lucke. So könnten etwa Solarmodule in Dächer oder Fassaden integriert und Gebäudehüllen begrünt werden. Wichtig sind zudem eine kompakte Bauweise und eine lange Lebensdauer des Gebäudes. Eine Ausrichtung nach der Sonne ist sinnvoll, um die solare Wärmeeinstrahlung im Winter zu nutzen. Vollverglaste Gebäude seien allerdings wegen der zunehmenden Zahl von Hitzetagen nicht mehr zeitgemäß, so Lemaitre.

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