Diese Grafiken zeigen den Zusammenhang

Gedrosselter Gasverbrauch: Welchen Effekt hatten Einsparungen – und welchen das Wetter?

Die milden Temperaturen sorgen im Oktober für einen relativ geringen Gasverbrauch in Deutschland.

Die milden Temperaturen sorgen im Oktober für einen relativ geringen Gasverbrauch in Deutschland.

Um eine Aussage darüber treffen zu können, ob die Bürger und Bürgerinnen hierzulande sparsam mit Gas umgehen, reicht es nicht, den derzeitigen Verbrauch mit dem der Vorjahre zu vergleichen. Denn der wahre Sparwille zeigt sich erst, wenn man den Effekt der Witterung ausklammert.

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Um den Gasverbrauch um die Wirkung des Wetters zu bereinigen, hat das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) Daten des Deutschen Wetterdienstes zur täglichen Lufttemperatur und Daten der staatlichen Einkaufsgesellschaft Trading Hub Europe zum täglichen Gasverbrauch miteinander verknüpft und näher untersucht.

Mit sinkenden Temperaturen steigt der Gasverbrauch

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Die Grafik zeigt den Gasverbrauch und die Temperatur für jede Woche seit dem Jahr 2017: Wie mit dem Lineal gezogen steigt mit sinkenden Temperaturen der tägliche Gasverbrauch. Das meiste Gas in einer Woche verheizten die Deutschen Anfang Februar 2021 bei Minusgraden von durchschnittlich 7,3 Grad Celsius (Kreis oben rechts).

Die blauen Punkte in der Grafik stehen für die Wochen seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine Ende Februar. Unter dem Strich haben die privaten Haushalte seither 3,9 Prozent weniger Gas verbraucht als im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021 in der gleichen Zeitspanne. Nimmt man die Industrie hinzu, lag die Einsparung für die gesamte Gesellschaft bei 10,5 Prozent: 461 Terawattstunden 2022 im Vergleich zu 515 Terawattstunden im Durchschnitt der fünf Vorjahre.

Die Temperaturen waren 2022 relativ hoch

Doch welcher Teil dieses Rückgangs ist auf Verhaltensänderungen wie kürzeres Duschen und eine niedrige Stufe am Heizkörper zurückzuführen und wie viel Einfluss hatte das Wetter? Fest steht: Die Temperaturen waren im Jahr 2022 bislang außergewöhnlich hoch. In der Zeit seit Beginn der Invasion bis Ende Oktober wurden durchschnittlich 13,6 Grad Celsius gemessen. Das sind 2,2 Grad mehr als im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021 in dieser Zeit. Dementsprechend wäre der Gasverbrauch in diesem Jahr auch ohne einschneidende Ereignisse der Weltgeschichte aller Voraussicht nach spürbar niedriger ausgefallen als in den Jahren zuvor.

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Um den Temperatureffekt genauer beziffern zu können, zeigt die folgende Grafik jede Woche seit Februar 2022 im Vergleich mit jenen Wochen seit 2017, in denen vergleichbare Temperaturen gemessen wurden. Die Nulllinie entspricht dem Durchschnitt dieser Wochen. Lagen die Wochen des Jahres 2022 über dem Durchschnitt, zeigt der rote Pfeil nach rechts. Haben die privaten Haushalte in einer Woche weniger Gas verbraucht als üblich bei den jeweiligen Temperaturen, zeigt ein blauer Pfeil nach links.

Seit Ende Februar lag der Verbrauch temperaturbereinigt mal über dem Durchschnitt und etwas häufiger darunter. Unter dem Strich bleiben bei dieser Rechnung immerhin Einsparungen von 2,7 Terawattstunden. Bezogen auf den Gesamtverbrauch der privaten Haushalte in dieser Zeit von 162 Terawattstunden eine eher bescheidene Einsparung von 1,7 Prozent. Der Großteil der Reduzierung des Gasverbrauchs in diesem Jahr geht also auf die hohen Temperaturen zurück.

Speicher reichen für zwei kalte Monate

Die Hoffnungen müssen deshalb vor allem darauf ruhen, dass der kommende Winter nicht allzu streng ausfällt, denn ohne günstige Witterungsbedingungen dürfte es schwer werden, die Einsparziele zu erreichen. Die Länder der Europäischen Union haben sich darauf geeinigt, 15 Prozent weniger zu verbrauchen. Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hat die Latte für Deutschland auf 20 Prozent gelegt.

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So ändern sich die Preise im November für Verbraucherinnen und Verbraucher

Ab November müssen sich Verbraucherinnen und Verbraucher an einigen Stellen auf steigende Kosten vorbereiten. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Zwar sind die Speicher derzeit fast randvoll gefüllt, doch damit kann Deutschland zwei Wintermonate überbrücken, aber nicht die komplette kalte Jahreszeit. Zusätzlich zu den gefüllten Gasspeichern benötigt Deutschland also kontinuierlich Importe. Nachdem Russland die Lieferung von Erdgas gestoppt hat, kommen die Einfuhren vor allem aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. Neben den Importen via Pipeline wird Flüssiggas (liquified natural gas oder LNG) in Zukunft eine größere Rolle spielen. Die LNG-Terminals, die gerade an den Stand­or­ten Wil­helms­ha­ven, Bruns­büt­tel, Sta­de und Lub­min entstehen, sollen für mehr Gasimporte sorgen.

Die Bundesnetzagentur erwartet, dass ab Ende Oktober wieder mehr Gas aus den Speichern entnommen als eingeleitet wird und die Füllstände somit wieder zu sinken beginnen. Die Gasspeicher werden sich dann bis zum Frühling allmählich leeren und haben dann im Idealfall noch einen Füllstand von mindestens 50 Prozent. Das wäre genug, um bis zum darauffolgenden Winter wieder genug Gas zu speichern.

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