Energieeffizient bauen und sanieren: Was Bauherren 2021 beachten sollten

  • Um die CO₂-Bilanz von Gebäuden zu senken, hat die Bundesregierung 2020 Anreize in Form von milliardenschweren Fördergeldern ins Leben gerufen.
  • Und die staatlichen Förderprogramme zeigen Wirkung: Energieeffiziente Neubauten und Sanierungen stiegen im vergangenen Jahr um 40 Prozent.
  • Weitere Anreize sind geplant.
Sebastian Hoff
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In rund 30 Jahren soll der Gebäudebestand in Deutschland klimaneutral sein. Das heißt: Alle Gebäude dürfen dann in der Bilanz nicht mehr CO₂ ausstoßen, als sie selbst kompensieren – etwa durch die Produktion von Strom aus erneuerbare Energien. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, hatte die Bundesregierung fürs vergangene Jahr ein milliardenschweres Marktanreizprogramm aufgelegt. Die Förderungen wurden durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (Bafa) vergeben.

Nach einem Jahr ist klar zu erkennen, dass die Angebote Wirkung zeigen: „Die Investitionen haben allein im ersten Halbjahr 2020 CO₂-Emissionsminderungen um mehr als 400.000 Tonnen bewirkt“, berichtet Christian Stolte, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie-Agentur (dena). Vor allem die Programme für energieeffiziente Neubauten und die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden waren im Vergleich zu 2019 um rund 40 Prozent stärker nachgefragt. Insgesamt wurden bereits im ersten Halbjahr 2020 rund 14,5 Milliarden Euro bewilligt. Davon profitierten private Bauherren ebenso wie Kommunen und Gewerbebetriebe.

Die Nachfrage boomt – trotz Corona

Besonders gut lief auch das Programm „Heizen mit Erneuerbaren Energien“, schreibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Im Vergleich zu 2019 verdoppelten sich die Antragszahlen. Zuschüsse wurden vom Bafa vor allem für den Austausch von Ölheizungen bewilligt. Zu 84 Prozent wurden sie durch erneuerbare Energien, insbesondere Wärmepumpen und Biomasseanlagen, ersetzt. Weil die Programme für mehr Energieeffizienz so stark nachgefragt waren, wurden sie im Laufe des Jahres um 2,2 Milliarden Euro aufgestockt.

„Die Nachfrage boomt regelrecht, trotz Corona“, sagt Alia Begisheva, Sprecherin der KfW. Corinna Merzyn, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Privater Bauherren (VPB) erklärt die hohe Investitionsbereitschaft damit, dass während der Pandemie der „emotionale Wert von Wohneigentum gestiegen“ sei. Außerdem hatten Eigentümer Zeit, sich um ihre Gebäude zu kümmern, und steckten Geld, das nicht für Reisen oder Freizeitgestaltung ausgegeben wurde, ins eigene Haus: „Bauherren leisteten damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Energiewende, sondern auch zur wirtschaftlichen Stabilität in schwierigen Zeiten.“

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Im Sommer werden die Förderprogramme neu geordnet

Trotz oder gerade weil die Nachfrage so hoch war, sind für dieses und die folgenden beiden Jahre Änderungen bei den Förderungen vorgesehen: „Die Bundesregierung wird beginnend mit 2021 ihre energetische Gebäudeförderung neu aufsetzen und die Programme zur Förderung von Energieeffizienz und erneuerbare Energien in einem vereinfachten Förderangebot bündeln. Das neue Programm heißt Bundesförderung für effiziente Gebäude, kurz BEG“, erklärt Begisheva. Darin werden alle Förderungen im investiven Bereich zusammengeführt, ergänzt Benjamin Weismann, Geschäftsführer des Energieberaterverbandes GIH. Da noch nicht alle Förderbestandteile der BEG in Kraft getreten seien, könne es allerdings sinnvoll sein, mit dem Neubau oder einer Sanierung bis Mitte kommenden Jahres zu warten.

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Fest steht: Seit Anfang des Jahres können Zuschüsse für Einzelmaßnahmen wie die Dämmung der Gebäudehülle, der Austausch von Fenstern und Türen oder der Einsatz erneuerbarer Energien ausschließlich bei der Bafa beantragt werden. Am 1. Juli dieses Jahres sollen die Förderprogramme für Neubauten und umfassende Sanierungen auf Effizienzhausniveau neu geordnet werden. Eine Förderlücke entstehe aber nicht, weil die bestehenden Programme bis dahin weiterlaufen, erklärt das BMWi. Geplant sei, dass ab 2023 die Bafa grundsätzlich nur Zuschüsse gewährt und die KfW ausschließlich Kreditfinanzierungen mit Tilgungszuschuss anbietet, ergänzt Stolte. Doppelförderungen sind nicht möglich.

Energieberater vor Bau- oder Sanierungsstart hinzuziehen

Ganz gleich, ob energieeffizient neu gebaut oder saniert werden soll: Es empfiehlt sich immer, vorab einen Energieberater hinzuziehen, der das gesamte Gebäude im Blick hat. „Dies lohnt sich insbesondere seit dem 1. Januar, da es nun bei der Bafa 5 Prozent mehr Förderung bei Zuschüssen gibt, wenn die durchzuführende energetische Maßnahme zuvor in einem individuellen Sanierungsfahrplan als ein sinnvoller Schritt zur Sanierung empfohlen wurde“, erklärt Weismann. Stolte weist darauf hin, dass Baubegleitungen durch Energieeffizienzexperten mit zusätzlich bis zu 50 Prozent gefördert werden.

Entscheidungen sollten aber nicht allein von Fördermitteln abhängig gemacht werden, mahnt Merzyn: „Entscheidend für Bauherren ist, dass sie nur in Maßnahmen investieren, die zu ihrem Haus passen und die in der jeweils ganz individuellen Gebäudekonstellation nicht nur sinnvoll, sondern möglichst optimal sind.“

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Energiesparen wird steuerlich belohnt

Wer sein Haus energieeffizienter macht, kann Steuern sparen. Das gilt etwa für den Austausch der alten Heizung, für den Einbau neuer Fenster oder die Dämmung der Fassade. Die Kosten dafür können drei Jahre lang mit bis zu 20 Prozent zum Abzug gebracht werden. Für eine energetische Baubegleitung und Fachplanung lassen sich sogar bis zu 50 Prozent der Kosten steuerlich absetzen. Voraussetzung dafür ist, dass das Gebäude selbst bewohnt wird. Die steuerliche Förderung trat am 1. Januar 2020 in Kraft. Das heißt: In diesem Jahr kann sie erstmals in der Steuererklärung geltend gemacht werden.

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