Immobilienmarkt: Das kostet das Wohnen und Kaufen in anderen Ländern

  • In Frankreich wird viel gebaut, weil neuer Wohnraum stark gefördert wird.
  • In Italien aber herrscht eine Immobilienkrise.
  • Die Wohnungssituation im Mittelmeerraum ist sehr unterschiedlich. Ein Überblick.
Sebastian Hoff
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München/Hamburg. Die Mittelmeerländer sind seit Jahrzehnten ein beliebtes Reiseziel der Deutschen. Doch in den klassischen Ferienorten ist schwer einzuschätzen, wie die Wohnsituation der Menschen ist. Wie sind die Mieten im Vergleich zu Deutschland? Ist das Angebot an Wohnraum groß genug? Was kostet der Quadratmeter im Schnitt? Ein Überblick:

Wohnungsangebot in Frankreich

Das Wohnungsangebot ist in Frankreich vergleichsweise gut: Auf 1000 Einwohner kommen laut der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte 518,2 Wohnungen – etwas mehr als in Deutschland und weit mehr als im EU-Durchschnitt. Gleichwohl wird dort neuer Wohnraum stark gefördert, etwa durch Steuervergünstigungen für Immobilienbesitzer und zinslose Darlehen für Erstkäufer. 2018 wurden rund 500.000 neue Wohneinheiten fertiggestellt, darunter einige Sozialwohnungen. „Im Speckgürtel von Paris wird zum Beispiel viel neuer Wohnraum zu erschwinglichen Preisen geschaffen“, sagt David Scheffler von Engel & Völkers in Frankreich. Der Wohnungsmarkt ist stark in Bewegung: 2017 wechselten fast eine Million Wohnungen ihren Besitzer.

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Auf die Preise hat sich der Bauboom allerdings kaum positiv ausgewirkt: Insbesondere in nachgefragten Lagen steigen sie weiterhin stark an. In Paris betrug der Anstieg zwischen 2000 und 2017 sogar mehr als 200 Prozent. „Das Preisgefälle zwischen Stadt und Land ist sehr deutlich“, berichtet Scheffler. So kostet der Quadratmeter in der Hauptstadt bis zu 40.000 Euro, auf dem Land werden dafür teilweise nur 1000 Euro verlangt. Im Schnitt betrug der Quadratmeterpreis 2017 gut 4000 Euro. Der Anteil an Steuern und Gebühren beim Hauskauf kann bis zu 20 Prozent ausmachen.

Die höchsten Mieten werden in Paris verlangt – sie liegen rund zweieinhalbmal so hoch wie im Landesdurchschnitt. In der Hauptstadt leben die meisten Mieter. Etwa zwei Drittel aller Franzosen besitzen jedoch Wohneigentum.

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Spanien: Hochburg der Wohnungseigentümer

In kaum einem europäischen Land gibt es so viele Besitzer von Wohneigentum: Die Quote liegt bei etwa 80 Prozent. Auch der Wohnungsbestand ist sehr gut: „Spanien ist Spitzenreiter mit 549,7 Wohnungen pro 1000 Einwohner“, sagt Michael Müller, Industry Leader des Bereichs Real Estate bei Deloitte. Vor allem in Städten wie Madrid und Barcelona sowie auf den Balearen und an der Küste ist die Nachfrage weiterhin hoch. Allerdings ist der Wohnungsbau ins Stocken geraten: 2017 wurden gerade einmal knapp 50.000 neue Wohneinheiten geschaffen.

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Nach Jahren des Preisverfalls mussten die Spanier wieder mehr Geld für Wohneigentum aufbringen: Im Schnitt sind es aktuell fast fünfeinhalb Jahresgehälter und damit etwas mehr als in Deutschland. Der Quadratmeter Wohnfläche kostet im Landesdurchschnitt gut 2000 Euro – Tendenz deutlich steigend. „Da es immer weniger Baugrund gibt, die Nachfrage jedoch ungebrochen hoch ist, steigen die Preise weiterhin“, erklärt Constanza Maya von Engel & Völkers in Spanien.

In Madrid betrug 2017 der Anstieg bei den Verkäufen 17 Prozent – ein Spitzenwert verglichen mit anderen europäischen Metropolen. Zur Miete zu wohnen ist für Spanier in der Regel unattraktiv: „Ein Objekt zu mieten ist in heutiger Zeit kostspieliger, als eine Hypothek zu bezahlen“, erläutert Maya.

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Italien: Mietwohnungen eher selten

Auch in dem Land liegt die Eigentümerquote sehr hoch – bei rund 80 Prozent. Mietwohnungen gibt es vergleichsweise selten. „Es ist üblicher, eine Wohnimmobilie zu kaufen. 2018 gab es 580.000 Transaktionen“, berichtet Alberto Cogliati von Engel & Völkers in Italien. Die meisten Verkäufe werden über Makler abgewickelt. Die Zusatzkosten für Courtage, Notar und Steuern beim Hauskauf zählen zu den höchsten in Europa.

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Die Kaufpreise stagnieren seit Jahren, waren teilweise sogar rückläufig. 2017 lag der Quadratmeterpreis im Landesdurchschnitt bei 2334 Euro. In Deutschland belief er sich auf 3242 Euro. „Die Preise für Wohnimmobilien sind im Süden sowie im Zentrum niedriger als im Norden“, erklärt Cogliati. In den Metropolen Mailand und Rom müssen Käufer im Schnitt 3609 beziehungsweise 3370 Euro pro Quadratmeter zahlen.

Bei der Schaffung von neuem Wohnraum gehört das Land zu den europäischen Schlusslichtern. „Dies geschieht vor allem in den Außenbezirken von Großstädten“, sagt Cogliati. Ein Mangel an Sozialwohnungen bestehe allerdings nicht. Die finden sich vor allem in den Vororten.

Griechenland: Häuser sind wenig wert

Der Immobilienmarkt war in Griechenland aufgrund der langjährigen Wirtschaftskrise zusammengebrochen: Laut Daten der griechischen Zentralbank sanken die Preise seit 2008 um mehr als 40 Prozent, in einigen Städten sogar noch stärker. Zwar leben gut 70 Prozent der Haushalte im Eigenheim, doch die Häuser sind immer weniger wert, die Besitzer oft hoch verschuldet.

Von der Krise längst nicht so stark betroffen war allerdings der Zweitwohnsitzmarkt, heißt es auf der Website gisimmobilien.de. Denn viele Ausländer investieren in Ferienwohnungen. Das Land hat die günstigsten Grundstücke im Mittelmeerraum zu bieten – auch in Toplagen. „An der Athener Riviera können Sie noch immer eine Immobilie mit Meerblick für 3000 Euro den Quadratmeter finden“, sagt Natalie Leontaraki, Geschäftsführerin vom Engel & Völkers Market Center Athen. Die Nebenkosten mit Steuern und Gebühren liegen bei rund 15 Prozent des Kaufpreises.

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Mittlerweile ist die Talsohle durchschritten, die Preise erholen sich wieder. In den vergangenen Jahren habe der Anstieg mehr als 30 Prozent betragen, sagt Leontaraki. Die Mietpreise seien ebenfalls stark angestiegen. Trotzdem sei es eine perfekte Zeit, um in Immobilien zu investieren: „Es gibt ein ausreichendes Angebot und eine hohe Nachfrage.“ Das Wertsteigerungspotenzial sei enorm, sagt die Expertin.

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