Häuser aus dem 3-D-Drucker: Sieht so das Wohnen der Zukunft aus?

  • Autoteile, Organe, und nun auch Häuser: Der 3-D-Druck revolutioniert zahlreiche Branchen.
  • Die neue Technologie könnte nicht nur eine schnellere Alternative zu traditionellen Bauverfahren, sondern auch wesentlich günstiger sein.
  • Mittlerweile gibt es die ersten 3-D-gedruckten Häuser auch in Europa.
Michèle Förster
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Aus dem Drucker statt Stein auf Stein – so könnte der Hausbau der Zukunft aussehen. Denn was vor einigen Jahren noch undenkbar erschien, nimmt heute zunehmend Gestalt an. Häuser, die mittels 3-D-Druckverfahren errichtet werden, entstehen nicht nur in Rekordzeit, sondern sind im Vergleich zu herkömmlichen Bauweisen auch um einiges günstiger. Das amerikanische Start-up Icon, das Häuser für erschwingliche 6000 Dollar produziert, gilt als Vorreiter dieser Technologie.

Start-up erhält 2018 die erste Baugenehmigung

Die wachsende Weltbevölkerung und der damit einhergehende Wohnungsmangel zwingen Architekten und Bauplaner dazu, die traditionellen Ansätze des Bauens zu überdenken. Um in kurzer Zeit bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, könnte das 3-D-Druckverfahren eine innovative Lösung sein.

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Die erste Baugenehmigung für ein Haus aus dem Drucker in den USA erhielt das texanische Unternehmen Icon 2018. Innerhalb weniger Wochen entstand ein 33 Quadratmeter großer Bungalow mit umlaufender Terrasse, der als Anschauungsobjekt für nachhaltige, soziale Bauprojekte dienen sollte.

3-D-Drucker-Haus: Eine Chance für den sozialen Wohnungsbau

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Im vergangenen Jahr realisierte Icon in Zusammenarbeit mit der Non-Profit-Organisation New Story sein erstes größeres Projekt: Im zentralamerikanischen El Salvador entstand eine Siedlung für rund 400 Menschen, die bis dahin obdachlos waren oder in prekären Wohnverhältnissen lebten. Die erste vollständig mit dem 3-D-Drucker erbaute Gemeinde soll nach und nach vergrößert werden.

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Realisieren ließ sich das Vorhaben mithilfe des tragbaren 3-D-Druckers Vulcan. Dieser ist so konzipiert, dass er nahezu abfallfrei produziert und auch unter schwierigen Bedingungen, wie einem begrenzten Zugang zur Wasser- oder Stromversorgung, arbeiten kann.

“Herkömmliche Konstruktionsmethoden bringen viele Nachteile und Probleme mit sich, die wir so lange für selbstverständlich gehalten haben, dass wir vergessen haben, uns Alternativen vorzustellen”, sagte Jason Ballard, ein Mitbegründer von Icon, in einer Mitteilung. Durch die neue Technologie wird nicht nur die Bauzeit extrem verkürzt, sondern auch die Kosten für den Hausbau sinken. Innerhalb von nur 24 Stunden kann so ein einstöckiges Haus gedruckt werden, das auf 55 bis 80 Quadratmetern Platz für bis zu zwei Schlafzimmer, ein Bad und eine Veranda bietet.

3-D-Druck eröffnet neue Designmöglichkeiten

Neben der Zeit- und Kostenersparnis bietet der 3-D-Druck auch Architekten neue Möglichkeiten. Denn mithilfe der Technologie können Gebäude in völlig neuen und außergewöhnlichen Formen erbaut werden. So sind in den von Icon gedruckten Häusern die Sichtbetonwände mit Rippenstruktur in allen Räumen ein regelrechtes Designelement. Die typische Struktur kommt durch das Druckverfahren zustande: Vulcan setzt den Beton schichtweise übereinander.

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Noch außergewöhnlicher sehen die Häuser der niederländischen Baufirma Van Wijnen aus. Die in Kooperation mit der Technischen Universität Eindhoven im 3-D-Druckverfahren hergestellten Wohnungen sollen besonders natürlich wirken und sich in die Umgebung einfügen. Mit ihrer Form erinnern sie an Höhlen oder große Findlinge.

Unterdessen ist in Russland das erste 3-D-Haus entstanden, das extremen Witterungsbedingungen und Temperaturen bis minus 60 Grad standhält. In nur 24 Stunden druckte das amerikanisch-russische Start-up Apis Cor ein Haus mit 38 Quadratmetern. Inklusive der eingesetzten Fenster und des Dachs beliefen sich die Kosten für das gedruckte Tiny House auf umgerechnet knapp 9500 Euro.

Im belgischen Westerlo werden unterdessen die Grenzen des Bauverfahrens getestet. Dort entstand im Juli ein zweistöckiges, 90 Quadratmeter großes Haus mit einem 3-D-Drucker. Drei Wochen hat dessen Erstellung gedauert. Laut den Projektleitern handelt es sich um das erste Haus seiner Art in Europa. Das Gebäude soll nun weiter ausgebaut werden: Fußboden- und Deckenheizung, Solarzellen sowie eine Wärmepumpe sollen es zu einem Niedrigenergiehaus machen.

Erstes 3-D-Bauprojekt in Deutschland angelaufen

Auch in Deutschland ist die innovative Bautechnik mittlerweile angekommen. Im westfälischen Beckum begann Ende September der Bau des bundesweit ersten Hauses, das mittels 3-D-Drucker hergestellt wird. Der Bau des zweigeschossigen Einfamilienhauses wird vom Landesbauministerium mit 200.000 Euro gefördert.

Während die Bauzeit für ein Haus dieser Größe mit herkömmlicher Bauweise fast ein Jahr beträgt, können die Gebäude aus dem 3-D-Drucker innerhalb weniger Wochen entstehen. Und obwohl die 3-D-Druck-Technik wirtschaftliche Vorteile bietet und in nahezu jeder Region eingesetzt werden kann, wird es wohl noch eine ganze Weile dauern, bis die innovative 3-D-Technologie häufiger als herkömmliche Verfahren in der Bauindustrie eingesetzt wird.

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