Die Zimmerwand als Parkplatz

  • Die Nachfrage nach Fahrrädern boomt, doch längst nicht in jedem Haus sind Stellplätze vorgesehen.
  • Von der Aufhängung mit Flaschenzug bis zur Fahrradgarage aus Plexiglas – kreative Lösungen gibt es viele.
  • Fahrräder im Kellergang oder im Hausflur abzustellen ist dagegen aus Brandschutzgründen in der Regel ein Tabu.
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Wohin mit dem Fahrrad? Diese Frage stellen sich vor allem Bewohnerinnen und Bewohnern in dicht besiedelten Stadtteilen. Das gute Stück soll möglichst sicher, geschützt und leicht erreichbar abgestellt sein. „Sinnvoll ist ein ebenerdiger Abstellraum oder ein Fahrradkeller“, sagt Roland Huhn, Rechtsreferent des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Sei dieser vorhanden, dürfe und sollte er in der Regel auch genutzt werden.

Vermieter nicht zu Abstellmöglichkeiten verpflichtet

Aber längst nicht in jedem Haus sind Fahrradstellplätze vorgesehen. „Der Vermieter ist grundsätzlich nicht verpflichtet, Abstellmöglichkeiten für Räder anzubieten oder zu schaffen“, erklärt Jutta Hartmann vom Deutschen Mieterbund (DMB). Da vor der Haustür ebenfalls oft kein Platz vorhanden ist und das Rad nicht diebstahlsicher geparkt werden kann, sind findige Lösungen gefragt – zum Beispiel Wandhalterungen in der eigenen Wohnung. Diese gibt es zu kaufen, sie können aber auch von Heimwerkerinnen und Heimwerkern ohne großen Aufwand gebaut werden. Eine Anleitung findet sich zum Beispiel auf der Website der DIY-Academy in Köln. In Wohnungen mit hohen Decken seien Fahrradaufhängungen mit Flaschenzügen eine Alternative, sagt Huhn.

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Das Fahrrad über dem Sofa oder im Wohnungsflur ist nicht nur eine praktische Lösung, sondern kann auch ein Designelement sein – insbesondere wenn es sich um stylishe Modelle handelt. Grundsätzlich sei es mietrechtlich betrachtet kein Problem, das Fahrrad in der eigenen Wohnung aufzubewahren, wenn der Vermieter keine Abstellmöglichkeit biete, erklärt Hartmann. Und selbst wenn diese vorhanden sei, müsse sie nicht immer genutzt werden: „Handelt es sich um sehr teure Räder, kann dem Mieter im Zweifel nicht zugemutet werden, das Rad im Hof oder in einem Gemeinschaftskeller abzustellen.“

Fahrradparken zu Hause. © Quelle: Bosch

In einem Innenhof dürfen Fahrräder auch nur dann abgestellt werden, wenn der Mietvertrag dies vorsehe oder der Vermieter die Erlaubnis gegeben habe, erklärt Huhn: „Sind aber Fahrradständer aufgestellt und wird das Abstellen geduldet, kann sich ein vertragsgemäßes Mietrecht ergeben.“ Fahrräder im Kellergang oder im Hausflur abzustellen ist aus Brandschutzgründen in der Regel ein Tabu und nur mit ausdrücklicher Einwilligung des Vermieters erlaubt. Keine Erlaubnis ist hingegen nötig, wenn das Fahrrad zur Wohnung gebracht wird. „Das Schieben durch den Treppenflur ist keine Vertragsverletzung“, betont Huhn. Allerdings dürfen dabei keine Schäden entstehen.

Vor allem schwere E-Bikes und sperrige Lastenräder lassen sich aber unmöglich in Fahrradkeller und erst recht nicht in Etagenwohnungen bringen. Um sie geschützt abstellen zu können, sind mitunter Umbauten nötig. In Wohnungseigentumsgemeinschaften (WEGs) sei das inzwischen leichter möglich, weil für einen entsprechenden Beschluss keine Einstimmigkeit, sondern lediglich eine Mehrheit erforderlich sei, sagt Huhn: „Neu ist auch, dass jeder Wohnungseigentümer angemessene bauliche Veränderungen verlangen kann, die dem Laden elektrisch betriebener Fahrzeuge dienen“, so der ADFC-Rechtsexperte. Das gelte auch für Pedelecs.

Verkauf von Fahrrädern boomt

Ist auf dem Grundstück genug Platz, können auch abschließbare Fahrradgaragen aufgestellt werden. Dafür gibt es mehrere Anbieter. Die Firma Cervotec in Münster verkauft transparente und luftig wirkende Modelle, die mittels Punktfundamenten fest verankert werden und nach dem Brotkastenprinzip funktionieren, erläutert Prokurist Steffen Aupers. Die gewölbten Garagendächer aus schlagsicherem Plexiglas werden nach oben geöffnet und nach hinten geschwenkt. Die Garagen gibt es für zwei bis sechs Räder, im Angebot sind auch ein XL-Modell für Lastenräder und ein Fahrradständersystem mit Lademöglichkeit für E-Bikes. Der Preis für eine Vierergarage beläuft sich auf rund 3500 Euro.

Die Nachfrage nach solchen Garagen boomt – nicht zuletzt, weil immer mehr Fahrräder gekauft werden. Viele Vermieter reagieren darauf und schaffen sichere und praktische Abstellmöglichkeiten. Das treffe insbesondere auf Wohnungsgesellschaften und für Neubauten zu, berichtet Aupers.

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© Quelle: cervotec/Maike Brautmeier

Fahrradgaragen im öffentlichen Raum

Einige Kommunen haben Fahrradgaragen aufstellen lassen, die von den Anwohnerinnen und Anwohnern genutzt werden können – meist gegen eine Miete. Im Berliner Stadtteil Charlottenburg wurden dafür Autoparkplätze umgewidmet. Insgesamt wurden 50 Stellplätze geschaffen. Die Miete pro Rad beträgt jährlich 108 Euro. In Hamburg werden bereits seit 1993 sogenannte Fahrradhäuschen im öffentlichen Raum aufgestellt. Inzwischen sind es rund 400. Sie sind zwölfeckig und bieten Platz für zwölf Fahrräder, die an Halterungen aufgehängt werden. In Düsseldorf und Mainz gibt es erste Prototypen von Fahrradhäuschen. Einige Kommunen planen zudem den Bau von Türmen für mehrere Dutzend Räder, die automatisch zu ihrem Platz gebracht und von dort wieder abgeholt werden.

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