Trotz Rekordzahlen beim Einschlag: Baustoff Holz ist hierzulande Mangelware

  • In Deutschland wurden noch niemals zuvor so viele Bäume geschlagen wie in den vergangenen Jahren.
  • Doch trotz der Rekordzahlen wird hierzulande ausgerechnet das Holz knapp.
  • Die Folgen bekommen Industrie, Handel, Handwerk und Verbraucher derzeit kräftig zu spüren.
Sebastian Hoff
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Es klingt zunächst wie ein Widerspruch: Nie zuvor wurden in Deutschland so viele Bäume geschlagen wie in den vergangenen Jahren. Und trotzdem wird der Baustoff Holz hierzulande knapp. Die Folge sind steigende Preise, ruhende Baustellen und Stornierungen von Aufträgen.

Was sind die Ursachen für die Holzknappheit? Mehrere Faktoren kommen zusammen: Vor allem die USA und China haben einen hohen Bedarf an Bauholz, den sie selbst nicht decken können. Sie importieren deshalb große Mengen – unter anderem aus Deutschland. „Dass in Kalifornien Häuser aus deutschem Holz gebaut werden, ist schon ein bisschen absurd“, meint Ilona Klein, Sprecherin des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB).

Corona-Krise hat Renovierungs­boom verstärkt

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Hinzu kommt: Auch in Deutschland besteht ein Bau- und Renovierungs­boom – nicht zuletzt, weil Eigentümer und Eigentümerinnen in der Corona-Krise sich verstärkt um Haus und Garten kümmern. Holz als ökologischer Baustoff ist außerdem zunehmend gefragt. Zwar werden in heimischen Wäldern viele Bäume geschlagen, aber ein großer Teil ist geschädigt und eignet sich nicht zur Weiterverarbeitung. Weitere Ursachen für den Mangel sind laut Zentralverband des Deutschen Dachdecker­handwerks (ZVDH) überlastete Sägewerke und Spekulanten, die Holz bevorraten, um die Preise weiter zu steigern.

In welcher Weise ist das Baugewerbe betroffen? Holz wird in vielen Gebäuden verarbeitet, insbesondere im Dachgestühl. Laut einer Umfrage des ZVDH kommt es immer häufiger zu Liefer­engpässen: Mehr als die Hälfte aller Aufträge muss verschoben werden, 26 Prozent der Betriebe berichten von Baustellen­stopps. In einzelnen Fällen mussten Firmen ihre Belegschaft in Kurzarbeit schicken, sogar Insolvenzen drohen. „Für uns Holzbau­unternehmen ist es im Augenblick schwer, in dieser Situation Aufträge zu planen und zu kalkulieren“, sagt Peter Aicher, Vorsitzender von Holzbau Deutschland Bund Deutscher Zimmermeister.

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Bauholz ist gut 50 Prozent teurer geworden

Mit der Knappheit seien erhebliche Preis­anhebungen seitens der Industrie verbunden, die der Holzhandel an seine Kundinnen und Kunden weitergeben müsse, schreibt der Gesamtverband Deutscher Holzhandel (GD Holz). Bauholz verteuerte sich in den vergangenen Wochen teilweise um über 50 Prozent. Die höheren Einkaufskosten könnten die Firmen aber meist nicht den Bauherren und ‑herinnen aufbürden, erklärt Dietmar Ahle vom Bundes­verband Farbe Gestaltung Bautenschutz: „In den Verträgen mit Kunden ist dafür kein Spielraum.“

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Das treffe insbesondere auf Fertighäuser zu, für die in der Regel Festpreise vereinbart werden, ergänzt Achim Hannott, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Fertigbau: „Für die Firmen sinkt deshalb die Marge.“ Noch sieht er für die Verbraucherinnen und Verbraucher keine großen Auswirkungen, aber er schließt nicht aus, dass die Baupreise bald anziehen. „Bei neuen Projekten werden die Preise steigen. Auch mögliche Verzögerungen werden eingepreist“, prophezeit Klein.

Welche Auswirkungen spürt die Möbelbranche?

„Die deutsche Möbel­industrie leidet derzeit unter extremen Material­engpässen“, berichtet Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Möbel­industrie (VDM). Es fehle an Metall­teilen, Polster­materialien und Transport­kapazitäten, vor allem aber an Holzwerk­stoffen. 70 Prozent der Mitglieds­unternehmen berichten, dass ihre Produktion dadurch beeinträchtigt werde. Die Branche geht zwar noch davon aus, dass es sich um ein temporäres Problem handele. „Für die kommenden Monate rechnen wir aber mit einer Verschärfung“, sagt Kurth. Die Folge sind längere Lieferzeiten. Möglicherweise werde der Handel die gestiegenen Preise an die Verbraucher und Verbraucherinnen weitergeben, so Kurth.

Restholz wird zu Pellets verarbeitet

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Wie sieht es beim Brennholz aus? Auch als Brennstoff ist Holz stark nachgefragt. Mittlerweile werden in Deutschland rund 15 Millionen Holzheizungen und Öfen betrieben, viele davon allerdings nur gelegentlich. Noch kann der Bedarf an Heizmaterial gedeckt werden, die Kosten dafür sind in den meisten Regionen seit Langem kaum angestiegen. Große Preissprünge sind auch aktuell nicht zu erwarten – im Gegenteil: Derzeit fielen große Mengen Restholz an, die unter anderem zu Pellets verarbeitet würden, erklärt Anna Katharina Sievers, Sprecherin des Deutschen Energieholz- und Pellet­verbandes (DEPV). Gegenwärtig sei der Pelletpreis deshalb auf einem sehr niedrigen Niveau.

Langfristig planen, früh bestellen

Nicht nur Holz, auch Dämmstoffe, Farben, Dachpappen, Stahl oder PVC-Rohre werden knapp – und damit teuer. Für den weltweiten Material­mangel in der Baubranche ist vor allem die Corona-Pandemie verantwortlich, die Produktion und Lieferketten durcheinander­gewirbelt hat. Aber auch größere Anstrengungen zum nachhaltigen Bauen und Energiesparen machen sich bei einigen Produkten bemerkbar. Die Verbände schlagen Alarm, die Politik sucht nach Lösungen. So könnten in Deutschland wieder mehr Rohstoffe wie Sand oder Kies abgebaut und die heimische Produktion von Bauprodukten angekurbelt werden. Bauherrinnen und ‑herren wird empfohlen, möglichst langfristig zu planen und frühzeitig zu bestellen, damit die Firmen ausreichend Zeit haben, Waren zu ordern.

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