Energie aus der Umgebung: Was Sie über Wärmepumpen wissen müssen

  • Wärmepumpen gelten als nachhaltige Alternative zum klassischen Heizen mit Öl und Gas.
  • Ob aus dem Erdreich, dem Grundwasser oder Luft: Die Pumpen beziehen ihre Wärme auf unterschiedliche Weise.
  • Manche sind aufwendiger zu installieren als andere. Ist die Pumpe aber erst einmal am Laufen, macht sie nur wenig Arbeit.
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Wenn Expertinnen und Experten nach der aktuell besten und nachhaltigsten Alternative zu Öl- und Gasheizungen gefragt werden, nennen sie fast immer Wärmepumpen. „Sie nutzen vorhandene Energie am besten aus“, erklärt Alexander Steinfeldt vom Verbraucherportal co2online. Dabei handele es sich inzwischen um bewährte Technik, ergänzt Ramona Mittag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. In rund der Hälfte aller Neubauten werden inzwischen Wärmepumpen verbaut – Tendenz steigend.

Grundsätzlich sind drei verschiedene Systeme zu unterscheiden, die aber alle nach demselben Prinzip arbeiten: Sie entziehen der Umgebung Wärme, sei es aus der Luft, aus Wasser oder aus dem Erdreich. Mithilfe der gewonnenen Energie wird im Wärmetauscher ein Kältemittel verdampft und anschließend verdichtet. Das Kältemittel erwärmt sich, bringt das Heizungs- und Trinkwasser auf die gewünschte Temperatur und kondensiert anschließend wieder. Dann beginnt der Kreislauf aufs Neue.

Wärmpepumpen: Welche gibt es?

Sole-Wasser-Wärmepumpen: Sie sind sehr effektiv, weil im Erdreich ganzjährig konstante Temperaturen herrschen und vergleichsweise wenig Strom zum Betrieb benötigt wird. Dafür werden entweder wenige Meter unter der Erde Kollektoren großflächig ausgelegt oder eine Sonde in bis zu 100 Metern Tiefe angebracht. In den Rohren zirkuliert eine Sole, ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel. An heißen Tagen kann der Effekt umgekehrt werden, dann dient die Wärmepumpe als Klimaanlage.

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Voraussetzungen für die Technik sind entweder ein großer Garten oder die Möglichkeit, tiefe Bohrungen vornehmen zu können. Geographische Karten geben Aufschluss, erläutert Mittag. Eine behördliche Genehmigung ist meist erforderlich. Außerdem muss ein großer Lkw aufs Grundstück gelangen können. Die Gesamtkosten belaufen sich in der Regel auf mehr als 20.000 Euro.

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Wasser-Wasser-Wärmepumpen: Sie beziehen Wärme aus dem Grundwasser. Dafür wird ein Förderbrunnen gebohrt, durch den das Wasser zur Wärmepumpe gelangt. Nachdem es seine Wärme abgegeben hat, fließt es wieder zurück. Aufwand und Kosten verhalten sich ähnlich wie bei Sole-Wasser-Wärmepumpen.

Luft-Wasser-Wärmepumpen: Sie sind mit Abstand am meisten verbreitet, benötigen wenig Platz und sind vergleichsweise unaufwändig zu installieren – auch in viele Bestandsgebäude. Eine Genehmigung ist nicht erforderlich, allerdings muss das Nachbarschaftsrecht beachtet werden. In der Nähe des Hauses wird ein Ventilator aufgestellt, der der Luft Wärme entzieht. Das funktioniere auch bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius, erläutert Matthias Wagnitz, Experte beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK): „Das Prinzip ist das gleiche wie beim Kühlschrank – nur umgekehrt.“

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Allerdings benötigen Luft-Wasser-Wärmepumpen oft vergleichsweise viel Strom. Sinkt die sogenannte Jahresarbeitszahl unter den Wert drei, werden also mit einer Kilowattstunde Strom weniger als drei Kilowattstunden Wärme erzeugt, arbeiten sie nicht mehr besonders nachhaltig und wirtschaftlich. Eventuell muss an sehr kalten Tagen eine weitere Heizquelle zugeschaltet werden.

Manche Anlagen sind relativ laut und vibrieren. Das könnte Anwohnerinnen und Anwohnern verärgern. Deshalb sollte auf guten Schallschutz geachtet werden, empfiehlt Steinfeldt. Wegen der großen Nachfrage und der guten Förderbedingungen stiegen derzeit die Kosten für die Technik, sagt Mittag. In der Regel müssen mehr als 10.000 Euro veranschlagt werden.

Welche Voraussetzungen sollten für Wärmepumpen gegeben sein?

Wärmepumpen arbeiten dann besonders effektiv, wenn kein großer Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und Heizsystem besteht. Das Gebäude sollte deshalb möglichst eine Flächenheizung besitzen, weil diese eine vergleichsweise geringe Vorlauftemperatur von etwa 35 Grad Celsius benötigt. Bei anderen Heizungen seien häufig 60 Grad ausreichend, erklärt Wagnitz.

Alternativ können große Heizkörper erforderlich sein. Im Bestand fallen dann eventuell weitere Kosten für die Umrüstung an. Vorteilhaft sind zudem gut gedämmte Gebäude. Wagnitz rät, beim Kauf von Wärmepumpen auf umweltverträgliche Kältemittel wie Propan zu achten.

Was ist bei der Stromversorgung zu beachten?

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Wärmpumpen benötigen für den Betrieb Energie. Stammt der Strom aus der eigenen Fotovoltaikanlage, kann die Anlage fast klimaneutral betrieben werden. „Das gilt aber nur für Übergangszeiten, im Winter reicht eine Solaranlage meist nicht aus“, erklärt Mittag.

Zusätzlich oder alternativ kann grüner Strom aus regenerativen Quellen bezogen werden. Die Versorger bieten spezielle Tarife für Wärmepumpen an. Die enthalten allerdings oft Sperrzeiten, sodass die Technik stundenweise nicht arbeiten kann. Mit Fußbodenheizungen und in gut gedämmten Häusern sei das aber kein Problem, sagt Wagnitz.

Gibt es Zuschüsse für Wärmepumpen?

Die Technik wird derzeit stark gefördert. „Das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA) gewährt einen Zuschuss in Höhe von bis zu 35 Prozent“, erklärt Steinfeldt. Noch mehr Förderung gibt es, wenn eine Ölheizung ausgetauscht wird. Werden weitere Sanierungsarbeiten durchgeführt, können bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zinsgünstige Darlehen beantragt werden. Auch einige Bundesländer haben Förderprogramme aufgelegt.

Welche Wartungsarbeiten sind nötig?

Wurden Wärmepumpen erst einmal installiert, müssen sich die Eigentümer kaum noch darum kümmern. Die Technik funktioniert fast wartungsfrei, weil keine Brennerräume gereinigt und Abgaswerte kontrolliert werden müssen. Ein Schornsteinfeger oder eine Schornsteinfegerin wird deshalb nicht benötigt.

Insbesondere bei Luft-Wasser-Wärmepumpen ist jedoch eine regelmäßige Überprüfung ratsam. Unter Umständen muss nach einiger Zeit der Filter ausgetauscht werden. Wartungen kosten wenige Hundert Euro und sollten durchgeführt werden, wenn die Heizungsanlage nicht benötigt wird. Die Betriebskosten hängen vor allem davon ab, wie viel Strom bezogen werden muss und welche Konditionen dafür gelten.

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